Die Wiederholung des Michelson-Versuchs und die Relativitätstheorie. (Q1452166)

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scientific article; zbMATH DE number 2589199
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    Die Wiederholung des Michelson-Versuchs und die Relativitätstheorie.
    scientific article; zbMATH DE number 2589199

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      Die Wiederholung des Michelson-Versuchs und die Relativitätstheorie. (English)
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      1926
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      Diese Abhandlung, welche mit einer historischen Einleitung beginnt, die Versuchsanordnungen und Versuchsresultate der -der Hauptsache nach von \textit{Miller} durchgeführten -Wiederholungen des \textit{Michelson}-Versuchs aus den Jahren 1921, 1924 und 1925 beschreibt, wird von Abschnitt zu Abschnitt von einer steigenden inneren Lebendigkeit beherrscht -ein fesselnder Eindruck für den Leser, dem der Reiz des großen (überwundenen) geistigen Konfliktes des Verf. nicht entgehen wird, der auf der einen Seite die Worte hört: ``knock out the relativity theory radically...'' -- auf der anderen: ``ein Naturgesetz ist invariant beliebigen topologischen Transformationen gegenüber...'' (\textit{Ludvik Silberstein, Hermann Weyl}). Erste Frage: Ist der ``\textit{Miller}-Effekt'' (d.h. der positiv verlaufene \textit{Michelson}-versuch) fehlerfrei? Darüber waren die Meinungen der Physiker zur Zeit, der man die vorliegende Abhandlung verdankt, geteilt. Zweite Frage: Muß die Physik um ein Vierteljahrhundert zurückrevidiert werden, sobald der \textit{Miller}-Effekt positiv feststeht? ``Im Gegenteil'', erklärt Verf., ``wir dürfen jetzt unabhängig vom speziellen Ergebnis jedes Experimentes die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie und den ganzen Rechenapparat des Tensorkalküls übernehmen''. Mehr noch: ``Eine beliebig vorgegebene endliche Menge von Erscheinungen läßt sich immer in einem genügend komplizierten Naturgesetz vollständig wiedergeben''. Schließlich: ``In einer Physik, deren Kompliziertheit dadurch beschränkt ist, daß sie höchstens die beiden Fundamentaltensoren \(g_{ik}\) und \(\varphi_i\) enthalten soll, läßt sich der als positiv angenommene Effekt wahrscheinlich nicht wiedergeben; erweitert man aber die Zahl der Grundtensoren, dann zeigt die vorliegende Überlegung, daß die kompliziertere Physik auch dieser Erscheinung vollständig Rechnung zu tragen vermag.'' Was entscheidet nun der positive \textit{Miller}-Effekt? Er unterscheidet! Die Lichtbahnen (im Interferometer) sind nicht mehr drehungsinvariant im Sinne der Drehungsgruppe starrer Körper. Sie haben vielmehr ihre eigene Drehungsgruppe, man hat also deren zwei (die Lichtgeschwindigkeit ist nicht mehr Grenzgeschwindigkeit), entsprechend auch zwei symmetrische Fundamentaltensoren, und auch ein positiver \textit{Miller}-Effekt läßt sich vom Tensorkalkül ``relativistisch'' bewältigen, wenn man nur die komplizierte Theorie der Simultaninvarianten dreier Tensorfelder: \(g_{ik}\) starrgeometrisches Führungsfeld (Gravitationsfeld.) \(\varphi_i\) elektromagnetisches Potentialfeld, \(l_{ik}\) lichtgeometrisches Feld (elektromagnetisches Führungsfeld) \newline in Kauf nimmt. (An dieser Stelle folgen numerische Abschätzungen). Naturgemäß fehlt auch in der Physik mit positivem \textit{Miller}-Effekt, welche in der angegebenen Weise invariant formuliert wird, ein Platz für die klassische Äthervorstellung, und es entsteht die Frage nach der physikalischen Bedeutung der \textit{Riemann}schen Metrik im Rahmen einer solchen (fiktiven) Theorie. Die Existenz einer Weltmetrik erweist sich als ein Experimentalproblem: Man bestimme empirische Führungslinien (Weltlinien sich kräftefrei bewegender materieller Punkte). Haben sie die Eigenschaft, die Integrabilitätsbedingungen eines Extremalendifferentialgleichungssystems identisch zu erfüllen, so ist jede Lösung dieses Systems eine mögliche Metrik, insbesondere eine \textit{Riemann}sche Metrik, sobald auf den Führungslinien eine Parametertransformation möglich ist, welche deren Differentialgleichungen auf die Gestalt des Differentialsystems der \textit{Riemann}schen geodätischen Linien bringt mit Ubertragungsparametern \(\varGamma_{jk}^i\), welche den von \textit{Eisenhart} und \textit{Veblen} angegebenen Bedingungen genügen (1922; F. d. M. 48, 842 (JFM 48.0842.*)). Eine so gewonnene \textit{Riemann}sche Metrik hängt noch von zehn Konstanten ab. Zu ihrer Bestimmung genügt es, die Zahlenwerte der \(g_{ik}\) in einem beliebig vorgegebenen Weltpunkt zu bestimmen. (Es folgt eine interessante Diskussion über den Wert von \(g_{00}\).) Ist nun aber der \textit{Michelson}-Versuch -- abgesehen von seinem Ergebnis -- überhaupt ein ``experimentum crucis'' für die Existenz einer absoluten Translation? Ist er nicht vielmehr (viel weniger) ein experimentum crucis für die Identität der der ``Lichtgeometrie'' und der ``Starrgeometrie'' zugrunde liegenden Bewegungsgruppen? Die Ansicht vom axiomatischen Charakter der Identität der Licht- und Starrgeometrie teilt Verf. mit \textit{Mannoury} und \textit{Reichenbach}. Im Falle eines negativen \textit{Michelson}-Experimentes ist lediglich die ``starre'' Drehinvarianz der quadratischen Differentialform der Lichtbewegung \(dx_0^2 - dx_1^2 - dx_2^2 - dx_3^2\) evident, ohne daß damit schon der quadratische Charakter der Differentialform der Gravitationserscheinungen mitbestimmt wäre -- was man vielleicht so ausdrücken kann: Ein negativer \textit{Michelson}-Versuch ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für ein ``Gravitationsbogenelement'' \(g_{ik} dx^i dx^k\). Damit verliert zunächst das Gravitationsfeld seine ausgezeichnete Rolle und ebenso das ``von ihm erzeugte metrische Kontinuum'' -gleichwohl wird im Falle eines negativen \textit{Michelson}-Experimentes das ``Ökonomieprinzip'' die provisorische Identifikation der beiden Geometrien und damit die bisherige Rolle der Gravitationsmetrik mit gutem Recht festhalten. Abschließend betrachtet Verf. die Stellung der (vorrelativistischen) klassischen Physik zum \textit{Miller}-Effekt. Hier führt der Versuch einer theoretischen Einordnung des Effektes auf noch größere Widersprüche als im Rahmen der (bisherigen) Relativitätstheorie (vgl. \textit{Eddington, Giorgi, Swann}, 1925; F. d. M. 51; 780, 725 und die beiden vorstehend besprochenen Arbeiten).
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