Handbuch der Theorie der linearen Differentialgleichungen in zwei Bänden. I. Band. (Q1524971)
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scientific article; zbMATH DE number 2678590
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| English | Handbuch der Theorie der linearen Differentialgleichungen in zwei Bänden. I. Band. |
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Handbuch der Theorie der linearen Differentialgleichungen in zwei Bänden. I. Band. (English)
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1895
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Der vor Jahresfrist erschienenen Einleitung in die Theorie der linearen Differentialgleichungen von Herrn Heffter schliesst sich in günstigem Zusammentreffen das vorliegende Werk an, das dazu bestimmt ist, die Methoden und Resultate einer Theorie, die seit den durch Herrn Fuchs für dieselbe geschaffenen neuen Grundlagen in den inzwischen verflossenen drei Jahrzehnten eine Entwickelung ohne Gleichen erfahren hat, zu einer einheitlichen Darstellung zusammenzufassen. Das Buch bietet eine Reichhaltigkeit des Inhalts, die nur das Ergebnis umfassender Studien und eines klaren Ueberblickes sein kann, wie denn auch der Verfasser bekanntlich eigene wertvolle Beiträge gerade zu den schwierigeren Gebieten dieser Disciplin geliefert hat. Bei der Bearbeitung des Gegenstandes ist er im wesentlichen der historischen Entwickelung gefolgt, aber in tiefer Durchdringung der ganzen Fülle des angehäuften Stoffes hat er eine freie, die wesentlichen Principien herausgreifende Darstellung der einschlägigen Untersuchungen gegeben, sie zu einem übersichtlichen Ganzen gestaltet und so ein Lehrbuch geschaffen, das geeignet ist, uns ein getreues und vollständiges Bild von dem gegenwärtigen Standpunkt der Theorie der linearen Differentialgleichungen zu liefern. Die Verteilung des Stoffs in zwei Bände ist in der Weise erfolgt, dass der vorliegende erste Band vornehmlich diejenigen Untersuchungen umfasst, die sich die Ausbildung von Methoden für die Integration einer vorgelegten linearen Differentialgleichung zum Ziele setzen, während dem zu erwartenden zweiten Bande die auf besondere, durch gewisse analytische Eigenschaften ausgezeichnete Klassen von Differentialgleichungen gerichteten Untersuchungen vorbehalten sind. Da eine eingehende Besprechung des vorliegenden ersten Bandes den hier zugemessenen Raum weit überschreiten würde, so müssen wir uns auf eine kurze andeutende Inhaltsangabe beschränken. Der Darstellung geht eine fesselnd geschriebene historische Einleitung voraus, die, wie der Verfasser bemerkt, als eine gemeinsame Arbeit von ihm und dem allzufrüh der Wissenschaft entrissenen Paul Günther anzusehen ist. Der Inhalt des ersten Bandes ist in acht Abschnitte geteilt, die wiederum in Capitel zerfallen. Im ersten Abschnitt, der die allgemeinen Grundlagen der Theorie enthält, wird das Existenztheorem der Integrale der homogenen linearen Differentialgleichungen nach dem Beweisverfahren des Herrn Fuchs entwickelt, woraus sich die Lage der singulären Punkte der Integrale als unabhängig von deren Anfangswerten ergiebt. Daran wird die Definition der Fundamentalsysteme, sowie das allgemeine Verhalten der Integrale bei einem beliebigen Umlauf der unabhängigen Veränderlichen geknüpft. Der zweite Abschnitt ist den formalen Theorien gewidmet; sie umfassen diejenigen Sätze, die eine Analogie mit den algebraischen Gleichungen ausdrücken, an deren Spitze der Appell'sche Satz über invariante Functionen der Integrale einer Differentialgleichung gegenüber linearen Substitutionen, dem Satze von den symmetrischen Wurzeln einer algebraischen Gleichung entsprechend, abgeleitet wird. Mit Hülfe dieser Functionen wird die Frage nach den gemeinsamen Lösungen zweier linearen Differentialgleichungen behandelt, und die Zusammensetzung eines Differentialausdrucks aus solchen erster Ordnung gezeigt, womit die Reduction der Differentialgleichung bei Kenntnis eines Integrals im Zusammenhang steht. Besonders ausführlich wird dann auf die adjungirte