Ueber den Durchgang des Lichtes durch eine planparallele Schicht eines circularpolarisirenden Mediums. (Q1544560)

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scientific article; zbMATH DE number 2702865
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    Ueber den Durchgang des Lichtes durch eine planparallele Schicht eines circularpolarisirenden Mediums.
    scientific article; zbMATH DE number 2702865

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      Ueber den Durchgang des Lichtes durch eine planparallele Schicht eines circularpolarisirenden Mediums. (English)
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      1883
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      Für den Phasenunterschied, den eine Welle nach dem Durchgang durch eine planparallele Platte gegenüber einer frei fortgepflanzten Welle besitzt, wird in den meisten Lehrbüchern eine unrichtige Formel angegeben. Es wird nämlich bei der Ableitung jener Formel nicht beachtet, dass innerhalb der Platte wiederholte Reflexionen stattfinden, und dass daher die austretende Welle aus Teilen, welche verschieden oft die Platte passirt haben, zusammengesetzt ist. In der ersten der im Titel genannten Arbeiten (JFM 16.0913.01) entwickelt Herr Voigt die richtige Formel für eine isotrope Platte folgendermassen: Wird die Platte von den Ebenen \(z = 0\) und \(z = l\) begrenzt, ist ferner die \(xz\)-Ebene die Einfallsebene, so sei die Verschiebungscomponente der einfallenden Welle normal zur Einfallsebene \[ v_e=E_s\sin \frac{1}{\tau} \left( t-\frac{\alpha x+\gamma z}{\omega} \right). \] Die Verschiebungscomponente der an der Fläche \(z = 0\) reflectirten Welle wird dann die Form haben: \[ v_r=R_s'\sin \frac{1}{\tau} \left( t-\frac{ \alpha x-\gamma z}{\omega} \right) + R_s''\cos \frac{1}{\tau} \left( t-\frac{\alpha x-\gamma z}{\omega} \right)\cdot \] Der zweite Summand von \(v_r\) stellt den Einfluss der wiederholten Reflexionen im Innern der Platte dar; derselbe würde ohne diese Reflexionen verschwinden. Von analoger Form ist die Schwingungscomponente \(v_1\) der an der Fläche \(z = 0\) gebrochenen, desgleichen die Componenten \(v_2\) und \(v_d\) der an \(z = l\) reflectirten, resp. gebrochenen Welle. Auf jedes Flächenelement der Ebenen \(z = 0\) und \(z = l\) werden dann die Neumann'schen Grenzbedingungen angewandt, aus denen sich die Coefficienten von \(v_r,v_1,v_2,v_d\) ergeben. Aus dem Ausdruck für \(v_d\) folgt unmittelbar die Phasendifferenz \(\varDelta_s\) zwischen zwei an den beiden Grenzflächen, und zwar an derselben Normale gelegenen Stellen. Wird die Platte beiderseits von demselben Medium begrenzt, so ist \[ \text{tg }\varDelta_s= \frac{\alpha^2\gamma^2+\alpha_1^2 \gamma_1^2}{2\alpha \gamma \alpha_1 \gamma_1} \text{ tg } \left( \frac{\gamma_1 l}{\tau\omega_1} \right), \] wo \(\alpha\) und \(\gamma\) Sinus und Cosinus des Einfallswinkels, \(\alpha_1\) und \(\gamma_1\) Sinus und Cosinus des Brechungswinkels in der Platte, \(\omega\) und \(\omega_1\) die Fortpflanzungsgeschwindigkeiten ausserhalb und innerhalb der Platte sind. Für die Schwingungen in der Einfallsebene ergiebt sich durch analoge Betrachtungen für dieselbe Phasendifferenz \[ \text{ tg }\varDelta_p = \frac{\alpha^2\gamma_1^2+ \gamma^2\alpha_1^2}{2\alpha \gamma \alpha_1 \gamma_1} \text{ tg } \left( \frac{\gamma_1 l}{\tau\omega_1} \right) \cdot \] Der Unterschied der Phase der durch die Platte fortgepflanzten Welle gegen die frei fortgepflanzte Welle ist nun \[ \varDelta=\varDelta_s-\frac{l\gamma}{\tau\omega}, \text{ resp. } \varDelta=\varDelta_p-\frac{l\gamma}{\tau\omega}, \] je nachdem das Licht senkrecht zur Einfallsebene oder parallel derselben polarisirt ist. Für senkrechten Einfall werden beide Formeln identisch und ergeben, falls \(n\) der Brechungsindex der Platte ist, \[ \varDelta=\text{ arctg } \left[ \frac{n^2+1}{2n} \text{ tg } \left( \frac{l}{\tau\omega_1} \right) \right] - \frac{l}{\tau\omega}, \] während nach der alten (unrichtigen) Formel \[ \varDelta=\frac{l}{\tau} \left( \frac{1}{\omega_1} - \frac{1}{\omega} \right) = \frac{2\pi l}{\lambda} (n-1) \] sein müsste. Durch numerische Rechnung wird der Unterschied beider Formeln erläutert. Sodann werden die obigen Betrachtungen auf die Theorie des Jamin'schen und des Babinet'schen Compensators ausgedehnt, und es werden die Fehler erörtert, die bei Messungen mit diesen Apparaten aus der Anwendung der alten Formel entstehen können. Bei hinreichender Dicke der Platten werden diese Fehler allerdings unmerklich. In der zweiten Arbeit werden die vorstehenden Betrachtungen auf den Fall ausgedehnt, dass die Platte aus einem circularpolarisirenden Medium besteht. Als Grenzbedingungen dienen hier die in einer früheren Arbeit (cf. das vorhergehende Referat, JFM 16.0912.01) abgeleiteten, und zwar unter einer vereinfachenden Voraussetzung, wonach für die Verschiebung normal zur Grenze keine Abweichung von der Neumann'schen Formel eintritt. Zur Berechnung der Coefflcienten der oben mit \(v_r, v_1, v_d\) bezeichneten Grössen ergeben sich dann 16 Gleichungen mit 16 Unbekannten. Von diesen werden hier nur die Amplituden der durch die Platte hindurchgegangenen Welle wirklich berechnet, wobei von dem Richtungsunterschied der Normalen der beiden circularpolarisirten Wellen abstrahirt wird. Von den Resultaten ist besonders bemerkenswert das folgende, auf den senkrechten Einfall bezügliche. Fällt linear polarisirtes Licht senkrecht auf die Platte, so ergiebt sich für den Drehungswinkel der Polarisationsebene der durch die Platte gegangenen Welle derselbe Wert, mag man die Welle als nur einmal die Platte passirend denken, oder mag man die inneren Reflexionen berücksichtigen. Die letzteren sind also ohne Einfluss, was sich daraus erklärt, dass die circular schwingenden Wellen bei der Rotation ihre absolute Rotationsrichtung nicht ändern und somit die rechts rotirende Welle an der zweiten Fläche links rotirend reflectirt wird und umgekehrt. Beide Wellen verlieren daher beim Rückgang nach der ersten Grenze den Gangunterschied, den sie bei dem Hergang gewonnen hatten, und beginnen zum zweiten Male ihren Weg von der ersten Grenze mit demselben Gangunterschied, den sie beim Eintritt in die Platte besassen.
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