Der Äther im Weltbild der Physik. (Q1465026)
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scientific article; zbMATH DE number 2603629
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
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| English | Der Äther im Weltbild der Physik. |
scientific article; zbMATH DE number 2603629 |
Statements
Der Äther im Weltbild der Physik. (English)
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1921
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Nach der Erfahrung gibt es für die Lichtausbreitung im Weltenraum ein bestimmtes, zweifach unendliches System von ``Lichtschreitungen''. Unter ``Schreitung'' wird dabei verstanden ``der Bewegungszustand eines Punktes, der durch die jeweilige Geschwindigkeit dargestellt wird, wenn man ihn nicht vergleichend in Beziehung auf irgendein Koordinatensystem, sondern als das tatsächlich Gegebene auffaßt''. Als physikalisch bestimmend für die Lichtausbreitung im Weltenraum bezeichnet der Verf. die 10 Komponenten des Gravitationspotentials. Während aber nach der Meinung der Relativitätstheoretiker diese Potentiale die Struktur des Raumes kennzeichnen, sieht der Verf. ihre Bedeutung darin, daß sie von der Wirksamkeit des Weltuntergrundes Kunde geben. ``So ist es schon deshalb geboten, den Ausdruck Äther zu gebrauchen, um der forschenden Physik eines ihrer wichtigsten Probleme klar zu zeigen.'' Den Sinn der Lorentztransformation formuliert der Verf. zunächst so: ``Werden nur formale Vergleichungen zwischen den Maßsystemen einer Lorentz-Gruppe ausgeführt, so ist es nicht möglich, das System zu erkennen, welches zur Ruhe gegen das die fundamentale Erregung -- z. B. den Schall - tragende Medium gehört.'' Da die Erfahrung der Lorentztransformation über diese formale Deutung hinaus (für die Lichtgeschwindigkeit als kritische Geschwindigkeit) Berechtigung verleiht, so wird die Lorentzdeformation bei Bewegung gegen den Weltuntergrund, den Äther, als reell bezeichnet und die Lorentztransformation als ``Anscheinsatz'' gedeutet: ``Es stellen sich für den Beobachter, wenn das materielle System, dem er angehört, im ganzen eine Bewegungsänderung erfährt, infolge physikalischer Umwandlungen formal veränderte Maßbeziehungen über räumliche und zeitliche Vorgänge ein, welche ihm das Urteil über Länge, Gleichzeitigkeit und Zeitverlauf so umwandeln, daß ihm entweder ganz oder für ein gewisses Erscheinungsgebiet die Veränderungen verhüllt werden.'' ``Die Lichtschreitungen erhalten so für die Physik der molekularen Materie eine grundlegende Bedeutung. Weiter versucht der Verf. zu zeigen, daß die Unterlichtschreitungen unter sich, und damit auch die zugehörigen Galilei-Lorentzschen Maßsysteme ungleichwertig sind. Hierfür werden zwei Beweise angegeben: Das modifizierte Uhrenparadoxon als ``Beispiel der 3 Schreitungen'' und das ``Beispiel des Staffettenlaufs''. Beim ersten Beispiel bilden die Weltlinien von 3 gleichen Uhren (schwingenden Molekülen) in der \(xy\)-Ebene ein Dreieck. Aus dem Umstande, daß dabei notwendig eine der Uhren langsamer geht als die dritte, schließt der Verf., daß jene Uhr ``wirklich'' langsamer läuft. [Von v. Laue war beim Uhrenparadoxon bereits früher gegen diese Schlußweise eingewendet worden, daß zwischen beiden Uhren ein physikalischer Unterschied besteht; dies gilt jetzt noch insofern, als die drei Uhren jetzt Relativgeschwindigkeiten zueinander haben derart, daß notwendig in jedem Bezugssystem für die gleiche Uhr die Geschwindigkeit zwischen denen der beiden anderen liegt. D. Ref.] Beim ``Staffettenlauf'' definiert der Verf. eine Geschwindigkeit \(l\!/\tau\), wo \(l\) die Ruhlänge eines Stabes, \(\tau\) die Zeitdifferenz zwischen dem Vorübergang des Anfangspunktes und Endpunktes des Stabes an einem raumfesten Punkt ist. Aus dem Umstande, daß diese Geschwindigkeit \(L\), deren physikalischer Sinn dem Ref. nicht verständlich ist, unendlich wird, wenn die Laufgeschwindigkeit des Stabes sich der Lichtgeschwindigkeit nähert, schließt der Verf., ``daß die Gestalt der Körper sich nicht nur scheinbar, sondern wirklich ohne Grenzen abflacht, wenn die Schreitung an die Lichtschreitungen herangeht''. ``Das wesentliche Ergebnis der Einsteinschen allgemeinen Relativitätstheorie möchte der Verf. darin sehen, daß sie lehrt, als die Ursache der Gravitation Unterschiede des Äthers zu erkennen, welche sich in Änderung der zum Anscheinsatz gehörigen Maßbeziehungen von Ort zu Ort äußern, welche also insbesondere durch Änderung des Systems der Lichtschreitungen angezeigt werden.'' Sowohl in der Gravitationstheorie des Verf., wie in der Einsteins gilt: ``Beim Übergang von einer Stelle zu einer andern werden die Längen der materiellen Körper und die Ablaufsgeschwindigkeiten der physikalischen Vorgänge in ihnen so geändert, daß mit demselben Meßgerät sich bei lokalen Messungen überall derselbe Wert der Lichtgeschwindigkeit ergibt. Die Symmetrie der 10 Einsteinschen Feldgleichungen ist eine nicht durch die Tatsache gebotene Hypothese. Der Einsteinsche Ansatz für die Mechanik \(\delta\int\,ds=0\) ist der einfachste der möglichen Ansätze \(\delta\int\,S\,ds=0\), wo \(S\) ein von den Maßverhältnissen des Raumes bestimmter Skalar ist. Weiter wird darauf hingewiesen, daß Mach ``Körperrelativität'' fordert, während Einstein Standpunktsrelativität durchführt. Die Wirksamkeit des Inertialfeldes verlangt eine Verknüpfung der Materie mit dem Feld der Lichtschreitungen, dem Weltuntergrund, den wir uns als etwas Körperliches mit räumlichen und zeitlichen Eigenschaften vorstellen müssen und dem der Name Äther gebührt. Das Äquivalenzprinzip ist eine physikalische Abbildung; die gleiche Beschreibung (Übergang vom homogenen Gravitationsfeld zur gleichförmigen Beschleunigung) macht die Vorgänge nicht physikalisch gleich. Die Schwerkraft wird nicht durch die Materie verursacht, sondern eine Änderung der Beschaffenheit des Weltuntergrundes (eine äußerst geringe Änderung der Lichtgeschwindigkeit) bedingt sie. ``Der Äther erscheint als Träger aller Kräfte in der Welt und als das, was dieser die Körperlichkeit gibt.'' Die Atome sind Stellen ausgezeichneter Beschaffenheit des Äthers. ``Daß unsere Sinne uns wohl die molekulare Materie, nicht aber den Äther zeigen, erklärt sich durch die Organisation unseres Körpers, der selbst aus molekularer Materie besteht.''
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