Theorie der kleinen Planeten. Zweiter, dritter und vierter Teil. (Q1490971)
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scientific article; zbMATH DE number 2639413
| Language | Label | Description | Also known as |
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| English | Theorie der kleinen Planeten. Zweiter, dritter und vierter Teil. |
scientific article; zbMATH DE number 2639413 |
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Theorie der kleinen Planeten. Zweiter, dritter und vierter Teil. (English)
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1910
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Der erste Teil dieser Arbeit ist bereits 1898 erschienen und statt des dort angekündigten zweiten Teils liegen nun drei weitere Teile vor, mit denen die Arbeit ihren vorläufigen Abschluß gefunden hat. Die Verteilung des Stoßes auf mehrere Teile hatte den Vorzug, daß diejenigen Erörterungen, die sich mehr auf die allgemeine Theorie beziehen und die als Grundlagen für eine von Anfang an durchgeführte Störungsuntersuchung dienen, getrennt wurden von den rein praktischen Vorschriften zur direkten Entnahme der Störungen aus den beigegebenen Tafeln und zur Vergleichung der Beobachtungen mit dem Rechnungsresultat. Der zweite Teil stützt sich auf die Entwicklungen des ersten und gibt eine ausführliche Darstellung des zu befolgenden Ganges der Rechnung zur Aufstellung der Störungsausdrücke, die durch den ganzen Band hindurch von einem numerischen Beispiel für den Planeten (91) Aegina begleitet wird. In vielen Einzelheiten wird dabei der erste Teil ergänzt und an manchen Stellen auch berichtigt; an anderen Stellen werden die Entwicklungen gegenüber dem ersten Teil mit Rücksicht auf die praktische Anwendung vereinfacht. Wenn sich die ganze Methode der Herleitung der Störungen auch auf die \textit{Gyldén}schen Arbeiten stützt, so ist Verf. doch häufig einen anderen Weg gegangen, was sich schon daraus erklärt, daß er im Gegensatz zu den Hauptarbeiten \textit{Gyldén}s, die eine absolute Lösung des planetarischen Dreikörperproblems anstrebten, eine Methode für die praktische Störungsrechnung auszuarbeiten beabsichtigte. Es dürfte darum angebracht sein, diejenigen Ideen \textit{Gyldén}s, die vom Verf. weiter verfolgt und hier zur Anwendung gekommen sind, kurz zu skizzieren. Zunächst ist die \textit{Gyldén}sche Methode weder streng als eine der Elementen-, noch als eine solche der Koordinatenstörungen im gewöhnlichen Sinne zu bezeichnen. \textit{Gyldén} hat vielmehr, um die gestörte Bewegung zu charakterisieren, eine Reihe von Hülfsgrößen eingeführt, die teilweise mit der störenden Masse verschwinden, teilweise mit deren Verschwinden in die konstanten elliptischen Elemente übergehen. \textit{Gyldén} hat bei allen seinen Untersuchungen von derartigen Hülfsgrößen in reichem Maße Gebrauch gemacht; Verf. hat sich hierbei auf das für die praktische Anwendung wünschenswerte Maß beschränkt und nennt die von ihm gebrauchten Hülfsgrößen \textit{Gyldén}sche Koordinaten. Sowohl in den Differentialgleichungen wie in der Entwicklung der Störungsfunktion hat \textit{Gyldén} als unabhängige Veränderliche die wahre Länge des gestörten Planeten anstatt der Zeit benutzt. Dieses Verfahren bietet bei der Ermittlung der Störungen durch die Integration der Differentialgleichungen sehr große Vorteile. Man kann es im Gegensatz zur Anwendung der Differentialgleichungen in der kanonischen oder in der klassischen Form der Variation der Elemente so charakterisieren, daß bei den letzteren die Differentialgleichungen eine besonders einfache und elegante Form annehmen, dagegen die Entwicklung der Störungsfunktion, namentlich wenn