Green's function and the problem of Plateau.
Verf. gibt ausführliche und von früheren Arbeiten unabhängige Darstellungen seiner Methode zur Lösung des Plateauschen Problems im \(n\)-dimensionalen Raum für den Fall, daß für die gesuchte Minimalfläche \(k\) Randkurven (\(\varGamma_1,\ldots, \varGamma_k)=\varGamma\) und ihre topologische Charakteristik \(r\) vorgeschrieben sind und Zweiseitigkeit oder Einseitigkeit verlangt wird; im ersten Fall wird außerdem für jede Randkurve ein bestimmter Durchlaufungssinn gegeben und verlangt, daß die mit einer bestimmten Normalen versehene Fläche bei der vorgeschriebenen Durchlaufung der Randkurven zur Linken liege. Die erste der beiden Arbeiten ist im wesentlichen eine sehr ausführliche Darstellung von früher schon in knapperer Form veröffentlichten Untersuchungen (J. Math. Physics, Massachusetts, 15 (1936); 55-64, 106-123; F. d. M. \(62_{\text{II}}\), 1462); das vorliegende Referat hält sich im wesentlichen an diese Arbeit. Abgesehen von einer weiter unten zu nennenden, allerdings sehr bemerkenswerten Abänderung im Beweisaufbau stellt die zweite Arbeit denselben Gedankengang in abgekürzter Form dar. Die erste Arbeit erörtert auch in einer Einleitung sehr ausführlich die geometrisch-anschauliche Seite des Problems, insbesondere auch die Frage nach der Ausartung der Lösung (s. unten). Die für den Fall \(k = 1\), \(r = 0\) (s. Verf., Trans. Amer. math. Soc. 33 (1931), 263-321) in dem zugehörigen Referat (F. d. M. \(57_{\text{II}}\), 1542) mitgeteilten heuristischen Überlegungen gelten auch hier und führen dazu, das folgende Variationsproblem zu betrachten: Man fasse die Gesamtheit der geschlossenen Riemannschen Flächen (abgekürzt: R. F.) \(\mathfrak R\) vom Geschlecht \(p\) ins Auge, die eine Symmetrie besitzen, d. h. eine involutorische indirekt konforme Abbildung \(T\) in sich zulassen, bei der gewisse geschlossene Kurven \((C_1, \ldots, C_k)=C\) punktweise in sich übergehen; man darf annehmen, daß diese auf der reellen Achse liegen, \(\mathfrak R\) also die Riemannsche Fläche einer reellen algebraischen Kurve ist. Man identifiziere zwei Punkte von \(\mathfrak R\), die sich vermöge \(T\) entsprechen. Man erhält so eine Fläche \(R\) mit \(k\) Rändern und der Charakteristik \(r=p-k+1\); sie ist zweiseitig oder einseitig je nachdem, ob \(\mathfrak R\) bei Zerschneidung längs der \(C_\varkappa\) (\(\varkappa = 1, \ldots, k\)) zerfällt oder nicht. Je nachdem, ob für die gesuchte Fläche Zweiseitigkeit oder Einseitigkeit vorgeschrieben ist, nehme man die erste oder die zweite der so definierten Gesamtheiten von R. F. Im folgenden halten wir uns der bequemeren Ausdrucksweise wegen an den Fall einer zweiseitigen Fläche. Für jede der vorhin geschilderten Riemannschen ``Halbflächen \(R\) denke man sich auf den \(C_\varkappa\) \(n\)-komponentige Vektorfunktionen \(g(P)\) gegeben, die \(C_\varkappa\) umkehrbar eindeutig und stetig in \(\varGamma_\varkappa\) mit Entsprechung der Orientierung abbilden. Zu \(g(P)\) als Randwerten gehört auf \(R\) eine harmonische Vektorfunktion \(H(Q)\), zu dieser ein gewisses Dirichletsches Integral \(D(H)\). Es ist so eine Gesamtheit \((R, g)\) von ``Darstellungen der \(\varGamma_\varkappa\) mittels R. F. \(R\) und Funktionen \(g(P)\) definiert, und auf dieser Gesamtheit ein Funktional \(A(R,g)=D (H)\), von dem zunächst vorausgesetzt wird, daß es nicht identisch \(\infty\) ist; das Variationsproblem ist nun: \[ A(R, g) = \min \] bei veränderlichen \(R\) und \(g\). Die Existenz eines Minimums kann auf Grund eines bekannten allgemeinen Satzes behauptet werden, wenn die Gesamtheit der \((R, g)\) eine abgeschlossene kompakte \(L\)-Menge im Sinne Fréchets ist, und wenn das Funktional \(A (R, g)\) unterhalb stetig ist. Es müssen daher zu den Flächen \(R\) noch alle solchen hinzugenommen werden, die sich als Grenzfälle der ursprünglichen Gesamtheit ergeben; das sind gewisse zerfallende Flächen und gewisse von geringerem \(r\); \(A\) muß auf den erweiterten Bereich \((R, g)\) passend fortgesetzt werden. Ferner müssen noch, wie im Falle \(k=1\), \(r=0\), gewisse uneigentliche und ausgeartete \(g\) zugelassen werden. Nachträglich ist zu zeigen, daß das Minimum zu einer nicht ausgearteten \(R\) und zu einem eigentlichen \(g\) gehört. Für die Klärung der ersten Frage ist, am Beispiel \(r=0\), \(k > 1\) erläutert, zu beachten: Es kann sein, daß jede Fläche mit den Randkurven \(\varGamma_\varkappa\) größeren Flächeninhalt hat als zwei passende Teilflächen zusammen, deren jede von einem gewissen Teil der \(\varGamma_\varkappa\) berandet wird, und Entsprechendes gilt für das Funktional \(A\). Andererseits ist klar, daß die untere Grenze des Flächeninhalts oder die von \(A\) bei Zulassung ausgearteter Flächen auch schon innerhalb der nicht ausgearteten beliebig gut angenähert werden kann. Denn man kann die einzelnen Stücke der die ausgeartete Lösung darstellenden Fläche durch Flächenstücke beliebig kleinen Flächeninhalts so miteinander verbinden, daß eine nicht ausgeartete Fläche entsteht. Die Suche nach der unteren Grenze innerhalb der nicht ausgearteten Flächen führt also in diesem Fall \textit{naturgemäß} zu einer ausgearteten Fläche; die Möglichkeit des Auftretens einer solchen wird nicht etwa durch die nachträgliche Erweiterung der Menge \((R,g)\) hineingebracht. Um die Lösbarkeit des Problems im eigentlichen Sinne zu gewährleisten, ist daher eine zusätzliche Voraussetzung nötig, nämlich, wenn \(d(\varGamma_1,\ldots,\varGamma_k)\) die untere Grenze von \(A(R, g)\) innerhalb der von \(\varGamma_1,\ldots,\varGamma_k\) berandeten Flächen bezeichnet (wir halten uns immer noch an den Fall \(r = 0\)): \[ d(\varGamma_1,\ldots,\varGamma_k) < d(\varGamma_{j_1},\ldots, \varGamma_{j_\varkappa})+ d(\varGamma_{j_{\varkappa+1}},\ldots,\varGamma_{j_k}), \] wo \(j_1,\ldots, j_k\) irgend eine Permutation von \(1,\ldots,k\) und \(1\leqq\varkappa\leqq k\) ist. -- Daß das Minimum nicht für uneigentliches \(g\) angenommen wird, kann im großen Ganzen ebenso bewiesen werden, wie im Falle \(k = 1\), \(r = 0\). Nun muß gezeigt werden, daß die gewonnene Lösung auch tatsächlich eine Minimalfläche darstellt. Dieser Beweis ist nur durch tiefgehende Verallgemeinerung der entsprechenden Untersuchungen für den Fall \(k=1\), \(r=0\) möglich. Ist \(H(Q)\) irgend ein harmonischer Vektor, so liefert er bekanntlich dann und nur dann eine Minimalfläche, wenn die durch \(H(Q)\) vermittelte Abbildung zwischen \(R\) und der Fläche eine konforme