Ueber Parallelen geschlossener Curven. (Q1551942)

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scientific article; zbMATH DE number 2708646
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    Ueber Parallelen geschlossener Curven.
    scientific article; zbMATH DE number 2708646

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      Ueber Parallelen geschlossener Curven. (English)
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      1880
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      Der Herr Verfasser hat die von ihm in einer Reihe von Abhandlungen (Grunert Arch. LV. 77-104, LVI. 41-84, LX. 376-400 über die Curventheorie und LIX. 225-322 über die Flächentheorie - Referate F. d. M. VI. 453, VIII. 479, IX. 516 [JFM 06.0453.03, JFM 08.0479.02, JFM 09.0516.01]) gegebenen Untersuchungen zu einem Werke verbunden, welches in knapper und präciser Darstellung die Fundamente der analytischen Geometrie vereinigt (JFM 12.0582.01). Da die einzelnen Theile des Werkes bereits besprochen sind, so möge hier nur auf die Grundauffassung des Verfassers hingewiesen werden, welche dem Werke ein eigenartiges Gepräge aufdrückt. Als Aufgabe der analytischen Geometrie wird bezeichnet, diejenigen Organe der geometrischen Forschung zu schaffen, welche bei aller weiteren Untersuchung nothwendig sind. Dass dies auf dem Wege der Rechnung geschieht, ist principiell nicht entscheidend. Aber die Rechnung ist das unersetzliche Mittel, die Identität von Problemen, den erreichten Standpunkt in deren Lösung klar zu stellen und die Resultate zur allgemeinsten Verwendung tauglich zu machen. Der Herr Verfasser schliesst eine Theorie der algebraischen Gebilde als solcher aus, da sie nicht das Wesen der analytischen Geometrie treffen, sondern nur eine Anwendung der allgemeinen Theorie sind. Der Verfasser geht in der Curventheorie nach Feststellung der ersten Grundlagen, welche der Elementargeometrie entnommen sind, direct von drei Dimensionen aus, lässt also der Theorie der Raumcurven nicht erst eine solche der ebenen Curven vorhergehen, weil es erstens im Wesen der analytischen Methode liegt, vom Allgemeinen auszugehen, und weil zweitens der Wegfall einer Dimension in theoretischer Hinsicht nicht zu Vereinfachungen, sondern zu Complicationen führt. Denn wegen der Vertauschbarkeit hat man es wesentlich nur mit einer Dimension zu thun, was bei Beschränkung auf zwei Dimensionen nicht so evident und fruchtbringend ist. Die speciellen Eigenthümlichkeiten der Curventheorie des Verfassers sind in den früheren Berichten bereits eingehender besprochen. Dem Werke ist als Einleitung eine kurz gefasste Theorie der Determinanten vorausgeschickt. Die beiden oben genannten Abhandlungen (siehe auch JFM 12.0582.02) enthalten die eingehendere Behandlung einiger specieller Abschnitte der Curventheorie. Der Verfasser versteht unter der specifischen Gleichung einer Curve oder Curvenclasse die Relation zwischen dem Krümmungsund dem Torsionswinkel \[ F(\tau, \vartheta) = 0, \] d. h. zwischen denjenigen Variablen, deren Differentiale \(d\tau\) und \(d\vartheta\) die Contingenzwinkel der Normalebene bezw. der Schmiegungsebene sind. Durch sie ist die Natur der Curve, soweit sie von der Lage und vom Bogenelement unabhängig besteht, vollständig bestimmt. Durch die Integration dieser specifischen Gleichung erhält man drei willkürliche Constante, welche die Stellung der Curve gegen die Coordinatenaxe bestimmen. Ganz unabhängig davon kann das Bogenelement als Function der unabhängigen Variablen gegeben werden, und alsdann ergeben sich durch drei einfache Quadraturen die Coordinaten eines laufenden Punktes für eine specielle Curve, welche also mit allen nur durch die Wahl des Bogenelementes davon unterschiedenen Curven eine Classe bildet. Diejenigen Relationen, bei welchen es auf das Bogenelement nicht ankommt, nennt der Verfasser innere, und nur mit solchen inneren Relationen beschäftigt sich die in zweiter Linie genannte Abhandlung, so dass, was von einer Curve ausgesprochen wird, der ganzen Classe zukommt. Wählt man als Urvariable den Krümmungswinkel \(\tau\), bezeichnet mit \(f\), \(g\), \(h\) die Richtungscosinus der Tangente, so dass \(f'\), \(g'\), \(h'\) diejenigen der Hauptnormale sind, nennt man endlich diejenigen der Binormale \(l\), \(m\), \(n\) und bestimmt sie so, dass die Determinante \[ \left| \begin{matrix} f & f' & l \\ g & g' & m \\ h & h' & n \end{matrix} \right| = + 1 \] ist, so kann man die Gleichung \[ f^2 + f^{\prime 2} + l^2 = 1 \] zerlegen in \[ f \cos \mu + f' \sin \mu = 1 \] \[ f \sin \mu - f' \cos \mu = il, \] wo \(\mu\) eine complexe Variable