{"entities":{"Q1468007":{"pageid":1478747,"ns":120,"title":"Item:Q1468007","lastrevid":67575048,"modified":"2026-04-12T18:53:02Z","type":"item","id":"Q1468007","labels":{"en":{"language":"en","value":"Das Kontinuum. Kritische Untersuchungen \u00fcber die Grundlagen der Analysis."}},"descriptions":{"en":{"language":"en","value":"scientific article; zbMATH DE number 2609464"}},"aliases":{},"claims":{"P31":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P31","hash":"fd5912e4dab4b881a8eb0eb27e7893fef55176ad","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":56887,"id":"Q56887"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q1468007$783C7198-DD6B-46C4-97C3-F67A03613DD2","rank":"normal"}],"P159":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P159","hash":"ec98c2e31ec132b9ecd65ef781c685208e7213ab","datavalue":{"value":{"text":"Das Kontinuum. 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Jahrhunderts gefunden. Die durch die Arbeiten von \\textit{Cantor} und \\textit{Dedekind} gegebene L\u00f6sung verwendet den Mengenbegriff in einer Gestalt, wie er whol zuerst in der \\textit{Dirichlet}schen Definition der Funktion auftritt, dann in der \\textit{Cantor}schen Mengenlehre seine gro\u00dfen Erfolge zeitigt. Dieser Mengenbegriff hat jedoch schon in seinen \u00e4u\u00dfersten Konsequenzen zu erheblichen Absurdit\u00e4ten gef\u00fchrt, die man allerdings im allgemeinen als bedeutungslos f\u00fcr das hauptergebnis der mengentheoretischen Betrachtungsweise, n\u00e4mlich f\u00fcr die Theorie der reellen Zahl oder des Kontinuums, ansah.   Es ist nun das Verdienst des vorliegenden Buches, aufs neue auf die Schwierigkeiten, die im Begriff der reellen Zahl liegen, hingewiesen, und die logischen Laxheiten, die in der \u00fcblichen Einf\u00fchrung dieses Begriffs durch den vagen Mengenbegriff veranla\u00dft werden, festgestellt zu haben. Der Verf. sieht n\u00e4mlich in der modernen Begr\u00fcndung der Analysis einen circulus vitiosus, der durch die unpr\u00e4zise Anwendung des Existenzbegriffes entsteht. Die Aussage: ``Es gibt einen Gegenstand von der Eigenschaft \\(A\\)'', hat nur dann einen Sinn, wenn die Existenz etwas an sich Feststehendes ist, oder wenn der Kreis der als existierend angesehenen Dinge ein schaft umgrenzter ist. Einem logischen Zirkel aber ist es offenbar gleichkommend, wenn man eine Eigenschaft definiert, in folgender Weise: ``Die Eigenschaft \\(E\\) soll dem Gegenstand \\(X\\) zukommen, wenn es eine Eigenschaft von der Art gibt, da\u00df \\(\\dots\\)''. Denn der Kreis von Eigenschaften, der durchsucht werden m\u00fc\u00dfte, ist hier unabgeschlossen, und es ist v\u00f6llig unentschieden, ob er noch durch die zu definierende Eigenschaft vermehrt wird oder nicht, die aber selbst erst bekannt sein m\u00fc\u00dfte, um den Kreis der Eigenschaften v\u00f6llig \u00fcberblicken zu k\u00f6nnen, was wieder zu Definition notwendig ist. Da\u00df ein solcher Zirkel in der heutigen Analysis aber eine Rolle spielt, kann man einsehen, wenn man sich den Beweis des Satzes ``Jede beschr\u00e4nkte Menge reeller Zahlen besitzt eine obere Grenze'' oder des Satzes ``Jeder Schnitt im Bereiche der reellen Zahlen bestimmt wieder eine reelle Zahl'' vergegenw\u00e4rtigt und bedenkt, da\u00df eine reelle Zahl in der \\textit{Dedekind}schen Auffassung eine Menge rationaler Zahlen ist, eine Menge aber nach \\textit{Weyl} nur durch eine Eigenschaft, die ihre Elemente charakterisiert, bestimmt sein kann.   