Integralgleichungen.

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Nach einigen knappen Bemerkungen über die \textit{Fredholm}sche Theorie und die übliche Zurückführung der Integralgleichungen mit ausgeartetem Kern auf gewöhnliche lineare Gleichungssysteme entwickelt Verf. in Kap. 1 seine determinantenfreie Theorie der linearen Integralgleichungen, deren Grundidee er zum ersten Male 1933 veröffentlicht und für den reell symmetrischen Kern durchgeführt hat (S.-B. Preuß. Akad. Wiss., Phys.-math. Kl. 1933, 646-653; JFM 59.0396.*-397). Anstelle der sonst üblichen Determinantentheorie ist jetzt das hauptsächliche Beweismittel das \textit{Arzelà}sche (\textit{Ascoli}sche) Häufungsprinzip für Folgen gleichgradig stetiger, gleichmäßig beschränkter Funktionen. -- Sämtliche in der Integralgleichung \[ \varphi(s) - \lambda \int\limits_a^b K(s,t)\varphi(t)\,dt = f(s) \] auftretenden nicht notwendig reellen Funktionen seien nebst Absolutquadrat integrier- bar, und \[ \int\limits_a^b |K(s',t) - K(s,t)|^2\,dt \quad \text{und} \quad \int\limits_a^b |K(t,s') - K(t,s)^2\,dt \] mögen mit \(|s - s'|\) gegen Null streben. Der Parameter \(\lambda\) wird Eigenwert genannt, wenn es eine normierte Funktion \(\varphi(s)\) gibt, derart daß \[ \varphi(s)-\lambda \int\limits_a^b K(s,t)\varphi(t)\,dt = 0 \] ausfällt; \(\lambda\) heißt Vollwert, wenn \[ \varphi(s) - \lambda \int\limits_a^b K(s,t)\varphi(t)\,dt =K(s,\tau) \] eindeutig lösbar ist; die Lösung heißt dann die Resolvente \(R(s,t;\lambda)\). Es wird gezeigt, daß die Begriffe Eigenwert und Vollwert einander ausschließen und daß jeder Wert \(\lambda\) entweder Eigenwert oder Vollwert ist. Alle determinantenfreien Sätze der Auflösungstheorie der linearen Integralgleichungen werden bewiesen; ein hauptsächlicher Beweisgedanke ist dabei der, daß man bei Vorliegen eines mehrfachen Eigenwertes vom Kern \(K(s,t)\) durch Abziehen endlich vieler Produkte \(c_\nu\psi_\nu(s)\chi_\nu(t)\) zu einem eigenwertfreien Kern gelangen kann (vgl. dazu die Arbeit des Ref., Math. Ann. 110 (1934), 223-229; JFM 60.0311.*-312. Hier werden die \(\psi_\nu(s)\) und \(\chi_\nu(t)\) jedoch etwas anders gewählt). Besonderes Gewicht wird auf das Studium der Änderung der Resolvente bei dieser Kerntransformation gelegt. Der \textit{Fredholm}sche Nenner \(D(\lambda)\) bestimmt sich dabei (im wesentlichen) durch die Formel \[ \frac{D'(\lambda)}{D(\lambda)} = - \int\limits_a^b \{R(s,s;\lambda)-K(s, s)\}\,ds. \tag \(^*\) \] Aus seiner (nicht einmal ganz genau durchgeführten) Produktzerlegung wird die Konvergenz von \(\sum\limits_\nu \dfrac 1{\lambda_\nu^\varrho}\) für \(\varrho \geqq 3\) erschlossen. Die als Beispiel recht weit ausgebaute Theorie der Integralgleichung mit ausgeartetem Kern findet sich zumeist im Anhang unter Ergänzungen und Aufgaben. In Kap. 2 wird die Theorie auf Integralgleichungen mit \textit{Hermite}schem Kern angewandt. Das Vorliegen mindestens eines Eigenwertes wird dabei durch das Studium der Funktion \((^*)\) und einer gewissen Kombination daraus erhärtet. Es folgen die üblichen Entwicklungssätze nebst ihrer Übertragung auf nicht-\textit{Hermite}sche Kerne. In Kap. 3 werden diese Überlegungen erweitert zur Formulierung moderner allgemeiner Entwicklungssätze nach reellen Orthogonalsystemen. Kap. 4 bringt das Studium einiger besonderer Kerne. Zunächst wird die Theorie reeller symmetrisabler Kerne ziemlich weit gefördert; sodann wird die Theorie der Integralgleichungen, bei denen erst der \(n\)-te iterierte Kern den bisher benutzten Voraussetzungen genügt, im Anschluß an die früher erwähnte Arbeit des Ref. entwickelt. Bei der \textit{Volterra}schen Integralgleichung wird sehr eingehend vor allem der Fall behandelt, daß der Kern in einer der beiden Variablen ein Polynom ist; der Eigenwert \(\lambda = \infty\) wird mit berücksichtigt (Abelsche Integralgleichung). -Schließlich wird die Theorie eines eigentlich singulären reellen symmetrischen Kerns \(K(s,t)\) mit unendlichem Integrationsgebiet entwickelt, der folgenden Bedingungen genügen soll: \(\int\limits_0^\infty K(s,t)^2\,dt = K^2 (s)\) soll existieren; \(\int\limits_0^\infty [K(s',t) - K(s,t)]^2\,dt \to 0\) mit \(s' \to s\), ausgenommen für \(s = \sigma_1 < \sigma_2 < \sigma_3 < \cdots\), wobei \(\sigma_n \to \infty\). \(\int\limits_a^b K^2(s,t)\,ds\) existiere für jedes \(b > 0\). Für je zwei Funktionen \(f_\nu(s)\) (\(\nu = 1, 2)\), für die ebenso wie für die Funktionen \(g_\nu(s) = \int\limits_0^\infty K(s,t)f_\nu(t)\,dt\) das Integral über das Absolutquadrat konvergieren soll, soll endlich im Doppelintegral \(\iint\limits_0^\infty K(s,t)f_1(t)f_2(s)\,dt\,ds\) die Integrationsfolge vertauschbar sein. Es wird das Spektrum dieses Kerns definiert und gezeigt, daß es reell ist, daß jeder Eigenwert dem Spektrum angehört und daß jeder \(\lambda\)-Wert, der nicht zum Spektrum gehört, Vollwert ist. Das Buch bietet dem Fachmann sehr viel Interessantes. Es ist außerordentlich kurz und schwer geschrieben, so daß die entwickelte Theorie sehr viel abstrakter und die Beweisgänge sehr viel erzwungener erscheinen, als dies in Wirklichkeit der Fall ist.












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