Die Breslauer geometrische Schule, ein Beitrag zur Rassenfrage in der Mathematik. (Q2590217)

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scientific article; zbMATH DE number 2509639
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    Die Breslauer geometrische Schule, ein Beitrag zur Rassenfrage in der Mathematik.
    scientific article; zbMATH DE number 2509639

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      Die Breslauer geometrische Schule, ein Beitrag zur Rassenfrage in der Mathematik. (English)
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      1939
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      In diesem Vortrag vor dem ersten deutschen Mathematikerlager (Uetzdorf i. d. Mark, 1.-4. 7.1938) berichtet Verf. über eine Mannschaftsarbeit von Studierenden der Universität Breslau, die die Breslauer geometrische Schule zum Gegenstand hat. Diese ist durch \textit{Heinrich Schröter} (1829-1892, ordentlichen Professor in Breslau von 1861 bis zu seinem Tode), der sich um die Weiterentwicklung der synthetischen Geometrie \textit{Steiner}s große Verdienste erworben hat, begründet und vor allem durch seine Schüler \textit{Rudolf Sturm} (1841-1919, den Nachfolger \textit{Schröter}s auf dem Breslauer Lehrstuhl) und \textit{Jacob Rosanes} (1842-1922, als ordentlicher Professor von 1876 bis zu seiner Emeritierung 1911 in Breslau wirkend) fortgeführt worden. Das Arbeitsgebiet \textit{Sturm}s ist die synthetische Geometrie im Steiner-Schröterschen Sinn, dasjenige von \textit{Rosanes} projektive und algebraische Geometrie. In der Arbeit sollte -- in Hinblick auf die insbesondere von \textit{Bieberbach} vertretene Auffassung von der rassischen Bedingtheit des mathematischen Schaffens -- gezeigt daß der gegen diese Auffassung erhobene Einwand, stärker als die Rasse seien äußere Einflüsse: die mathematische Schule und der Zeitgeschmack, an der Breslauer geometrischen Schule nicht zutreffe. Dort liegt nämlich ein Beispiel von Mathematikern von ausgeprägter Rasseverschiedenheit, \textit{Schröter} und \textit{Sturm} auf der einen, \textit{Rosanes} auf der anderen Seite, vor, die aus derselben Schule hervorgegangen sind und am gleichen Ort und zur gleichen Zeit dasselbe Arbeitsgebiet gepflegt haben. Aus der Durcharbeitung und vergleichenden Gegenüberstellung der Veröffentlichungen von \textit{Schröter} und \textit{Rosanes} haben die Bearbeiter, wie Verf. hier ausführt, entnommen, daß das mathematische Schaffen der beiden Männer wesentlich verschiedene Züge aufweise, und daß dies seinen Grund in der Verschiedenheit der mathematischen Begabung habe, die bei \textit{Schröter} im Vermögen der räumlichen Anschauung, bei \textit{Rosanes} in der formal-rechnerischen Fähigkeit ihre überwiegende Komponente besitze. \textit{Schröter} sei ein ausgesprochener synthetischer Geometer, \textit{Rosanes} dagegen Geometer nur insofern gewesen, als er seine Fragestellungen der Geometrie entnommen oder sie in ein geometrisches Gewand gekleidet habe; der Invariantentheorie habe seine besondere Vorliebe gegolten. Daß aber aus \textit{Schröter}s Lehrtätigkeit nicht nur Invariantentheoretiker, sondern auch kraftvolle synthetische Geometer hervorgegangen sind, das sehe man an \textit{Sturm}, der etwa gleichzeitig mit \textit{Rosanes} bei \textit{Schröter} studiert und promoviert hat. So lehre das hier behandelte Beispiel, daß die Veranlagung sich klar und deutlich gegen die Schule durchgesetzt hat.
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