ist, d. h. wenn für irgend zwei zueinander senkrechte Richtungen \(\xi\) und \(\eta\) durch den beliebigen Punkt \(Q\) von \(R\) gilt: \[ \frac{\partial H(Q)}{\partial\xi}\cdot\frac{\partial H(Q)}{\partial\eta}=0, \tag{1} \] wobei die linke Seite als skalares Produkt zu verstehen ist. Diese linke Seite stellt ein (noch von \(Q\), \(\xi\), \(\eta\) abhängiges) Funktional \(B (R, g)\) dar, wenn \(H\) wie früher den Elementen von \((R, g)\) zugeordnet ist. Die beiden Funktionale \(A(R, g)\), \(B(R, g)\) werden nun explizit dargestellt durch Integrale folgender Form: \[ \begin{aligned} A(R,g)&=\int\limits_C\int\limits_C (g(P_1)-g(P_2))^2K(P_1,P_2) ds_1ds_2, \tag{2} \\ B(R,g)&=\int\limits_C\int\limits_C (g(P_1)-g(P_2))^2K_{Q,\xi,\eta}(P_1,P_2) ds_1ds_2, \tag{3} \end{aligned} \] wobei sich die Kerne \(K\) und \(K_{Q,\xi,\eta}\) durch die Greensche Funktion von \(R\) ausdrücken lassen. Der Beweis von \(B(R, g) = 0\) gelingt nun durch den Nachweis, daß es bei festem \(Q\), \(\xi\), \(\eta\) eine Variation der Fläche \(R\) gibt, bei der die Greensche Funktion so variiert, daß gilt: \[ \delta K=K_{Q,\xi,\eta}. \tag{4} \] Dann folgt (1) vermöge (2), (3), sofort aus \(\delta A=0\). Der Beweis von (4) wird in der ersten Arbeit geführt durch explizite Darstellung der Greenschen Funktion einer allgemeinen Fläche \(R\) durch Abelsche Integrale und \(\theta\)-Funktionen, wobei die entscheidende Rolle eine vom Verf. neu aufgestellte Identität spielt, die in gewissem Sinne eine Verallgemeinerung eines Additionstheorems elliptischer Funktionen für Flächen höheren Geschlechts darstellt; allerdings gehen in diese Identität nicht nur die entsprechenden mehrfach periodischen Funktionen von mehreren Veränderlichen ein, sondern auch Abelsche Integrale erster Gattung auf der betreffenden Fläche. -- In der zweiten Arbeit wird der fragliche Nachweis durch direkte und, verglichen mit den Rechnungen der ersten Arbeit, kurze funktionentheoretische und algebraisch-geometrische Überlegungen erbracht. Weiter wird, analog wie in den früheren Arbeiten des Verf., bewiesen, daß die gefundene Lösung eine solche kleinsten Flächeninhalts ist. Sie wird ferner auch auf den Fall ausgedehnt, daß \(A(R,g)\equiv\infty\) ist; dann ist auch der Flächeninhalt jeder in \(\varGamma\) einzuspannenden Fläche \(\infty\); trotzdem behält auch die Aussage vom kleinsten Flächeninhalt einen guten Sinn, nämlich den, daß ein Minimum vorliegt, wenn irgend eine Teilfläche endlichen Inhaltes mit einer anderen Fläche verglichen wird, die denselben Rand hat. Ferner wird gezeigt, wie sich der folgende Schottkysche Satz aus der Theorie der konformen Abbildung als Spezialfall ergibt: Jeder \(n\)-fach zusammenhängende schlichtartige Bereich läßt sich umkehrbar eindeutig und konform auf die Hälfte der R. F. einer algebraischen Kurve mit \(n\) reellen Zügen abbilden. Sehr leicht kann man, wie noch entwickelt wird, das ganze Problem bewältigen, wenn man von einem allgemeinen Satz aus der konformen Abbildung Gebrauch macht. Diese Methode ist die genaue Verallgemeinerung einer für \(k=1\), \(r=0\) früher entwickelten (J. Math. Physics, Massachusetts, 10 (1931), 106-130; F. d. M. \(57_{\text{II}}\), 1543).
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