Schrödinger. Life and thought. Translated from the English by Thorsten Kohl (Q2801716)
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scientific article; zbMATH DE number 6571520
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21 April 2016
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scientific and private life and contacts
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genesis and comments on works
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persecution of the Jews
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Schrödinger. Life and thought. Translated from the English by Thorsten Kohl (English)
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Dieses Buch zeichnet ein Bild des Lebens von Erwin Schrödinger als Mensch vor dem Hintergrund seiner wissenschaftlichen Erfolge, das auch für eine breite Öffentlichkeit zugänglich ist. Es ist mit 24 historischen Fotos aus den Jahren von 1890 bis 1961 illustriert und schließt mit einem Stichwortverzeichnis.NEWLINENEWLINEDas erste Kapitel beschreibt seine Familie, seine Kindheit und Jugend bis zum Abitur, wobei seine Leidenschaft für Theaterbesuche hervorgehoben wird.NEWLINENEWLINEDas zweite Kapitel handelt von seinem Studium der Physik an der Universität Wien. Als sein Denken prägende Personen werden die Experimentatoren Johann J. Loschmidt und Franz S. Exner und die Theoretiker Ludwig Boltzmann und Friedrich Hasenöhrl vorgestellt. Ebenso wird der Einfluss von Ernst Mach besprochen. Über Schrödingers Studienzeit, die im Herbst 1906 begann und mit der Promotion 1910 endete, wird berichtet. Der Wehrdienst hinderte ihn daran, die für ihn vorgesehene Assistentenstelle bei Hasenöhrl anzutreten, die dann Hans Thirring erhielt. Nach Abschluss des Wehrdienstes nahm er eine Assistentenstelle in der Experimentalphysik bei Exner an. Diese Tätigkeit wies ihn als Theoretiker eindrücklich auf die Notwendigkeit hin, auch die Realität im Blick zu haben. Mit Unterstützung von Hasenöhrl habilitierte Schrödinger im Jahr 1913 und wurde 1914 Privatdozent. Da das erzielte Einkommen für eine Familiengrüdung mit Felicie Krauss nicht ausreichte, erwog Schrödinger, die wissenschaftliche Laufbahn zu verlassen. Auf Rat seines Vaters blieb er jedoch am Exnerschen Institut. Abschießend wird vom physikalischen Kogress in Wien 1913 und von Schrödingers erster bedeutender Publikation [\textit{E. Schrödinger}, Ann. d. Physik (4) 44, 916-934 (1914; JFM 45.0996.02)] berichtet.NEWLINENEWLINEDas dritte Kapitel zeichnet Schrödingers Leben als Offizier im ersten Weltkrieg an der Front in Südtirol nach. Die Schilderung stützt sich zum Teil auf seine Notizen. Schrödinger findet Zeit, sich mit Problemen der statistischen Physik zu beschäftigen und erkennt die Bedeutung der gerade entstandenen Einsteinschen Gravitationstheorie. Der Kriegsanlass, teilweise sein Verlauf und das Kriegsende sind eingeflochten.NEWLINENEWLINEDas vierte Kapitel beginnt mit dem Interesse Schrödingers an der Schopenhauerschen Philosophie. Er machte Kohärenzexperimente, um die Photonenhypothese besser zu verstehen und beschäftigte sich mit der Farbenlehre. Auf das Angebot eines Extraordinariats für theoretische Physik in Wien ging Schrödinger nicht ein, weil das Einkommen zu gering war, um eine Familie zu gründen. Er zog eine besser bezahlte Assistentenstelle bei Wilhelm Wien in Jena vor und heiratete Annemarie Bertel (Anny). Auch dort bot man ihm ein, allerdings befristetes, Extraordinariat an, er zog jedoch ein unbefristetes Extraordinariat in Stuttgart vor. Er litt darunter, seine inzwischen verwitwete Mutter in Wien nicht finanziell unterstützen zu können, und nahm schließlich, nach Abwägung mehrerer Möglichkeiten, eineinhalb Jahre nach seinem Weggang aus Wien ein Ordinariat in Breslau an. Angeregt durch A. Sommerfelds Buch ``Atomabbau und Spektrallinien'' schrieb Schrödinger einen Aufsatz über Orbitale. Über die Vakanz des Extraordinariats in Zürich, das vorher A. Einstein und M. v. Laue inne hatten, wird ausführlich berichtet. Schließlich konnte Schrödinger 1922 die Nachfolge als Ordinarius antreten und war froh, so auch den beginnenden politischen Wirren in Deutschland auszuweichen.NEWLINENEWLINEDas fünfte Kapitel handelt von