Die Geometrie der Wirklichkeit. (Q1473741)
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scientific article; zbMATH DE number 2617088
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
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| English | Die Geometrie der Wirklichkeit. |
scientific article; zbMATH DE number 2617088 |
Statements
Die Geometrie der Wirklichkeit. (English)
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1915
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Die Arbeit stellt sich die Aufgabe, die von \textit{M. Pasch} in Angriff genommene und von \textit{F. Klein} wesentlich geförderte Grundlegung der praktischen Geometrie zum ersten Male systematisch zu entwickeln. Eine ``wirkliche'' Ebene, eine ``wirkliche'' Gerade, ein ``wirklicher'' Punkt kann ebensowenig logisch definiert werden wie irgendein anderer ``wirklicher'' Gegenstand. Ihre Existenz ist gesichert durch die Angabe eines Verfahrens, sie herzustellen. Praktisch zumeist gebrauchte Nachbildungen dieser Idealformen sind die Zeichenebene, der mit dem Lineal gezogene Strich; der Einstich einer Zirkelspitze. Für die Begründung der Geometrie der Zeichenebene genügt eine Erfahrungstatsache: die Existenz des quadrierten Papiers, mit dessen Hilfe kann man die geometrische Pro portionslehre in der Ebene, den pythagoreischen Lehrsatz, die analytische Geometrie erhalten, und zwar gelten alle Sätze mit einer gewissen Annäherung, deren Grad von der Sorgfalt der Darstellung abhängt und immer durch eine obere Schranke der Unsicherheit ausgedrückt werden kann. Alle Lehrsätze gelten dann genau so wie in der euklidischen Geometrie, wenn man aus sprachökonomischen Gründen die überall nötigen einschränkenden Worte ``mit einer gewissen Annäherung'' fortläßt. So ist also die formale euklidische Geometrie nur eine bequem abgerundete Formulierung der Ergebnisse der praktischen Geometrie. Die praktische Infinitesimalgeometrie beruht auf der Tatsache, daß\ jede ``wirkliche'' Kurve sich immer aus einer endlichen Anzahl geradliniger Stücke zusammensetzen läßt, wobei die Lage der Eckpunkte unwesentlich ist: die geraden Linien, die sie zusammensetzen, reihen sich so unmerklich aneinander, daß\ zwei benachbarte nicht einen einzigen Punkt, sondern eine ganze Strecke gemeinsam haben. Eine Tangente ist eine Gerade, die mit der Kurve eine möglichst lange Strecke gemeinsam hat, ein Schmiegungskreis ein Kreis, der einen möglichst langen Bogen mit der Kurve gemein hat usw. Auch hier aber hat die theoretische Kurvenlehre die Bedeutung einer bequemen, abgerundeten Formulierung der für die empirischen Kurven geltenden Gesetze, ist also als solche nicht zu entbehren. Die Differentialgeometrie beschränkt sich zumeist nur auf analytische reguläre Gebilde. Dies ist eine unbefriedigende, aber schwer allgemein zu bessernde Einschränkung. In der Wirklichkeit ist jede mathematische Abhängigkeit abteilungsweise stetig und monoton. An diese Feststellung knüpft der Verf. eine allgemeine Diskussion der ebenen Kurven und der Raumkurven die hier im einzelnen nicht wiedergegeben werden kann. Es sei aber darauf hingewiesen, daß\ die hier vorliegenden Untersuchungen und die bez. Kapitel der Darstellenden Geometrie des Verf. (Leipzig 1914, Ref. s. S. 767 dieses Bandes) sich in interessanter Weise ergänzen.
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