{"entities":{"Q574170":{"pageid":575937,"ns":120,"title":"Item:Q574170","lastrevid":62865201,"modified":"2026-04-11T08:48:47Z","type":"item","id":"Q574170","labels":{"en":{"language":"en","value":"Projektive und nichteuklidische Geometrie. Bd. I: Projektive Geometrie in analytischer Behandlung nebst einem Einblick in die Grundlagen der Geometrie. 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Aufl. 1892, 2. Aufl. 1893) besorgt hat, legt nun selbst eine umfassende Darstellung der nichteuklidischen Geometrie auf der Grundlage der projektiven Geometrie vor. Dazu wird im ersten Bande des Werks die projektive Geometrie ohne Benutzung des Parallelenaxioms, also unabh\u00e4ngig von der euklidischen Geometrie, aufgebaut; im zweiten Bande wird die nichteuklidische Geometrie behandelt. In der Anlage hat Verf. sich also durchaus den Ideen \\textit{Klein}s angeschlossen; die Durchf\u00fchrung hat aber von ihm noch sehr viel eigene Arbeit erfordert.  \\textbf{I.} Nach einer Einleitung, in der kurz die Stellung der nichteuklidischen Geometrie in der Mathematik, Physik und Philosophie er\u00f6rtert wird, wird im ersten Teil die \\textit{Entwicklung der Elementargeometrie als Fundament f\u00fcr den Aufbau der projektiven Geometrie} und im ersten Abschnitt dieses ersten Teils die axiomatische Grundlegung der Elementargeometrie gegeben. Verf. stellt die Hilbertschen Axiome der Verkn\u00fcpfung und Anordnung, und zwar in der Fassung der vierten bis sechsten Auflage der ``Grundlagen der Geometrie.'' 4. Aufl. (1913; JFM 44.0543.02), 5. Aufl. (1922; JFM 48.0646.04), 6. Aufl. (1923), an die Spitze, und er macht nach einer vorl\u00e4ufigen Betrachtung des Parallelenaxioms, um Unterschiede zwischen den drei Geometrien (hyperbolische, euklidische, elliptische Geometrie) zu vermeiden, die Festsetzung, da\u00df diese Axiome zun\u00e4chst nur in einem begrenzten ebenen oder r\u00e4umlichen Gebiet gelten sollen.  In Abschnitt II werden ``Der Satz des Desargues, die Zentralkollineation und das vollst\u00e4ndige Viereck'' behandelt. Der Satz des Desargues wird auch f\u00fcr zwei Dreiecke in derselben Ebene unter Benutzung des Raumes bewiesen, da ja nur die Anordnungs- und Verkn\u00fcpfungsaxiome benutzt werden; die Beschr\u00e4nkung auf ein begrenztes Gebiet erfordert nat\u00fcrlich gewisse Vorsicht bei der Beweisf\u00fchrung. Dann werden, \u00e4hnlich wie bei Pasch, uneigentliche Elemente eingef\u00fchrt, indem je zwei Geraden des begrenzten ebenen Gebiets, die sich in diesem nicht schneiden, einerlei ob sie au\u00dferhalb des Gebiets einen Schnittpunkt besitzen oder nicht, ein uneigentlicher Punkt als Schnittpunkt und je zwei (eigentlichen oder uneigentlichen) Punkten eine Verbindungsgerade zugeordnet wird. Diese Erg\u00e4nzung des Ebenenst\u00fccks zur projektiven Ebene geschieht unter Zugrundelegung der von Verf. als ``Erweiterungsaxiom'' bezeichneten Annahme, da\u00df je zwei Geraden nur einen eigentlichen oder uneigentlichen Schnittpunkt besitzen sollen. Die erforderlichen Konstruktionen werden s\u00e4mtlich mit Hilfe des Desarguesschen Satzes ausgef\u00fchrt. Die Einf\u00fchrung der uneigentlichen Ebenen wird hier nur andeutungsweise besprochen. Die Behandlung der Zentralkollineation und des vollst\u00e4ndigen Vierecks (Erkl\u00e4rung harmonischer Punkte) bilden den Schlu\u00df dieses Abschnitts und des vorbereitenden ersten Teils.  