Theorie der biquadratischen Formen. (Q1532864)
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scientific article; zbMATH DE number 2689349
| Language | Label | Description | Also known as |
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| English | Theorie der biquadratischen Formen. |
scientific article; zbMATH DE number 2689349 |
Statements
Theorie der biquadratischen Formen. (English)
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1890
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Unter einer ``biquadratischen'' Form \(F\) wird hier eine doppelt binär-quadratische verstanden, deren zwei Variabelnreihen \(x,x_1\); \(y,y_1\) unabhängigen linearen Substitutionen unterworfen werden. Solche biquadratischen Formen resp. Gleichungen spielen in der Theorie der elliptischen Functionen eine wichtige Rolle: zwischen zwei elliptischen Functionen zweiten Grades mit denselben Perioden besteht eine biquadratische Relation. Es sind denn auch gewisse Fragen aus dieser letzteren Theorie gewesen, welche den Verf. veranlasst haben, die biquadratischen Formen invariantentheoretisch genauer zu untersuchen. Ist \[ F=(Ax^2+2Bxx_1+Cx^2_1)y^2+2(A'x^2+2B'xx_1+C'x^2_1)yy_1 +(A''x^2+2B''xx_1+C''x^2_1)y^2_1, \] und führt man vier quaternäre Variabeln ein: \[ xy=p, \quad x_1y=q, \quad xy_1=r, \quad x_1y_1=s, \] so ist die quadratische Form: \[ \begin{aligned} G & =(Ap+Bq+A'r+B's)p+(Bp+Cq+B'r+C's)q\\ & +(A'p+B'q+A''r+B''s)r +(B'p+C'q+B''r+C''s)s\end{aligned} \] als eine Covariante von \(F\) zu bezeichnen. Denn geht \(F\) vermöge zweier Substitutionen \((S)\), \((T)\) der \((x)\), \((y)\) in \(F_0\) über, so geht auch \(G\) in die genau entsprechende Form \(G_0\) über vermöge einer linearen Substitution \(U\) der \(p,q,r,s,\) welche die Folge von \((S)\) \((T)\) ist. Eine zweite Covariante in den Variabeln \(p,q,r,s\) ist die Form \(H=ps-qr\). Der Kern der Theorie liegt nun in der Schar quadratischer Formen \(G+\lambda H\) und deren Determinante \(R_2(\lambda)\), welche die ``charakteristische Function'' von \(F\) heisst. Der Verf. reproducirt zunächst den Beweis des Cayley'schen Satzes, dass die Coefficienten \(s,t,u\) von \(R_2(\lambda)=\lambda^4-6\lambda^2s+4\lambda t+u\) fundamentale Invarianten von \(f\) sind; weiter aber beweist er den ebenfalls von Cayley stammenden Satz, dass die bezüglich \(y\) resp. \(x\) gebildeten Discriminanten von \(F\), \(R(x)\) und \(R_1(y)\) gleiche Invarianten \(g_2,g_3\) haben, in der erweiterten Fassung, dass diese Invarianten \(g_2,g_3\) auch diejenigen der Form \(R_2(\lambda)\) sind. Das Princip des Beweises ist nach Cayley, \(F\) mit Hülfe einer Wurzel der Gleichung \(R_2(\lambda)=0\) zu einer symmetrischen Form zu machen, für welche dann \(R(x)\) und \(R_1(y)\) gleiche Coefficienten erhalten. Für die Gleichheit der Invarianten von \(R(x)\) und \(R_1(y)\) (vgl. auch die symbolischen Beweise von Zeuthen und Capelli, F. d. M. XI. 1879. 91-95, JFM 11.0091.01; JFM 11.0095.01) giebt der Verf. noch drei weitere Nachweise, zwei algebraische und einen letzten mittels der Theorie der elliptischen Functionen. Der erstere unter den zwei algebraischen ist in so fern bemerkenswert, als er nur rationale Operationen verlangt und darauf beruht, dass man einmal nur die \(x\), das andere Mal nur die \(y\) für sich transformirt. Der zweite Beweis dagegen deckt noch weitere Beziehungen zwischen den Formen \(R\) und \(R_1\) auf. Verschwindet nämlich \(R_1\) identisch, ist also \(g_2=g_3=0\), würde allein nur daraus folgen, dass \(R\) einen dreifachen Linearfactor besitzt; in Wirklichkeit ist aber \(R\) die vierte Potenz