Philosophie der Arithmetik. Psychologische und logische Untersuchungen. I. Band. (Q1531601)
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scientific article; zbMATH DE number 2686875
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| English | Philosophie der Arithmetik. Psychologische und logische Untersuchungen. I. Band. |
scientific article; zbMATH DE number 2686875 |
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Philosophie der Arithmetik. Psychologische und logische Untersuchungen. I. Band. (English)
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1891
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Herr Husserl stellt im I. Bande seiner Philosophie der Arithmetik durch eine erschöpfende Analyse des Anzahlbegriffs den Sinn der Zahlenaussage fest und weist nach, wie wir in der Mehrzahl der Fälle nicht auf directe, an den Gegenständen geübte, sondern auf indirecte, auf Zeichen beruhende symbolische Zahlenbildung angewiesen sind, und wie aus dieser Thatsache die Notwendigkeit der Ausbildung einer arithmetischen Wissenchaft mit ihren verschiedenen Operationskreisen hervorgeht. Die Analyse des Anzahlbegriffs führt durch die Analyse der Begriffe Vielheit, Etwas, Einheit, Gleichviel, Mehr und Weniger. Die Vielheit ist ein Ganzes, dessen Teile durch collective Verbindungen geeinigt sind. Die collective Verbindung ist eine eigene, nicht aus dem Bewusstsein im allgemeinen oder aus der Zeit- oder Raumform oder aus der leeren Form der Verschiedenheit abzuleitende Relation, die in gewissen psychischen Acten, welche die Inhalte einigend umschliessen, ihren Bestand hat, und deren sprachlicher Ausdruck die Conjunction ``und'' ist. Durch Reflexion auf den psychischen Act, welcher die Einheit der zum Begriffe verbundenen Inhalte bewirkt, erlangen wir die abstracte Vorstellung der collectiven Verbindung, und vermittelst dieser bilden wir den Begriff der Vielheit als den eines Ganzen, das Teile in bloss collectiver Weise verbindet. Der Begriff der Vielheit enthält mit und in dem Begriff der collectiven Verbindung auch den durch eine Abstraction, deren Hauptinteresse auf die collective Verbindung gerichtet ist, gewonnenen Begriff eines Etwas. Der allgemeine Begriff der Anzahl entsteht aus dem Begriffe der Vielheit durch Unterscheidung der abstracten Vielheitsformen. Er ist der Gattungsbegriff, der aus der Vergleichung der von einander bereits unterschiedenen bestimmten Vielheitsformen oder Zahlen, als der Speciesbegriffe, entsteht. Der Begriff der Aequivalenz oder Gleichzahligkeit leistet für die Analyse des Zahlbegriffs nichts. Die Zahlenaussage bezieht sich nicht auf den Begriff der gezählten Gegenstände, sondern auf deren Inbegriff. Die Entstehung der natürlichen Zahlenreihe und der Ausbau eines Zahlensystems beruht auf dem Begriff der symbolischen Vorstellungen und Operationen. Alles Operiren, was über die allerersten Zahlen hinausreicht, ist nur ein symbolisches Operiren mit symbolischen Vorstellungen. Diese Thatsache zwingt zur Ausbildung des Zahlengebietes in Form eines Zahlsystems mit Herausgreifung einer symbolischen Bildung, der die systematische Stelle gegeben wird, und mit der Reduction aller andern Zahlformen auf diese durch die arithmetischen Operationen. -- Husserl's Untersuchungen bezeichnen sich bescheiden als eine Vorbereitung zu einer systematischen Philosophie der Arithmetik. Der Verfasser schreitet aber in so klarer, verständiger und geduldiger Einzelforschung und in so sorgfältiger Kritik der vorhandenen Theorien und Meinungen von Problem zu Problem, dass in seinen Untersuchungen weitaus das Beste vorliegen möchte, was seit langer Zeit über die Grundlagen der Arithmetik geschrieben ist.
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