Um nun diese Widersinigkeiten zu analysieren, untersucht \\textit{Weyl} zun\u00e4chst die Rolle, die die Aussage ``es gibt'' spielt. Es stellt dabei fest, da\u00df in der Verbindung, ``es gibt ein \\(x\\) derart, da\u00df \\(\\dots\\)'' dieses \\(x\\) im Urteil nur eine ``scheinbare'' Variable (nch dem Sprachgebrauch der mathematischen Logik) ist. Auch durch Ausf\u00fcllung durch einen bestimmten Gegenstand kann die Variabelnzahl eines ``Urteilsschemas'' vermindert werden. W\u00e4hrend ``\\(x\\) ist Neffe von \\(y\\)'' ein Urteilsschema mit zwei Variabeln ist, wird daraus erst ein Urteil, -- in dem eine Aussage gemacht wird, die wahr oder falsch sein kann --, wenn die beiden Variabeln entweder durch bestimmte Personen ausgef\u00fcllt werden, oder zu scheinbaren Variabeln gemacht werden durch ``es gibt'', also etwa \\(y=\\) ich gesetzt: ``Es gibt ein \\(x\\), so da\u00df \\(x\\) Neffe von mit ist'' oder ``ich bin Onkel''. Neben diesen beiden logischen Verfahren stellt der Verfasser noch weitere logische Prinzipien der Urteilskombination auf, durch die man aus einfachen Urteilen zu komplizierteren \u00fcbergehen kann, darunter das mathematisch beeutungsvolle der Iteration. Wesentlich ist es dann, da\u00df \\textit{Weyl} nur die nach diesen Prinzipien aus gewissen Grundurteilen gebildeten Urteile und die dadurch konstruierten Eigenschaften und Mengen zul\u00e4\u00dft. Diese, den ersten Teil des Buches bildende Untersuchungen sind auch an sich bemerkenswert, indem sie die dem Mathematiker gel\u00e4ufige Tatsache hervorheben, da\u00df die traditionelle Logik mit ihren Einteilungen nicht im entferntesten der feinen Struktur des Urteils gerecht wird. Au\u00dferdem wird hier der Satz vom ausgeschlossenen Dritten in sinngem\u00e4\u00dfer Weise beschr\u00e4nkt. Ein Satz wie ``Die Tugend ist gr\u00fcn'' ist weder wahr noch falsch, sondern sinnlos, d. h. er stellt gar kein Urteil dar. Jede Eigenschaft kann nur von einer gewissen, ihr zugeordneten Kategorie von Gegenst\u00e4nden sinvoll behauptet oder verneint werden; erst der Sinn eines sinnvollen Satzes ist das Urteil. Solche Bemerkungen (die sich z. B. auch schon bei \\textit{Lotze} finden) sind leider in Vergessenheit geraten gem\u00e4\u00df dem Umsichgreifen des Gebrauchs eines v\u00f6llig vagen Mengenbegriffs.   Diese logischen Prinzipien geben nun dem Verf. ein Mittel an die Hand um den oben dargelegten circulus vitiosus klar herauszupr\u00e4parieren und ihn zu vermeiden. Grenzt man zun\u00e4chst einen Bereich ab, der ``umfangsdefinit'' ist, so darf auf Gegenst\u00e4nde dieses Bereiches die Aussage ``es gibt' uneingeschr\u00e4nkt angewendet werden. Ein solcher Bereich besteht im allgemeinen aus mehreren Grundkategorien; f\u00fcr die Grundlegung der Analysis wird der Bereich Kategorie wird nur eine einzige Grundrelation ``\\(n'\\) folgt auf \\(n\\)'' angenommen; alle weiteren Relationen und Eigenschaften, Mengen und Individuen werden mit Hilfe der logischen Prinzipien aus ihnen abgeleitet. Dies f\u00fchrt \\textit{Weyl} auch zu einem gro\u00dfen Teil wirklich aus, wobei er sich einer Begriffsschrift bedient, die leider von der einigerma\u00dfen eingeb\u00fcrgerten \\textit{Peano-Russell}schen durch aus abweicht.   