Mathematical biophysics. (Q2599253)
From MaRDI portal
| This is the item page for this Wikibase entity, intended for internal use and editing purposes. Please use this page instead for the normal view: Mathematical biophysics. |
scientific article; zbMATH DE number 2518440
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
| default for all languages | No label defined |
||
| English | Mathematical biophysics. |
scientific article; zbMATH DE number 2518440 |
Statements
Mathematical biophysics. (English)
0 references
1938
0 references
Das vorliegende Werk ist die erste grundlegende und umfassende Darstellung der mathematischen Biophysik, des jüngsten Anwendungsgebietes der Mathematik auf biologische Probleme. Im Gegensatz zu den anderen beiden großen Anwendungsgebieten der Mathematik in der Biologie, der mathematischen Behandlung des Erbgeschehens und der damit zusammenhängenden Fragen einerseits und der mathematischen Theorie der natürlichen Lebensgemeinschaften andererseits, wird hier die Mathematik auf die Untersuchung der vegetativen Lebensvorgänge innerhalb eines Lebewesens, also schlechthin auf die Physiologie angewandt. Verf., Begründet dieses Gebietes, ist sich der Grenzen seines Unternehmens bewußt; es ist zu erwarten daß diese frühe Darstellung der in elf Jahren von ihm selbst ausgebauten Theorie und der Beiträge seiner Mitarbeiter A. S. Householder, E. Amelotti, H. D. Landahl, J. Reiner und G. Young zu derselben binnen kurzem in Einzelheiten überholt oder berichtigt werden wird. Immerhin ist aber mit diesem Buch ein bleibender Grund für die Weiterarbeit gelegt, die Methode geschaffen und einheitlich dargelegt -- abgesehen von der Fülle wertvoller Anregungen und Ausblicke auf noch zu lösende Fragen, die das Buch dem Forscher bietet. Freilich handelt es sich vorläufig noch vorzugsweise um mathematische Beschreibung bzw. Formulierung der Elemente gewisser physiologischer Vorgänge oder bestimmter Hypothesen und Mechanismen, die diese Vorgänge erklären sollen, nicht aber so sehr um die Anwendung der Mathematik als Beweismittel. Das Verfahren läßt sich im wesentlichen kennzeichnen als die Übertragung der theoretischen Physik auf die Vorgänge in der lebenden Zelle bzw. im lebenden Gewebe oder in einem funktionierenden Organ. Daß diese Übertragung zunächst starke Abstraktion von den wirklichen unregelmäßigen und vielfach verschlungenen Verhältnissen und speziell Loslösung und Isolierung der Einzelzelle bzw. des einzelnen Elementes aus der lebenden Gesamtheit erfordert, ist dem Mathematiker selbstverständlich. Die Fülle des Stoffes verbietet es, hier Einzelheiten wiederzugeben. Teil I ist der Zellphysiologie gewidmet und beruht auf der Anwendung der bekannten Diffusionsgleichung auf eine kugelförmig gedachte Zelle. Zunächst werden die Stoffwechselvorgänge selbst mathematisch behandelt. Erörterungen über mechanische Kräfte, Energie- und Stabilitätsverhältnisse in solchen metabolisierenden Systemen bilden die Grundlage für eine mögliche mathematische Begründung der Zellteilung durch Zurückführung derselben auf die Wirkung von Diffusions- und Oberflächenkräften und zum Versuch einer physiko-mathematischen Deutung der Mitose (Kernteilung), die im Anhang wieder aufgegriffen und durch Zugrundelegung wirklichkeitsnäherer Annahmen verfeinert wird. So werden Stoffwechselvorgänge einerseits und Zellwachstum andererseits in Beziehung gebracht, woraus sich die Möglichkeit ergibt, die organischen Formen auf physiko-chemische Vorgänge zurückzuführen. Teil II behandelt die mathematische Theorie der Erregung und Leitung in peripheren Nerven. Zunächst werden verschiedene Reiztheorien, so die auf dem Ansatz \[ \dfrac{d\varepsilon}{dt} = KV - k\varepsilon \] beruhende \textit{Blair}sche Reiztheorie, \textit{N. Rashevsky}s ``Zwei-Faktoren-Theorie'' (erregender und hemmender Faktor), die von zwei ebenso gebauten Differentialgleichungen für \(\varepsilon\) und \(j\) ausgeht, und \textit{Hill}s Reiztheorie, der das Differentialgleichungssystem \[ \begin{aligned} &\dfrac{d\varepsilon}{dt} = KJ - k(\varepsilon -\varepsilon _0) \\ &\dfrac{dj}{dt} = M(\varepsilon -\varepsilon _0) - m(j-j_0) \end{aligned} \] zugrunde liegt, dargestellt; hierbei sind \(t\) die Zeit, \(\varepsilon\) bzw. \(\varepsilon\) und \(j\) die Konzentration der beteiligten Substanz bzw. Substanzen und die übrigen Größen Konstanten. Es folgt die mathematische Beschreibung eines Reizleitungsmechanismus in den peripheren Nerven. In dem darauf aufbauenden Teil III behandelt Verf. die Biophysik des zentralen Nervensystems; er diskutiert zunächst allgemein zentrale Erregung und Hemmung, dann eine Anzahl neurologischer Erscheinungen und dringt auf psychologisches Gebiet vor (Unterscheidung von Intensitäten und verschiedener Reize), um sich schließlich bis zu Theorien und Hypothesen über das Gestaltproblem (d. h. die Wahrnehmung von Mustern) und das Lernen und Denken vorzuwagen. Zahlenmäßig genaue Übereinstimmung zwischen theoretischen und gemessenen Größen ist bei dem hohen Grade der Abstraktion im allgemeinen nicht zu erwarten. Immerhin findet Verf. seine Annahmen wenigstens der Größenordnung nach ausreichend bestätigt. Die Darstellung ist klar und gründlich und wird der schwierigen Forderung gerecht, einerseits dem Biologen bzw. Physiologen Wesen und Wert der mathematischen Methodik auf diesem Gebiete nahezulegen, andererseits dem Mathematiker bzw. Physiker ein reichhaltiges und vielseitiges, ohne Zweifel lohnendes neues Betätigungsfeld zu erschließen. Besprechungen: R. Pearl; Bull. Amer. math. Soc. 45 (1939), 223-224. J. A. Crowther; Philos. Mag., J. Sci., London, (7) 28 (1939), 127. S. Lefschetz; Bull. Sci. math. (2) 63 (1939), 33-34.
0 references