Zweiter Teil: \\textit{Aufbau der projektiven Geometrie}. In Abschnitt III wird die ``Rein projektive Einf\u00fchrung eines ebenen Koordinatensystems'' vorgenommen. Der Gang ist der folgende: Konstruktion des Koordinatensystems f\u00fcr ganzzahlige Koordinaten \\(x, y\\) mit Hilfe der \\textit{M\u00f6bius}schen Netzkonstruktion; Erweiterung des Koordinatensystems auf dyadisch-rationale Koordinaten; Einf\u00fchrung eines Stetigkeitsaxioms, und zwar des \\textit{Dedekind}schen; dieses bildet zusammen mit den Axiomen der Verkn\u00fcpfung und Anordnung die allein hier zugrundegelegten ``projektiven Axiome''; Erweiterung des Koordinatensystems auf dyadisch-irrationale Koordinaten. Nachdem so die Einf\u00fchrung projektiver Punktkoordinaten in der Ebene gelungen ist, handelt es sich in Abschnitt IV (Die Gleichung der Geraden, Linienkoordinaten) vor allem um den Beweis der Tatsache, da\u00df jede eigentliche oder uneigentliche Gerade durch eine lineare Gleichung  \\[  \\omega_1 \\xi_1 + \\omega_2\\xi_2 + \\omega_3 \\xi_3 = 0 \\tag{*}  \\]  mit drei nicht s\u00e4mtlich verschwindenden Konstanten \\(\\omega_1, \\omega_2, \\omega_3\\) dargestellt wird, und da\u00df zwei Gleichungen (*) dann und nur dann dieselbe Gerade darstellen, wenn ihre Koeffizienten proportional sind. Der Satz wird mit Hilfe der Tatsache bewiesen, da\u00df die harmonische Mitte zweier Punkte \\(a, b\\) der \\(x\\)-Achse, d. h. der vierte harmonische Punkt zu \\(a, b, \\infty\\), die Abszisse \\(\\dfrac{a+b}{2}\\) hat. Dann kann gezeigt werden, da\u00df jeder Punkt der projektiven Ebene mit rationalen Koordinaten ``projektiv'', d.h. durch Aufsuchung von endlich vielen Schnittpunkten und Verbindungsgeraden, konstruiert werden kann -in Abschnitt III ist dies nur f\u00fcr die Punkte mit dyadisch-rationalen Koordinaten gezeigt worden --, und da\u00df dies nur f\u00fcr die rationalen Punkte m\u00f6glich ist. Schlie\u00dflich wird hier das Doppelverh\u00e4ltnis von vier Punkten einer Geraden behandelt; die Haupteigenschaft, die Invarianz bei Projektion, wird aber erst in Abschnitt V (Koordinatentransformationen in der Ebene) hergeleitet. Da aus der Theorie der Determinanten, Matrizen und linearen Gleichungen nur geringf\u00fcgige Kenntnisse vorausgesetzt werden, so gestaltet sich das Rechnerische hier etwas schwerf\u00e4llig. Nachdem dann in Abschnitt VI die ``Projektiven Verwandtschaften'' in der Ebene und auf der Geraden, insbesondere auch die Involutionen im Punkt- oder Geradenb\u00fcschel, besprochen worden sind (hier spricht irref\u00fchrend Verf., wie leider immer noch anzutreffen, von der ``parabolischen Involution'', obwohl in diesem entarteten Falle keine eineindeutige Abbildung, also keine projektive Abbildung und, nach der Definition des Verf., auch keine Involution vorliegt), kommt Verf. in Abschnitt VII zur ``Projektiven Theorie der Kegelschnitte''. Die Darstellung wahrt hier, insbesondere was die algebraische Seite angeht, nicht die H\u00f6he des ganzen sonstigen Werks. Behandelt werden die allgemeine Gleichung f\u00fcr den Kegelschnitt und seine Tangenten, besondere Gleichungsformen f\u00fcr einen ein- und f\u00fcr einen nullteiligen Kegelschnitt, die projektive Erzeugung, die lineare Transformation eines einteiligen Kegelschnitts in sich, die projektiven Abbildungen der Ebene bei festem einteiligem Kegelschnitt, die Polarenverwandtschaft.  