Das ebene Stabilitätsproblem des Kreisbogens.
Über ältere Untersuchungen von \textit{Levy, Boussinesq, Halphen} und neuere von \textit{Federhofer, Melan, R. Mayer} u. a. wesentlich hinausgehende und sie ergänzende Behandlung des technisch wichtigen Knickprobleins eines offenen oder geschlossenen, ursprünglich kreisförmig gebogenen Stabes, dessen Enden gelenkig gestützt sind, und der in unverbogenem Zustand normal gleichmäßig belastet ist. Der eventuellen Überschreitung der Elastizitätsgrenze beim kritischen Kämpferdruck wird durch Benutzung des \textit{Engesser-Kármán}schen ``resultierenden Moduls \(E'\) Rechnung getragen. Der Eintritt des instabilen Zustandes wird in der üblichen Weise durch Nullsetzen der Determinante für das lineare homogene Gleichungssystem in den partikulären Integrationskonstanten der linearen Differentialgleichung 5. Ordnung für die Radialverschiebung bestimmt, die durch Befriedigung der Randbedingungen (gelenkige Lagerung des Bogens) entstehen. Die Knickbedingungsgleichung 6. Grades zerfällt in drei Faktoren. Das Verschwinden des ersten liefert für geschlossene Kreisringe mit einem Gelenk nur indifferentes Gleichgewicht. Dem Verschwinden des zweiten oder dritten Faktors entsprechen zwei verschiedene Gruppen von instabilen Gleichgewichtsformen; die erste liefert eine ungerade Zahl von Knotenpunkten, die zweite eine gerade. Der letzteren Gruppe ist die transzendente Knickgleichung in \(\zeta\): \[ \left[\zeta^2\frac1{\mu}\left(1-\frac{\operatorname{tg\,}\mu}{\mu}\right)-\operatorname{tg\,}\mu\right] \cos\sqrt{\mu^2+\zeta^2}+ \mu\frac{\sin\sqrt{\mu^2+\zeta^2}}{\sqrt{\mu^2+\zeta^2}}=0 \] mit \(\zeta=\dfrac S2\sqrt{\dfrac{T_K}{EI}}\), \(\mu=\dfrac S{2r}\), \(r=\text{Kreisradius}\), \(S = \text{Kreisbogen}\), \(I = \text{Trägheitsmoment}\) des Querschnitts, \(T_K = \text{kritischer}\) Kämpferdruck zugeordnet, die sich, im Sonderfall des Halbkreisbogens wesentlich vereinfacht, allgemein auflösen läßt und zusammen mit der ersten Gruppe die vollständige Reihe der kritischen Kämpferdrucke \[ T_K=\frac{E'I}{r^2}(n^2-1)\qquad(n=2,3,4,\dots) \] liefert. Verzichtet man auf eine genaue Erfüllung der Randbedingung: Verschwinden der tangentialen Verschiebung an den Kämpfern, so ergibt sich mit recht guter Annäherung die vollständige Reihe der Knickwerte für einen Kreisbogen der Länge \(S\): \[ T_K=\frac{E'I}{S^2}(n^2\pi^2-\frac{S^2}{r^2})\qquad(n=2,3,4,\dots) \] gelenkig geschlossene Kreisring knickt mit \[ p=\frac{T_K}r=\frac{(2.361\pi)^2E'I}{rS^2}=1.394\frac{E'I}{r^3} \] aus, einem Wert, der aus der transzendenten Knickgleichung der ersten Gruppe für \(\mu=\pi\) folgt, mit drei Halbwellen, wobei die Höhe der Mittelwelle größer ist als die der beiden seitlichen. Der gelenklose Vollkreis gehört dagegen der ersten Gruppe an mit den Knicklasten \[ p=\frac{T_K}r=\frac{E'I}{r^3}(z^2-1)\qquad(z=2,3,4,\dots) \] den Verzerrungskomponenten \[ \begin{aligned} \text{radial:}&\quad u=K_3\sin\frac{zs}r,\\ \text{tangential:}&\quad v=K_4\left[\cos\frac{zs}r-(-1)^z\right]\qquad(z=2,3,4,\dots). \end{aligned} \] Schließlich wird mit Hilfe des Energiekriteriums durch Bildung der zweiten Variation der gesamten Formänderungsenergie nachgewiesen, daß das Gleichgewicht in den kritischen Knickwerten indifferent wird. Für flache Zweigelenkbogen unter \textit{vertikaler} Belastung wird eine Näherungsformel für den kleinsten axialen Knickdruck erhalten: \[ P_K=\frac{4\pi^2E'I}{S^2}\left(1+\frac18\frac{l^2}{r^2}\right)\omega. \]
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