Gleichung von Lagrange, welche die Multiplicatoren der gegebenen Differentialgleichung liefert, eingegangen. Man findet da die bezüglichen Sätze der Herren Frobenius und Thomé, die Entwickelung der Beziehungen zwischen den adjungirten Fundamentalsystemen nach Herrn Fuchs und endlich die Ableitung des für die Bildung der zweiten Variation eines Integrals so wichtigen Satzes von Jacobi über die sich selbst adjungirten Differentialausdrücke und eines ähnlichen von Herrn Darboux über die ihren adjungirten entgegengesetzt gleichen Differentialausdrücke. Die Multiplicatoren werden für die Integration der nicht homogenen Differentialgleichungen verwendet und zum Schluss wird der Begriff der Irreductibilität algebraischer Gleichungen auf lineare Differentialgleichungen nach dem Vorgange des Herrn Frobenius übertragen. Im dritten Abschnitt entwickelt der Verfasser die Theorie der Fuchs'schen Fundamentalgleichung in eigenartiger Weise nach einer Methode, die er bereits in einer früher veröffentlichten Arbeit befolgt hat, und zwar auf Grund der Ed. Weyr'schen Behandlung des Weierstrass'schen Problems der bilinearen Formen. Die Beziehungen zwischen den Fundamentalgleichungen von Differentialgleichungen mit gemeinsamen Integralen liefern ihm wesentlich die Hülfsmittel, um ein zu einem Umlaufe gehöriges kanonisches Fundamentalsystem im Falle mehrfacher Wurzeln der Fundamentalgleichung herzustellen. Den Elementen des kanonischen Systems wird eine von der gewöhnlichen abweichende analytische Form gegeben, indem statt des sonst auftretenden Logarithmus der unabhängigen Variable \(x\) allgemeiner eine Function \(t\) eingeführt wird, die beim betrachteten Umlauf von \(x\) sich um 1 vermehrt. Die Gültigkeit einer solchen erstreckt sich auch auf den Fall, dass die Coefficienten der Differentialgleichung innerhalb des Umlaufbereichs sich nicht wie rationale Functionen verhalten. Der Verfasser wendet sich nunmehr im vierten Abschnitt dem besondern, von Herrn Fuchs behandelten und dahin charakterisirten Falle zu, dass sämtliche Integrale, mit einer bestimmten Potenz von \(x-a\) multiplicirt, falls \(x=a\) ein singulärer Punkt ist, endlich sind. Nachdem die Beschaffenheit der Coefficienten der Differentialgleichung bei \(x=a\) in diesem ausgezeichneten Falle festgestellt worden, wird nach dem Fuchs'schen Verfahren mit rein algebraischen Hülfsmitteln ein kanonisches Fundamentalsystem hergestellt, und der Beweis der Convergenz der in den Ausdrücken für die Integrale auftretenden Reihen nach der von Herrn Frobenius angewandten Methode geführt. Unter Berücksichtigung der bezüglichen Untersuchungen des Herrn Heffter wie der eigenen des Verfassers wird das Kriterium für die Existenz eines in Reihenform darstellbaren Integrals, welches zu einer Wurzel der ``determinirenden Fundamentalgleichung'' gehört, sowie die Bedingung für das Nichtauftreten der Logarithmen in sämtlichen integralen entwickelt, und im Anschluss daran die Frage nach den ausserwesentlichen singulären Stellen der Differentialgleichung erledigt. Das letzte Capitel dieses Abschnittes behandelt die nicht homogene Differentialgleichung sowie den Fall, dass die Coefficienten der homogenen Differentialgleichung den Charakter algebraischer Functionen bei \(x=a\) besitzen. Im fünften Abschnitt werden die Differentialgleichungen der Fuchs'schen Klasse betrachtet, deren Integrale in der ganzen Ebene der \(x\) den Charakter der Bestimmtheit haben. Nach Feststellung der Form der Differentialgleichung wird der elegante Reihenalgorithmus, wie er für diesen Fall durch die Arbeiten der Herren Frobenius, Seiffert, Heffter und Schafheitlin ausgebildet ist, dargestellt, und ferner die für die Frage der Fortsetzung der Integrale so wichtige Untersuchung der Bedingungen der Convergenz der Potenzreihen auf dem Convergenzkreise selbst nach dem Verfahren des Herrn Thomé ausgeführt. Anwendungen auf die Gauss-Riemann'schen Differentialgleichungen beschliessen diesen Abschnitt. Gegenstand des folgenden sind die Entwickelungen der Integrale innerhalb eines Kreisrings