bedeutet. Hieraus leitet man durch die Substitution \(\text{tg} \frac{\mu}{2} = \frac{2r'}{r}\) die Gleichung \[ r'' + i \vartheta ' r' + \frac 14 r = 0 \] ab, welche der Verfasser als die Differentialgleichung der Curve schlechthin bezeichnet. Der Coefficient \(\vartheta '\) in dieser Gleichung ist gegeben, wenn die specifische Gleichung der Curve gegeben ist. Jeder Lösung \(r\) der Differentialgleichung entspricht eine zweite \(q\), welche conjugirt zu \(q_1 = r' e^{i\vartheta}\) ist. Das vollständige Integral ist \(Aq + Br\) und seine Constanten sind dann den Bedingungen gemäss zu bestimmen, welche die neun Richtungscosinus verbinden. Die Auflösung dieser Differentialgleichung und die Bestimmung der Curve durch dieselbe bildet nun den ersten Theil der Arbeit. Die allgemeine Methode wird dann auf einige besonders einfache Fälle angewandt. Es ergeben sich durch Betrachtung der vom Verfasser als begleitende Curven bezeichneten Gebilde ganze Reihen von Curven mit vollständig lösbaren specifischen Gleichungen. Namentlich zeigen sich interessante Beziehungen zwischen linear tordirten Curven, d. h. solchen, deren specifische Gleichung linear ist: \[ \vartheta \cos \lambda - \tau \sin \lambda = 0, \quad (\lambda \text{ constant}) \] und cyclisch tordirten, d. h. solchen mit der Gleichung \[ \vartheta^2 + \tau^2 = \text{ctg}\lambda^2, \quad (\lambda \text{ constant}). \] Es zeigt sich z. B., dass eine linear tordirte Curve zur Evolute eine cyclisch tordirte hat. Die zuletzt genannte Abhandlung behandelt die Parallelen geschlossener Curven. Unter Beibehaltung der obigen Bezeichnung sind die Gleichungen einer Curve, welche zur Curve \(s\) im Abstande \(c\) parallel ist, wenn \(x\), \(y\), \(z\) die laufenden Coordinaten der Curve \(s\) sind: \[ x_1 = x+ c(f' \cos \vartheta - l \sin \vartheta), \] nebst den analogen. Statt \(\vartheta\) darf auch gesetzt werden \((\vartheta + k)\), da \(\vartheta\) nur bis auf eine additive Constante bestimmt ist. Ist nun \(s\) geschlossen, und entspricht dem Punkte \(L\) als Anfangspunkte auf der Parallelen \(M\), als Endpunkt \(N\), dann sind \(x\), \(y\), \(z\) und die neun Richtungscosinus der Tangente, der Hauptnormale und der Binormale periodisch, dagegen die durch Integrale definirten \(s\), \(\tau\), \(\vartheta\) im Allgemeinen nicht. Es ist deshalb nicht nöthig, dass \(N\) mit \(M\) zusammenfalle, oder dass die Parallelen einer geschlossenen Raumcurve selbst geschlossen seien. Sollen sie geschlossen sein, so muss, wenn wir den Anfangswerth und den Endwerth von \(\vartheta\) mit \(\vartheta_0\) und \(\vartheta_0 + \alpha\) bezeichnen, \(\alpha\) entweder Null sein oder zu \(4R\) in einem rationalen Verhältnis stehen. Ist \(\alpha = 0\), so umwindet die Parallele die Urcurve gat nicht, ist \(\alpha = \pm 4R\), so umwindet sie dieselbe einmal im einen oder anderen Sinne, und so fort. Ist \(\alpha = \pm \frac pq 4R\), so umwindet die Parallele die Urcurve bei \(q\) Umläufen um die letztere \(p\)-mal im positiven oder negativen Sinne. Deformirt man eine Curve \(s\), für welche dies der Fall ist, so dass die Curve \(s\) sowohl wie ihre Parallelen geschlossen bleiben, so bleibt \(\alpha\) stets \(= \pm \frac pq\cdot 4R\), weil bei einer unendlich kleinen stetigen Deformation \(q\) unverändert bleiben muss, also \(\varDelta \alpha = 0\) ist. So wird z. B. eine ebene Curve, deren Parallele geschlossen ist, wenn sie so deformirt wird, dass Urcurve und Parallele geschlossen bleiben, stets in eine Curve übergehen, für welche \(\alpha=0\), also \(\vartheta\) periodisch ist. Ein Beispiel einer Curve, für welche \(\alpha\) nicht Null ist, ist \[ \begin{aligned} x & = (\mu a - b\cos \mu \varphi) \cos \varphi\\ y & = (\mu a - b\cos \mu\varphi) \sin \varphi\\ z & = b\sin \mu\varphi,\end{aligned} \] wo \(\mu\) eine ganze Zahl (oder auch eine rationale Zahl) ist. Der Verfasser weist nach, dass eine solche Curve nicht nothwendig geschlossene Parallelen zu haben braucht. Um einen näheren Einblick zu gewinnen, wird nun der Einfluss einer unendlich kleinen Deformation einer Curve auf den Torsionswinkel genauer untersucht. Es zeigt sich, dass eine Deformation eines unendlich kleinen Stücks eines Kreises bei beständig festgehaltener Stetigkeit der Tangente der Schmiegungsebene und der Torsion eine äusserst kleine Aenderung \(15^{\text{ter}}\) Ordnung im Torsionswinkel zur Folge hat, so dass eine Parallele äusserst wenig deformirt wird. Wesentlich grösser wird der Einfluss der Deformation, nämlich von der neunten Ordnung, wenn man von einer beliebigen Raumcurve ausgeht.
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