Vorlesungen über ausgewählte Gegenstände der Geometrie, Erstes Heft: Ebene analytische Kurven und zu ihnen gehörige Abbildungen. (Q1484007)
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scientific article; zbMATH DE number 2630576
| Language | Label | Description | Also known as |
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| English | Vorlesungen über ausgewählte Gegenstände der Geometrie, Erstes Heft: Ebene analytische Kurven und zu ihnen gehörige Abbildungen. |
scientific article; zbMATH DE number 2630576 |
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Vorlesungen über ausgewählte Gegenstände der Geometrie, Erstes Heft: Ebene analytische Kurven und zu ihnen gehörige Abbildungen. (English)
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1911
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Der Titel ist nicht besonders glücklich gewählt. Es handelt sich um gewisse Kapitel der elementaren komplexen Geometrie der Ebene. Um uns möglichst kurz fassen zu können, erinnern wir zunächst an einige Begriffe der komplexen Geometrie. Es gibt in der Ebene, die ja jetzt vierfach ausgedehnt ist, Örter von \(\infty^1,\infty^2\) und \(\infty^3\) komplexen Punkten, von denen wir hier nur die (in Anlehnung an italienische Literatur) vom Verf. sogenannten Membranen erwähnen, Örter von \(\infty^2\) komplexen Punkten. Ein analytisches Membranstück wird durch zwei Gleichungen \(\xi=\xi(\sigma,\tau)\), \(\eta=\eta(\sigma,\tau)\) dargestellt, wo die reellen und die vom Faktor \(i\) befreiten imaginären Bestandteile der Koordinaten \((\xi,\eta)\) sich in einem gemeinsamen Existenzbereich nach Potenzen zweier reellen Parameter \(\sigma\) und \(\tau\) entwickeln lassen; dabei ist aber noch zu fordern, daß\ nicht alle Funktionaldeterminanten einer gewissen Matrix gleichzeitig identisch verschwinden. Durch das Doppelintegral \[ \iint \left( \frac{\partial \xi \partial \eta}{\partial \sigma \partial \tau} - \frac{\partial \xi \partial \eta}{\partial \tau \partial \sigma} \right) d \sigma d \tau \] erklärt man den ``Flächeninhalt'' eines Membranstücks. Es gibt Membranen, deren sämtlichen Stücken ein reeller Flächeninhalt zukommt. Eine solche ist der reelle Zug einer reellen Ebene. Ist der Flächeninhalt auf einer Membran identisch Null, so ist die Membran eine \textit{Kurve}. Der Begriff der Membran ist also umfassender als der der Kurve, die ja ebenfalls \(\infty^2\) komplexe Punkte besitzt. Die Eigenschaft einer analytischen Membran, Kurve zu sein, ist invariant gegenüber allen analytischen Punkttransformationen. Gegenüber \textit{konformen} Transformationen gibt es ferner eine (reelle) Differentialinvariante, deren identisches Verschwinden eine besonders interessante Klasse von Membranen definiert; diese werden ``ausgezeichnet'' genannt. Ein komplexer Punkt einer reellen Ebene wird (nach \textit{Laguerre}) abgebildet auf ein Paar wohlgeordneter reeller Punkte dieser Ebene (``Erstes Bild'' des komplexen Punktes). Kehrt man die Reihenfolge dieser beiden Punkte um, so erhält man das erste Bild des konjugiert.komplexen Punktes. Übt man die fragliche Konstruktion auf einen reellen Punkt aus, so fallen beide Punkte des ersten Bildes mit ihm (also auch miteinander) zusammen. Die Beziehung zwischen einem komplexen Punkt und seinem ersten Bilde wird nicht zerstört durch \textit{reelle eigentlich - konforme Abbildungen}. Konstruiert man nun zu jedem Punkte einer analytischen Membran das erste Bild, also die Figur zweier geordneten reellen Punkte, so werden den \(\infty^2\) reellen Punkten der Ebene (oder eines Stücks von ihr) zugeordnet \(\infty^2\) weitere reelle Punkte; mit anderen Worten, es wird (in der Regel) eine Transformation geliefert. So gelangt der Verf. zu den Sätzen: Das erste Bild einer ausgezeichneten Membran ist eine eigentlich-konforme Abbildung des reellen Gebietes, und umgekehrt. Das erste Bild einer analytischen Kurve ist eine uneigentlich.konforme Transformation. Ist die Kurve ein Kreis, so erhält man eine Kreisverwandtschaft, die zu einer Ähnlichkeitstransformation wird, wenn der Kreis in eine Gerade ausartet. Dreht man das