man Störungen höherer Ordnung berücksichtigen will, komplizierter wird; bei dem \textit{Gyldén}schen Verfahren liegt die Sache umgekehrt: hier bietet die Entwicklung der Störungsfunktion besondere Vorteile, gerade durch die Einführung der \textit{Gyldén}schen Koordinaten; diese treten sowohl als Faktoren der Glieder der Störungsfunktion (z. B. anstatt der oskulierenden Exzentrizität), als auch in den Argumenten dieser Glieder (wie z. B. die großen Störungen der Länge) in einer Form auf, die die Integration auch mit Rücksicht auf die Glieder höherer Ordnung besonders erleichtert. Gerade bei der \textit{Gyldén}schen Entwicklung der Störungsfunktion läßt sich das Verfahren der partiellen Integration (vgl. Math. Ann. 55) mit besonderem Vorteil anwenden, da auf diese Weise die in den Argumenten der trigonometrischen Glieder auftretenden Größen, die selbst wieder aus teils säkularen, teils periodischen Gliedern bestehen, mit Leichtigkeit berücksichtigt werden können. Wenn dagegen die Differentialgleichungen für die \textit{Gyldén}schen Koordinaten selbst komplizierter aussehen, so hat das nichts zu bedeuten, da die meisten hier auftretenden Glieder außerordentlich klein sind und nur in Ausnahmefällen berücksichtigt werden müssen, was dann auch keine Schwierigkeit hat. Man kann also etwa sagen, daß die Komplikationen, die in der Natur des Problems liegen und nicht vermieden werden können, beider \textit{Gyldén}schen Methode auf die Differentialgleichungen, bei den kanonischen oder klassischen Methoden auf die Entwicklung der Störungsfunktion geschoben werden. Begnügt man sich mit den Störungen erster Ordnung, so bietet das Problem der Störungen eigentlich überhaupt keine Schwierigkeiten; jeder wird hier zum Zwecke der praktischen Rechnung die Methode vorziehen, auf die er eingearbeitet ist. Die Bedeutung der Störungen höherer Ordnung wird aber vielfach noch bedeutend unterschätzt, und in ihrer Ermittlung ganz besonders ist die \textit{Gyldén}sche Methode den älteren überlegen. Die sogenannte horistische Methode von \textit{Gyldén}, welche der Gegenstand lebhafter Erörterungen gewesen ist, kommt in der vorliegenden Arbeit nicht zur Anwendung, schon aus dem Grunde, weil ihr wesentlicher Inhalt fertiggestellt war, ehe \textit{Gyldén} hierüber etwas publizierte, und weil auf eine durchgehende Berücksichtigung der Störungen dritten Grades in bezug auf die Exzentrizitäten verzichtet worden ist. Wenn diese Methode auch nicht zu dem von \textit{Gyldén} erhofften Ziele der Darstellung der Koordinaten durch konvergente Entwicklungen geführt hat, so glaubt Verf. doch, daß die Ideen \textit{Gyldén}s, welche die Grundlagen für die horistische Methode gegeben haben, eines Ausbaus fähig sind. Diese grundlegenden Ideen, die in \textit{Gyldén}s späteren Publikationen nicht leicht wiederzuerkennen sind, verdankt Verf. der mündlichen Aussprache mit \textit{Gyldén}, und sie haben zwar nicht hier, wohl aber in der 1905 veröffentlichten Mondtheorie des Verf. (Gött. Abh. 3) Anwendung gefunden; ihre weitere Verfolgung führt zu einer Erweiterung des \textit{Lagrange}schen Satzes der Reihenumkehrung. Da schon die Konvergenzuntersuchungen für den einfachen \textit{Lagrange}schen Satz Schwierigkeiten bieten, so waren diese auch im Falle der Mondtheorie nicht zu überwinden, und lediglich aus diesem Grund hat Verf. diese Theorie seinerzeit als ein ``numerisches Experiment'' bezeichnet, was von dem damaligen Referenten im Jahrbuche, ebenso wie der übrige Inhalt jener Arbeit, gänzlich mißverstanden worden ist. Außer den grundlegenden Entwicklungen gibt der zweite Teil ausführliche Tafeln, aus denen die Koeffizienten zur Entwicklung der Störungsfunktion