unter der allgemeinen Voraussetzung, dass die Coefficienten der Differentialgleichung in Reihen nach ganzen Potenzen von \(x\) entwickelbar sind, wobei sowohl die positiven als die negativen Potenzen in unendlicher Anzahl vorkommen können. Zunächst wird die Koch'sche Darstellung der Reihen sowie der Fundamentalgleichung in Form unendlicher Determinanten mit den erforderlichen von Herrn Poincaré zuerst gegebenen Beweisen für die Gültigkeit der Rechnung mit solchen Determinanten auseinandergesetzt, und die Natur der Abhängigkeit der Coefficienten der Fundamentalgleichung von den Parametern der Differentialgleichung untersucht. Betrachtet man dabei die singulären Stellen als fest, so ergeben sich die Coefficienten als ganze transcendente Functionen der Parameter. Es folgt dann die Entwickelungsmethode des Referenten mit der daran angebrachten Modification der Herren Poincaré und Mittag-Leffler. Darauf wird der Fall in Betracht gezogen, dass nur einige Integrale sich an einer singulären Stelle bestimmt verhalten, und im Falle der Unbestimmtheit die Integration durch ``Normalreihen'' nach der Bezeichnung des Herrn Thomé, der sie zuerst eingeführt, an dem Falle dargelegt, wo \(x=\infty\) der einzige singuläre Punkt, die allgemeine Lösung also eine ganze transcendente Function ist. Hierbei werden auch die daran geknüpften Poincaré'schen Untersuchungen über das Verhalten der Lösungen in der Nähe von \(x=\infty\) herangezogen. Im siebenten Abschnitte geht der Verfasser zu den allgemeingültigen Darstellungen der Integrale von Differentialgleichungen mit rationalen Coefficienten über. Zunächst wird die von Herrn Fuchs durch ein Approximativverfahren erhaltene Reihe entwickelt, die für alle nicht singulären Punkte convergirt, und die Ausdrücke der einzelnen Glieder der Reihe, die durch iterirte Integration rationaler Functionen entstehen, werden dazu benutzt, die Art der Abhängigkeit der Integrale und, insofern der Integrationsweg ein geschlossener ist, der Substitutionscoefficienten von den Parametern der Differentialgleichung zu ermitteln. Als Beispiel hierzu dient die P. Günther'sche Bestimmung der Coefficienten der zu einem Kreisring gehörigen Fundamentalgleichung für Differentialgleichungen zweiter Ordnung, aus der sich ergiebt, dass sich die Coefficienten als beständig convergente Potenzreihen der oben erwähnten Parameter darstellen mit Coefficienten, welche Summen unendlich vieler rationaler Functionen der singulären Stellen sind. Sehr ausführlich wird auf die Laplace'sche Transformation eingegangen; die Eigenschaften der Laplace'schen Transformirten, die auf zwei Wegen hergeleitet wird, werden entwickelt und u. a. dazu benutzt, um die von Herrn Poincaré gegebenen asymnptotischen Darstellungen der Integrale mittels divergenter Normalreihen abzuleiten. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit der Fortsetzung eines Fundamentalsystems und den Substitutionen, die den Uebergang der zu den einzelnen singulären Punkten gehörigen Systeme zu einander vermitteln. Für den Fall, dass die Convergenzkreise nicht in einander übergreifen, werden die Thomé'sche Abbildung durch eine lineare Function und auch gewisse allgemeinere Abbildungen angewandt. Im Mittelpunkte steht hier natürlich die Fuchs'sche Methode der Berechnung der Uebergangssubstitutionen. Es wird ferner nach Poincaré gezeigt, wie man das System sämtlicher Substitutionen, die Gruppe der Differentialgleichung, durch eine bestimmte Anzahl von Invarianten, ``Fundamentalinvarianten'', charakterisiren kann. Die Berechnung derselben wird nach dem von Herrn Vogt angewandten Verfahren für eine Differentialgleichung zweiter Ordnung ausgeführt, und die Coefficienten der Fundamentalsubstitutionen werden als mehrdeutige Functionen der Fundamentalinvarianten bestimmt. Alsdann werden Invariantensysteme angegeben, die eine eindeutige Bestimmung der Fundamentalsubstitutionen liefern. Den Beschluss bildet die Berechnung der Uebergangssubstitutionen für die Gauss'sche Differentialgleichung.
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