Wollte man nun die Aussage ``es gibt'' bei der Urteilskonstruktion auch anwenden auf die schon durch Konstruktion gewonnen Eigenschaften und Mengen, so m\u00fc\u00dfte man diesen Bereich zun\u00e4chst einmal als abgeschlossen ansehen. Er war als Bereich ``erster Stufe'' bezeichnet. Dann werden die auf diesem Bereich als Grundkategorie aufgebauten Urteile mit ihren Eigenschaften und Gegenst\u00e4nden einer ``zweiten Stufe'' angeh\u00f6ren. So w\u00e4re also ``die obere Grenze einer beschr\u00e4nkten Menge reeller Zahlen'' im allgemeinen eine ``reelle Zahl zweiter Stufe''. So fortfahrend w\u00fcrde man zu weiteren Stufen, einer ``Analysis mit Stufenbildung'' gelangen. Eine solche w\u00fcrde nur dann der heutigentags intendierten Analysis vergleichbar, wenn es gel\u00e4nge, zu zeigen, da\u00df die Eigenschaften h\u00f6herer Stufe zwar nicht ihrem \\textit{Sinn} nach (das ist durch ihren Srufenunterschied ausgeschlossen) wohl aber ihrem \\textit{Umfang} nach stets mit Eigenschaften erster Stufe \u00fcbereinstimmen m\u00fcssen. Doch fehlt hierf\u00fcr bisher jeder Beweisansatz.   So bleibt also nur \u00fcbrig, da\u00df ``es gibt'' auf die Grundkategorie der nat\u00fcrlichen Zahlen zu beschr\u00e4nken, und unter dieser Einschr\u00e4nkung f\u00fchrt \\textit{Weyl} auch in dem zweiten Teil seines Buches die Konstruktion der reellen Zahlen und den Beweis einiger S\u00e4tze \u00fcber Zahlenfolgen und stetige Funktionen wirklich aus. Nach dem schon Auseinandergesetzten ist es klar, da\u00df der Satz von weise des \\textit{Dirichlet}schen Prinzips, selbst in der bescheideneren, der \\textit{Weierstra\u00df}schen Kritik Rechnung tragenden Formulierung, welche nicht mehr die Existenz eines ``Minimums'', sondern nur die einer ``unteren Grenze'' behauptet, kann nicht aufrecht erhalten werden.'' Es ist aber wesentlich, da\u00df in der \\textit{Weyl}schen Analysis das \\textit{Cauchy}sche Konvergenzprinzip gilt.   \u00dcberblickt man den Gesamtinhalt der kleinen Schrift, so erkennt an in ihm einen zweifellos scharfsinnigen und konsequenten Versuch, die Analysis auf eine sichere Grundlage zu stellen, mag dabei auch manches wertvolle Gut preisgegeben werden m\u00fcssen. Dem Verf. gelingt auf seinem Wege nebenbei noch die L\u00f6sung mancher Schwierigkeit, z. B. f\u00e4llt die \\textit{Richard}sche Antinomie von der \\textit{Weyl}schen Zergliederung in nichts zusammen. Doch mu\u00df der Verf. in demselben Atem den Satz, da\u00df jede unendliche Menge eine abz\u00e4hlbare Teilmenge besitzt, als unbeweisbar aufgeben. Und doch mu\u00df er eingestehen, da\u00df eine L\u00f6sung des Kontinuum-Problems auch durch seine Begr\u00fcndung der Analysis nicht gegeben ist. Die reellen Zahlen bleiben diskontinuierlich, atomistisch und k\u00f6nnen in keiner Weise in ihrer Gesamtheit ein Bild des flie\u00dfenden Kontinuums, etwa der Zeit abgeben. Eine mathematisch reine Wissenschaft des Kontinuums glaubt daher der Verf. ablehnen zu m\u00fcssen; Stetigkeitsgeometrie kann stets erst auf Umwegen \u00fcber die analytische Erfassung getrieben werden, -- eine Auffassung, die meines Erachtens v\u00f6llig dem unbefangenen Gef\u00fchl \u00fcber die G\u00fcltigketi der Lehren der Analysis Situs widerspricht. Die Lehre von den reellen Zahlen spielt daher nach \\textit{Weyl} dem Kontinuum gegen\u00fcber nur dieselbe Rolle, die eine physikalische Theorie der Wirklichkeit gegen\u00fcber geansprucht: beide haben die Aufgabe, ein abstraktes begriffliches Schema zu bilden f\u00fcr die flie\u00dfende unendliche Manigfaltigkeit des anschaulich Gegebenen. 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