bis zu den zweiten Potenzen der Exzentrizitäten und Neigungen entnommen werden können. Der dritte Teil ist derjenige, den der Leser, namentlich wenn er die Methode rein praktisch anwenden will, zuerst in die Hand nehmen sollte. Es werden hier nochmals die Ausdrücke für die \textit{Gyldén}schen Koordinaten ausführlich und vollständig zusammengestellt, sowie alle Vorschriften gegeben, nach denen die zugehörigen Koeffizienten aus den dem Teil beigegebenen Tafeln direkt entnommen werden können; durch das Beispiel der Aegina wird das Verfahren auch hier erläutert. Man wird also an der Hand des dritten Teils ohne weitere Rechnung alle Ausdrücke direkt aufstellen können, mit deren Hülfe man aus einem vorgegebenen Werte der wahren Länge in der Bahn die übrigen heliozentrischen Koordinaten (Radiusvektor und Breite) sowie die zugehörige Zeit finden kann. Gewiß wird es hier als Nachteil empfunden werden, daß nicht die Zeit, sondern die wahre Länge als unabhängige Veränderliche auftritt. Die Methode, nach der die Umrechnung auf die Zeit erfolgen kann, ist im Beginn des vierten Teils gegeben. Von Vorteil wäre es gewesen, wenn die Tafeln des dritten Teils vom Verf. noch hätten umgerechnet werden können, so daß sie die \textit{Gyldén}schen Koordinaten direkt als Funktionen der Zeit ausdrücken würden. Diese Umrechnung hat Verf. nicht ausgeführt, um das Erscheinen der Arbeit nicht noch weiter zu verzögern. Auch könnten die Tafeln gelegentlich einer solchen Umrechnung noch etwas praktischer angelegt werden, da sie in der jetzigen Form immerhin für den nicht Eingeübten etwas viel Herumblättern erfordern. Auch mag bemerkt werden, daß die Tafeln nur für diejenigen Planeten gelten, deren mittlere Bewegung größer als \(709''\) ist, und daß auch für einige dieser Planeten die gewünschte Darstellungsgenauigkeit von 1 Bogenminute für 100 Jahre nicht streng erreicht wird, da z. B. bei Planeten mit größeren Exzentrizitäten noch einige Glieder dritten und eventuell vierten Grades in der Exzentrizität berücksichtigt werden müßten. Im übrigen sind in die Tafeln alle Glieder aufgenommen, die einen Betrag von etwa \(8''\) erreichen können. Es ist also mit der Berechnung dieser Tafeln noch nicht alles geschehen, was für eine systematische Bearbeitung der kleinen Planeten wünschenswert wäre; es dürfte aber doch ein erheblicher Schritt vorwärts getan sein. Der vierte Teil gibt, immer an der Hand des Beispiels Aegina, die Vorschriften zur Vergleichung der Rechnung mit den Beobachtungen und zur Aufstellung von Bewegungstafeln für die Vorausberechnung der Planetenörter für einen langen Zeitraum (etwa ein Jahrhundert). Er stellt auch die Beziehungen der \textit{Gyldén}schen Methode zu den klassischen Methoden her, insofern als gezeigt wird, wie man, nachdem die Ausdrücke für die \textit{Gyldén}schen Koordinaten aufgestellt sind, auch die für die oskulierenden Elemente herleiten, und wie man allgemein den Übergang von Koordinatenstörungen auf Elementenstörungen und umgekehrt vollziehen kann. Auch wird eine neue Art von Elementen -- instantane Elemente -- definiert, die nur den Ort des Planeten, nicht aber, wie die oskulierenden Elemente, auch seine Geschwindigkeiten darstellen, dafür aber besonders geeignet sind, um die Bewegung des Planeten für längere Zeiträume zu tabulieren. Bei ihrer Anwendung kann man die Störungen je nach ihrer Größe und Periode teils als Elementen-, teils als Koordinatenstörungen ansehen, wodurch man für die Tabulierung große Vorteile gewinnt. Die Vergleichung der für Aegina gewonnenen numerischen Resultate mit sämtlichen Beobachtungen ergab ein sehr befriedigendes Resultat.
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