Zur Kinematik der Gelenke vom Typus des Humero-Radialgelenkes. (Q1490293)
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scientific article; zbMATH DE number 2638656
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
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| English | Zur Kinematik der Gelenke vom Typus des Humero-Radialgelenkes. |
scientific article; zbMATH DE number 2638656 |
Statements
Zur Kinematik der Gelenke vom Typus des Humero-Radialgelenkes. (English)
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1909
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Unter den Gelenken des menschlichen und des tierischen Körpers erweisen sich die Gelenke von zwei Graden der Freiheit nicht nur vom anatomischen und physiologischen, sondern auch vom rein kinematischen Standpunkte aus als ganz besonders interessant. Es gibt im großen und ganzen nur zwei wesentlich voneinander verschiedene Bewegungstypen, von denen der eine am exaktesten sich am Humero-Radialgelenk verwirklicht findet, während der andere unter dem Namen des \textit{Listing}schen Gesetzes seinen Hauptrepräsentanten in dem Bewegungsmodus des menschlichen Auges findet. Der Humero-Radialtypus ist dadurch ausgezeichnet, daß von jeder Gelenkstellung aus der beweglich gedachte Körperteil beliebige, voneinander unabhängige Drehungen um eine ihm selbst und eine dem ruhend gedachten Körperteil angehörende unveränderliche Achse ausführen kann. Für die Bewegungen nach dem \textit{Listing}schen Gesetz gibt es nun zwar in jeder Gelenkstellung unzählig viele feste Drehungsachsen; dieselben gehören aber weder dem beweglichen, noch dem ruhenden Körperteil unveränderlich an, sondern wechseln im allgemeinen von einer Gelenkstellung zur anderen. In der vorliegenden Arbeit wird die Kinematik der mit zwei Graden der Freiheit versehenen Gelenke vom HumeroRadialtypus so weit klargestellt, als es für die Zwecke der Muskelmechanik erforderlich scheint. Dabei werden fortwährend die entsprechenden Verhältnisse des \textit{Listing}schen Gesetzes zum Vergleich herangezogen. Im ersten Abschnitt sind zunächst die Folgerungen entwickelt, die sich für die Bewegungen aus dem anatomischen Bau des allen anderen hierher gehörenden Gelenken als Vorbild dienenden Humero-Radialgelenks ergeben. Während es verhältnismäßig komplizierter Mechanismen bedurfte, um die Bewegungen nach dem \textit{Listing}schen Gesetz nachzuahmen, weist der anatomische Bau des Radio-Ulnargelenks auf einen sehr einfachen Mechanismus zum Erzwingen der Bewegungen nach dem Humero-Radialtypus von selbst hin. Der zweite Abschnitt der Arbeit beschäftigt sich mit der Bestimmung der als Längsrotation bezeichneten Drehung des beweglichen Körperteils um seine Längslinie, welche mit der Drehung der letzteren um eine feste, zu ihr senkrechte Achse verbunden ist. Im dritten Abschnitt sind wieder die \textit{Poinsot}schen Achsenkegel abgeleitet worden, durch deren Abrollen eine bestimmte Bewegung anschaulich demonstriert wird. Während bei dem \textit{Listing}schen Gesetz die beiden Polkegel für jede bestimmte Bewegung kongruente Formen aufweisen, sind die dem Humero-Radialtypus entsprechenden Polkegel in der Regel von ganz verschiedener Gestalt. Hierin prägt sich die Tatsache aus, daß die beiden Relativbewegungen beim \textit{Listing}schen Gesetze miteinander übereinstimmen, während dies beim Humero-Radialtvpus im allgemeinen durchaus nicht der Fall ist. Es ist hierbei allerdings nicht ausgeschlossen, daß einmal ausnahmsweise die beiden Kreiskegel kongruent werden; dieser Fall tritt ein, wenn die Winkelgeschwindigkeiten um die beiden anatomisch gegebenen Achsen gleiche Größe besitzen. Im vierten und letzten Abschnitt wird gezeigt, wie man in entsprechender Weise wie beim \textit{Listing}schen Gesetze auch die Bewegungen nach dem Humero-Radialtypus in bestimmten Fällen durch die Gelenkbewegungen sphärischer Vierecke erzeugen kann. Dies geht im allgemeinen, wenn nur der Längspunkt während der Bewegung auf seiner Exkursionskugelfläche (vgl. das vorstehende Referat (JFM 40.0659.02)) einen beliebigen Kreis beschreibt, der kein größter Kugelkreis zu sein braucht.
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