Die Grundlagen der Volterraschen Theorie des Kampfes ums Dasein in wahrscheinlichkeitstheoretischer Behandlung. (Q2594733)
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scientific article; zbMATH DE number 2513926
| Language | Label | Description | Also known as |
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| English | Die Grundlagen der Volterraschen Theorie des Kampfes ums Dasein in wahrscheinlichkeitstheoretischer Behandlung. |
scientific article; zbMATH DE number 2513926 |
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Die Grundlagen der Volterraschen Theorie des Kampfes ums Dasein in wahrscheinlichkeitstheoretischer Behandlung. (English)
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1939
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Die Volterrasche Theorie des Kampfes ums Dasein ist ursprünglich deterministisch aufgebaut worden. Verf. untersucht nun ihre Modifikationen, falls man den Kampf ums Dasein der Wirklichkeit entsprechend als stochastischen Prozeß auffaßt; er beschränkt sich dabei auf die nachwirkungsfreien Vorgänge und behandelt im wesentlichen das exponentielle und das Pearl-Verhulstsche Wachstumsgesetz einer Population. Das Problem ist ein Sonderfall der allgemeinen Theorie der stochastischen Prozesse von Kolmogoroff; es kann atomistisch oder stetig angesetzt werden. Bei der ersten Auffassung wird für die Wahrscheinlichkeit \(P_n(t)\), daß zur Zeit \(t > 0\) genau \(n\) Individuen vorhanden sind, das Differentialsystem \[ \begin{gathered} \qquad P_n'(t)=-\lambda nP_n(t)+\lambda (n-1)P_{n-1}(t),\;n>N;\;P_N'(t)=-\lambda NP_N(t),\tag{"}\qquad\!(1)"\\ P_n(0)=0\;\;\text{für}\;\;0\leqq n<N,\;\;=1\;\;\text{für}\;\;n=N\tag{"}\qquad(2)"\end{gathered} \] abgeleitet, in dem \(\lambda dt\) die Wahrscheinlichkeit der Spaltung eines Individuums in zwei im Intervall \((t, t + dt)\) mit konstantem \(\lambda \) bezeichnet. Daraus findet sich für die Durchschnittsgröße der Population der auch von der deterministischen Theorie gelieferte Wert \[ \displaylines{\rlap{\qquad\!(3)} \hfill M(t)=\textstyle \sum\limits_{n=1}^{N} n\,P_n(t)=Ne^{\lambda t}\hfill} \] und für die Streuung \[ \displaylines{\rlap{\qquad\!(4)} \hfill S(t)=\textstyle \sum\limits_{n=1}^{N} (n-M(t))^2\,P_n(t)=M(t)\cdot (-1+e^{\lambda t}).\hfill} \] Überträgt man nun diesen Ansatz auf den Fall, daß die Wahrscheinlichkeit der Vermehrung eines Individuums um 1 in \((t, t + dt)\) entsprechend dem Verhulstschen Ansatz gleich \((\lambda -\gamma \cdot n)\,dt\) mit konstanten \(\lambda \), \(\gamma \) ist, so ist (1) durch \[ P_n'(t)=-(\lambda n-\gamma n^2)\,P_n(t)+\{\lambda (n-1)-\gamma (n-1)^2\}\;P_{n-1}(t) \] zu ersetzen. Jetzt findet sich aber \(M'(t)\leqq \lambda M(t)-\gamma M^2(t)\), d. h. der Durchschnittswert der Population \textit{liegt etwas niedriger} und wächst langsamer als beim deterministischen Ansatz. Faßt man den Prozeß als kontinuierlich auf, so handelt es sich um die Bestimmung der Wahrscheinlichkeit \(w(t, x)\, dx\) dafür, daß zur Zeit \(t\) die Größe der Population zwischen \(x\) und \(x + dx\) liegt. Man gewinnt für sie nach dem Vorgang von Kolmogoroff die parabolische Gleichung \[ \displaylines{\rlap{\qquad\!(5)} \hfill \frac{\partial w}{\partial t}=\frac{\partial ^2\,(b(x)\,w)}{\partial x^2}-\frac{\partial (a(x)\,w)}{\partial x}, \hfill} \] in der \(a(x)\) die Wachstumstendenz der Population der Größe \(x\), \(b(x) \geqq 0\) ein Maß der Streuung der Zuwachsgeschwindigkeiten um ihren Mittelwert \(a(x)\) bedeuten. Dem Ansatz (1) entspricht der Fall: \(a(x)=\alpha \cdot x\), \(b(x)=\beta \cdot x\), \(\alpha \), \(\beta \) konstant, dessen Lösung explizit mittels Besselscher Funktionen vom Verf. angegeben wird. Während aber im atomistischen Falle (1) bei \(\lambda > 0\) ein Aussterben der Population niemals möglich war, gilt jetzt für die Wahrscheinlichkeit \(w_0(t)\), daß die Population zur Zeit \(t\) ausgestorben sei, \[ \lim_{t\to\infty }\,w_0(t)=e^{-\tfrac{\alpha }{\beta }N}\;\;\text{für}\;\;\alpha >0,\;\;=1\;\;\text{für}\;\;\alpha \leqq 0. \] Setzt man \(\alpha =\beta =\gamma \), so stimmen \[ M(t)=\kern-2pt\textstyle \int\limits_{0}^{\infty }xw(t, x)\,dx;\;\;S(t)=\kern-2pt\int\limits_{0}^{\infty }x^2w(t, x)\,dx-M(t)^2 \] mit den durch (3), (4) gegebenen Werten überein; hingegen werden die höheren Momente größer als im Falle (1). Geht man vom Pearl-Verhulstschen Ansatz aus, so zeigt sich wieder \(M(t)\) kleiner, als dem deterministischen Ansatz entspricht. Bemerkenswert ist, daß im Gegensatz zur allgemeinen Randwertaufgabe die Lösung von (5) allein durch ihre Anfangswerte für \(t = 0\) eindeutig bestimmt ist, sobald \(a(0) = b(0)=0\) ist; hingegen ist dies für \(b(0)\neq 0\) nicht mehr der Fall und biologisch von Bedeutung nur die längs \(x = 0\) verschwindende Lösung. Übertragung der Überlegungen auf den Kampf zwischen einer Raub- und einer Beuteart.
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