Im Abschnitt VIII (Die Abbildung der projektiven Ebene in einem begrenzten Gebiet des Raumes) geht Verf. schwierigeren Untersuchungen nach, indem er sich an eine eigene Arbeit [Math. Ann. 92, 69--79 (1924; JFM 50.0372.01)] anschlie\u00dft, aber im Gegensatz zu der Darstellung in der Arbeit sich nicht auf die euklidische Geometrie st\u00fctzt. Hier werden die Abbildung der projektiven Ebene auf das Innere und den Rand eines Kegelschnitts, wobei zwei (in bezug auf einen festen inneren Punkt) diametrale Randpunkte zu identifizieren sind, ferner die eineindeutige Abbildung der projektiven Ebene auf die Kummersche und schlie\u00dflich auf die Boysche Fl\u00e4che [\\textit{W. Boy}, \u00dcber die Curvatura integra und die Topologie geschlossener Fl\u00e4chen. G\u00f6ttingen (1901; JFM 32.0488.02)] besprochen, wobei Verf. sich aber nicht an die Arbeit von Boy, sondern an seine eigene oben angef\u00fchrte Arbeit anschlie\u00dft, in der die Abbildung vereinfacht dargestellt worden ist. In diesem Abschnitt werden auch einige einfache Begriffe aus der Topologie der Fl\u00e4chen er\u00f6rtert.  Der Band wird abgeschlossen durch den Abschnitt IX: Ein anderes Erweiterungsaxiom. Nimmt man entgegen der in Abschnitt II getroffenen Festsetzung an, da\u00df je zwei Geraden der Ebene sich in zwei Punkten schneiden, so gelangt man zu der biprojektiven Ebene, die sich eineindeutig auf die Oberfl\u00e4che der euklidischen Kugel abbilden l\u00e4\u00dft.  \\textbf{II.} Im ersten Teil des zweiten Bandes werden (Abschnitt I-IV) die \\textit{Grundlagen der nichteuklidischen Geometrie} entwickelt. Verf. nimmt (Abschnitt I) ``Die Axiome der Bewegung und ihre Folgerungen'' zum Ausgangspunkt. Als Axiome der Bewegung in der Ebene spricht er das ``projektive'' Axiom, welches besagt, da\u00df die Bewegung eine projektive Abbildung ist, das Eindeutigkeitsaxiom und das Gruppenaxiom aus. Von diesen Axiomen gelangt Verf. zu der Umwendung um eine eigentliche Gerade und um einen eigentlichen Punkt, zum Senkrechtstehen, zum Begriff des Winkels und zur Lehre von der Kongruenz. Nun erst, im Abschnitt II ``Das Parallelenaxiom und das absolute Polarsystem, sowie der absolute Kegelschnitt in der euklidischen, elliptischen und hyperbolischen Geometrie'', spricht Verf. das Parallelenaxiom aus, und zwar in der folgenden Fassung, auf die er durch fortgesetzte Abtragung einer Strecke auf einer Halbgeraden gef\u00fchrt wird: Es soll genau eine der folgenden Aussagen gelten: Auf einer eigentlichen Geraden gibt es entweder keinen oder genau einen oder genau zwei unendlich ferne Punkte (Fall der elliptischen bzw. euklidischen bzw. hyperbolischen Geometrie). Dieses zun\u00e4chst f\u00fcr eine Gerade ausgesprochene Axiom l\u00e4\u00dft sich sofort auf jede eigentliche Gerade \u00fcbertragen. Verf. bespricht dann der Reihe nach die unmittelbaren Folgerungen, die sich aus dem Parallelenaxiom der euklidischen, elliptischen und hyperbolischen Geometrie ergeben. F\u00fcr die drei Geometrien wird auch der absolute Kegelschnitt festgelegt, auf den man durch das bei der Umwendung um eine eigentliche Gerade erkl\u00e4rte ``absolute Polarsystem'' gef\u00fchrt wird; f\u00fcr die euklidische Geometrie ist das das Paar der ``Kreispunkte'', d. h. das konjugiert imagin\u00e4re Punktepaar \\(x^2 + y^2 = 0\\) auf der uneigentlichen Geraden \\((s = 0)\\), f\u00fcr die elliptische bzw. hyperbolische Geometrie der null- bzw. einteilige Kegelschnitt  \\[  x^2 + y^2 + \\varkappa s^2 = 0 \\quad \\text{ bzw. } \\quad x^2 + y^2 - \\varkappa s^2 = 0.  \\]  \\(\\varkappa\\) ist in beiden F\u00e4llen eine positive Zahl, die das Ma\u00df der Abweichung des elliptischen bzw. hyperbolischen Parallelenaxioms von dem euklidischen angibt. Verf. spricht im elliptischen Falle von der Weltkonstante \\(-\\varkappa\\), im hyperbolischen von der Weltkonstante \\(+\\varkappa\\), und in beiden F\u00e4llen f\u00fchrt er die Weltkonstante durch ein Axiom ein. Die Behandlung der elementaren nichteuklidischen Geometrie wird in den beiden folgenden Abschnitten zu Ende gef\u00fchrt: In III ``Die Bewegungsgruppen in den drei Geometrien'' werden die Bewegungen, in IV wird ``Die Metrik, d. h. die L\u00e4nge einer Strecke und die Gr\u00f6\u00dfe eines Winkels, in den drei Geometrien'' n\u00e4her untersucht. Als Einleitung wird in IV die euklidische Metrik in die projektive Geometrie eingeordnet, insbesondere also der Satz von \\textit{Laguerre} \u00fcber die Beziehung des euklidischen Winkels zu dem Doppelverh\u00e4ltnis der beiden den Winkel bildenden Geraden und der isotropen Geraden ihres Schnittpunktes, hergeleitet. Dann wird sehr ausf\u00fchrlich die hyperbolische und die elliptische L\u00e4ngen- und Winkelmessung besprochen. Bemerkenswert ist hier die Einf\u00fchrung der Weltma\u00dfstrecke: Ausgehend von der Formel f\u00fcr die L\u00e4nge einer Geraden in der elliptischen Geometrie, die sich allein durch die Weltkonstante \\(\\varkappa\\) ausdr\u00fccken l\u00e4\u00dft, erkl\u00e4rt Verf. die Weltma\u00dfstrecke dadurch, da\u00df sie sich zur L\u00e4nge der ganzen Geraden im elliptischen Fall wie \\(1 : \\pi\\) im hyperbolischen Fall wie \\(1 : i \\pi\\) verh\u00e4lt. Die S\u00e4tze \u00fcber die Winkelsumme und der in der elliptischen und hyperbolischen Geometrie g\u00fcltige Dreiwinkelkongruenzsatz bilden den Schlu\u00df des ersten Teils.  Zweiter Teil: \\textit{H\u00f6here Gebiete der nichteuklidischen Geometrie}. In Abschnitt V behandelt Verf. die ``Kreistheorie'', in Abschnitt VI ``Das Bogenelement''; er geht hier auch auf die Gedanken ein, die \\textit{Riemann} in seiner Habilitationsschrift entwickelt hat. Dann wendet er sich (Abschnitt VII) der ``Nichteuklidischen Trigonometrie'' zu. Hier beweist er zun\u00e4chst, da\u00df die geradlinige Strecke PQ die k\u00fcrzeste unter allen Kurvenb\u00f6gen \\(PQ\\) ist, f\u00fcr die elliptische Geometrie unter der Voraussetzung, da\u00df die L\u00e4nge der Strecke \\(PQ\\) die halbe L\u00e4nge einer Geraden nicht \u00fcbertrifft. Dann leitet er die Formeln der Trigonometrie her, die S\u00e4tze \u00fcber den Inhalt von Dreiecken und Polygonen in der elliptischen und hyperbolischen Geometrie und die Formel f\u00fcr das Inhaltsma\u00df des Dreiecks; dieses ergibt sich als das Produkt aus dem Quadrat der Weltma\u00dfstrecke und dem Exze\u00df bzw. Defekt des Dreiecks in der elliptischen bzw. hyperbolischen Geometrie. Ferner werden hier f\u00fcr die S\u00e4tze \u00fcber den Inhalt zweifach und dreifach asymptotischer Dreiecke einfache Beweise vorgetragen und in Abschnitt VIII ``Umfang und Inhalt eines Kreises'' behandelt. Der Abschnitt IX ``Die Widerspruchslosigkeit der Axiome'' bringt die Darstellung grunds\u00e4tzlich zum Abschlu\u00df, indem die Widerspruchslosigkeit der nichteuklidischen Geometrien auf die der euklidischen zur\u00fcckgef\u00fchrt wird. In den ``Schlu\u00dfbemerkungen'' (Abschnitt X) wirft Verf. die Frage auf, welche der drei Geometrien im Weltenraum verwirklicht wird, und er teilt hierzu kurz einige Ergebnisse aus der Geod\u00e4sie, Astronomie und Kosmologie mit.  Besprechungen: S. Lipka; Acta Szeged 6 (1932), 62-63. v. d. W.; Nieuw Archief 17 (1932), 192-195. E. G. Togliatti; Bollettino di Mat. (2) 11 (1932), XLIV-XLVI. H. F.; Enseignement 29 (1931), 371-372. L. Eckhart; Monatshefte f. Math. 39 (1932), 46-47 kursiv. T. Bonnesen; Mat. Tidsskrift B 1931, 33-39. S. 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