Punktepaar, welches als erstes Bild eines komplexen Punktes fungiert, durch 90\(^\circ\) so, daß\ die Ecken eines Quadrats entstehen, so kann das neue wohlgeordnete Paar reeller Punkte ebenfalls als reelles Bild des komplexen Punktes angesehen werden (``Zweites Bild''). Die Beziehung zwischen einem komplexen Punkte und seinem zweiten Bilde wird durch \textit{reelle Affinitäten} nicht zerstört. Jetzt hat man: Das zweite Bild einer analytischen Membran, deren sämtlichen Stücken ein reeller Flächeninhalt zukommt, ist eine eigentlich-flächentreue Abbildung, und umgekehrt; wird die Membran zu einer analytischen Kurve, so spezialisiert sich die flächentreue Abbildung in gewisser Weise; z. B. wird sie affin von der Periode vier für komplexe Gerade. Der Prozeß, vermöge dessen aus dem ersten Bild eines komplexen Punktes das zweite Bild hervorgeht, wird ``Schwenkung'' genannt. Der Schwenkungsprozeß\ läßt aus einer reellen eigentlich-konformen Abbildung eine ebensolche, aus einer uneigentlich-flächentreuen Abbildung eine ebensolche hervorgehen. Dagegen verwandelt er eine uneigentlich-konforme Transformation in eine spezielle eigentlich-flächentreue und umgekehrt. Diese interessante Tatsache ist die Grundlage für die eingehenden Untersuchungen zur Theorie der flächentreuen Abbildungen, aus der wir noch ein Resultat hervorheben. So wie das erste Bild einer analytischen Kurve für reelle Kurven involutorisch wird [ein spezieller Fall davon ist, wenn nämlich die Kurve einen reellen Zug besitzt, die \textit{Schwarz}sche Spiegelung], definiert auch jeder reelle krumme analytische Kurvenzug als zweites Bild eine ``flächentreue Spiegelung''. Auch ist ein Zusammenhang zu erwähnen, der zwischen flächentreuen Abbildungen und der Lehre von den Translationsflächen hergestellt wird. - Bei der Betrachtung zweier komplexen Punkte erweisen sich als besonders interessant solche, für die das Quadrat des Abstandes reell oder rein-imaginär ist, schließlich solche, deren Verbindungsgerade eine reelle Richtung hat. Daraus resultieren beim ersten Bilde die Begriffe zweier Punktepaare in ``Kreuzlage'', in ``Trapezlage'', schließlich ``isometrische'' Punktepaare. Punktepaare in Kreuzlage bleiben solche auch nach der Schwenkung; Punktepaare in Trapezlage werden durch die Schwenkung in isometrische Paare verwandelt und umgekehrt. Von den hieraus fließenden Anwendungen auf reelle Differentialgeometrie erwähnen wir den Satz: Durchlaufen zwei gegenüberliegende Ecken eines veränderlichen Quadrates zwei isometrische Kurven, so sind die Bahnkurven der beiden anderen Ecken durch parallele Tangenten aufeinander bezogen und umgekehrt. - Im Schlußkapitel findet man Ausblicke nach verschiedenen Richtungen. Anwendungen auf geometrische Optik werden angedeutet, ebenso auf Kinematik; eine sehr interessante Abbildung der projektiven Geometrie des Raumes auf die euklidische Ebene ist mittlerweile bereits von anderer Seite fortgesetzt [Fußnote: \textit{W. Blaschke}, Euklidische Kinematik und nichteuklidische Geometrie, Zeitschr. für Math. und Phys. 60 (1912); \textit{W. Blaschke}, Ein Beitrag zur Liniengeometrie, Rendiconti di Palermo 33 (1912)] ). Das zweite Bild eines komplexen Punktes wird auf den Raum übertragen. Dabei werden unebene analytische Kurven auf Paare von Translationsflächen abgebildet, die durch parallele Normalen flächentreu aufeinander bezogen sind. Minimalkurven sind dabei assoziierte Minimalflächen zugeordnet. Zahlreiche Beispiele. Vor der analytischen allgemeinen Kurve werden die Geraden und Kreise sehr eingehend behandelt, später noch Ellipse und Kettenlinien. Es werden so ziemlich alle vorkommenden Begriffe erklärt. Eleganter Zusammenhang zwischen konformen und flächentreuen Abbildungen. Ausführliche Behandlung aller jener Dinge, an die die Lehrbücher der Differentialgeometrie nur ungern heranzugehen pflegen. Präzisierung des Begriffs der analytischen Kurve. Sehr eingehende Behandlung der Parameterdarstellungen (Begriff des regulären Parameters). Eine Besprechung dieses Buches (von \textit{Carathéodory}) in Math. Ver. 22, 137-139 (1913).
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