einer Linearfunction. Desgleichen bestehen noch nähere Beziehungen zwischen den drei Formen \(R,R_1,R_2,\) die ebenfalls durch blosses Gleichsetzen von Invarianten nicht ausdrückbar sind. Der Verfasser wendet sich nunmehr zur Aufstellung der notwendigen und hinreichenden Bedingung dafür, dass \(R(x)\) und \(R_1(y)\) äquivalent sind, damit \(F(x,y)\) in eine symmetrische Form transformirt werden kann. Das Kriterium für die Aequivalenz von \(R\) und \(R_1\) drückt sich indirect einfach dahin aus, dass \(R_2\) als charakteristische Determinante einer Formenschar, einen linearen Elementarteiler hat. Es werden aber auch directe Kriterien aufgestellt, die sich darauf stützen, dass zwei binäre Formen vierter Ordnung mit den Coefficienten \(a\) resp. \(b\) dann und nur dann äquivalent sind, wenn ihre charakteristischen Determinanten: \[ \varphi(\lambda)=\left|\begin{matrix}\l\quad & \l\quad & \l\\ a_0 & a_1 & a_2-2\lambda \\ a_1 & a_2+\lambda & a_3 \\ a_2-2\lambda & a_3 & a_4 \end{matrix}\right|, \quad \psi(\lambda)=\left|\begin{matrix}\l\quad & \l\quad & \l\\ b_0 & b_1 & b_2-2\lambda \\ b_1 & b_2+\lambda & b_3 \\ b_2-2\lambda & b_3 & b_4 \end{matrix}\right| \] in den Elementarteilern übereinstimmen. Diese Kriterien bilden die Grundlage für den wesentlichsten Teil der Untersuchung. Es soll die Form \(F\) rückwärts aus ihren Covarianten \(R(x)\), \(R_1(y)\) bestimmt werden, oder genauer, man soll alle Formen \(F\) ermitteln, für welche \(R(x)\) und \(R_1(y)\) gegebene Functionen sind. Hierbei sind zugleich sämtliche Ausnahmefälle mit zu berücksichtigen. Um hier nur den ``allgemeinen'' Fall zu erwähnen, wo \(R\) und \(R_1\) keinen quadratischen Teiler gemein haben, so führt die Aufgabe auf zweifach unendlich viele Lösungen \(F\); sind ausserdem noch die Werte der Invarianten \(s\), \(t\) gegeben, auf vier Lösungen. Es wird nicht nur eine explicite Formel für sämtliche \(F\) gegeben, sondern auch gezeigt, wie sich aus einer Particularlösung alle übrigen ableiten lassen. Das Problem wird übrigens in einer gewissen Verallgemeinerung durchsichtiger; es soll eine triquadratische Function \(f(x,y,z)\) derart gefunden werden, dass ihre Determinanten bezüglich \(x,y,z\) gleich den Producten \(R_1R_2\), \(R_2R\), \(RR_1\) sind, wo \(R(x)\), \(R_1(y)\), \(R_2(z)\) gegebene Functionen vierter Ordnung mit gleichen Invarianten sind. Eine unmittelbare Folgerung hieraus ist die Feststellung des Aequivalenzkriteriums für zwei biquadratische Formen. Dasselbe erhält wiederum die einfachste Fassung mit Hülfe des Elementarteilerbegriffs: ``Damit zwei biquadratische Formen äquivalent seien, ist notwendig und hinreichend, dass ihre charakteristischen Determinanten in den Elementarteilern übereinstimmen.'' Den symmetrischen Formen \(F\) wird noch eine specialle Untersuchung zu Teil. Es ist zu betonen, dass es Ausnahmefälle giebt, in denen die blosse Uebereinstimmung der Coefficienten von \(R\) und \(R_1\) die Symmetrie von \(F\) nicht notwendig zur Folge hat. Eine symmetrische Form \(F\) besitzt eine lineare Invariante; ist dieselbe für zwei solche Formen \(F\) die nämliche, und sind die letzteren äquivalent hinsichtlich unabhängiger Substitutionen der \((x)\), \((y)\), so sind sie es auch hinsichtlich identischer Substitutionen der \((x)\), \((y)\). Zum Schlusse macht der Verfasser Anwendungen auf die Theorie der elliptischen Functionen. Beispielsweise kann man das allgemeine Integral der elliptischen Differentialgleichung in einer kanonischen Gestalt hinschreiben, wenn \(F=0\) ein particuläres Integral ist.
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