seiner Zeit in Zürich. Kaum hatte er seine Lehrtätigkeit aufgenommen, als eine schwere Atemwegserkrankung ausbrach, die auf eine noch in Wien erlittene Infektion und die Anstrengung der kurz aufeinender folgenden Ortswechsel zurückzuführen ist. Er verbrachte neun Monate im Luftkurort Arosa, wo auch der Aufsatz [\textit{E. Schrödinger}, ``Über eine bemerkenswerte Eigenschaft der Quantenbahnen eines einzelnen Elektrons'', Z. Phys. 12, 13-23 (1923)] entstand. Es wird über seine Antrittsvorlesung und die Jahre bis 1925 berichtet, in denen er sich körperlich erholte, aber unter mangelndem Selbstvertrauen litt. Die Quantenmechanik, die Protonenstreung an Atomen und die Welle-Teilchen-Dualität traten in den Mittelpunkt seiner Interessen. Die Kritik [\textit{E. Schrödinger}, Naturwiss. 12, 720--724 (1924)] an einem Aufsatz von N. Bohr, H. Kramers und J. Slater überzeugte N. Bohr. Ein Ruf nach Innsbruck brachte Schrödinger Vorteile in Zürich. Im Zusammenhang mit den Versuchen, einen Ätherwind nachzuweisen, werden aufkommende rassistische Diffamierungen erwähnt. Im Herbst 1925 beginnt Schrödinger mit der Abfassung der Schrift ``Meine Weltansicht'', einer Darstellung seiner Lebensphilosophie, die er erst nach seiner Emeritierung vollendete. Diese 179 Seiten umfassende Schrift wird besprochen. Die drei abschließenden Abschnitte des Kapitels betreffen Schrödingers damalige Forschungen zur Gasdynamik, zum Welle-Teilchen-Dualismus und zur Beschreibung von Teilchen mit Wellenpaketen.NEWLINENEWLINEDas sechste Kapitel berichtet über Schrödingers Leben und Streben während der Zeit, in der er die nach ihm benannte Gleichung erarbeitete und in den vier wohlbekannten Mitteilungen begründete. Den Anstoß gab L. de Broglies Thesis über Materiewellen, die zu Beginn eines Seminars im WS 1925/26 in Zürich besprochen wurde. Während des Weihnachtsurlaubs in Arosa begann Schrödinger damit, nach einer Synthese des Ansatzes von \textit{L. de Broglie} [Annales de physique 3, 22--128 (1925; JFM 51.0729.03)] und seinem Aufsatz von 1923 [loc. cit.] zu suchen. Es wird erwähnt, dass seine Ehe in einem schlechten Zustand war und er diesen Urlaub mit einer Freundin aus der Wiener Zeit verbrachte. Die erste Mitteilung [Annalen d. Physik (4) 79, 361--374 (1926; JFM 52.0965.08)] ist die nach Gesprächen mit H. Weyl aufbereitete zweite Version einer ursprünglichen Fassung. Das diskrete Energiespektrum des Wasserstoffatoms stimmt mit den Eigenwerte eines Differentialoperators überein, dessen Korrespondenz zur Hamiltonfunktion des Keplerproblems in der zweiten Mitteilung [Annalen d. Physik (4) 79, 489--527 (1926; JFM 52.0966.01)] dargelegt wird. Höchste Anerkennung wurde Schrödinger von M. Planck, A. Einstein, H. A. Lorentz und W. Wien zuteil. Auf die Matrizenmechanik und W. Heisenbergs Zweifel zur Wellenbeschreibung wird kurz eingegangen. Die dritte Mitteilung [Annalen d. Physik (4) 80, 437--490 (1926; JFM 52.0966.02)] enthält die Störungstheorie und ihre Anwendung auf den Stark Effekt. Ein ausfühlicher Briefwechsel mit H.-A. Lorentz, der die Wellenmechanik kritisch ansah, wird beschrieben. Die vierte Mitteilung [Annalen d. Physik (4) 81, 109--139 (1926; JFM 52.0966.03)] enthält die ``zeitabhängige'' Schrödingergleichung und Anwendungen auf Streuprobleme. Über eine Vortragsreise durch deutsche Universitäten wird berichtet, in der W. Heisenberg von W. Wien gemaßregelt wurde. Heisenberg veranlasste daraufhin N. Bohr, Schrödinger nach Kopenhagen einzuladen. Vor Antritt der Reise beschäftigte sich Schrödinger damit, Photoeffekt, Quantensprünge und Wärmestrahlung mit der Wellenmechanik in Einklang zu bringen. Diese Probleme waren von H.-A. Lorentz und in München von W. Heisenberg angemerkt worden. In Kopenhagen war Schrödinger Gast in Bohrs Haus, wo unablässige Streitgespräche zu diesen Themen stattfanden. Im Nachhinein hat es Schrödinger begrüßt, eindringlich auf offene Probleme der Wellenmechanik hingewiesen worden zu sein.NEWLINENEWLINEDas siebente Kapitel beginnt mit einer dreimonatigen Vortragreise durch die USA, die dem Antritt der Nachfolge von Max Planck in Berlin vorausging. Schrödinger wäre gern in Zürich geblieben, jedoch konnte er der Verdoppelung seiner Bezüge in Berlin nicht widerstehen. Vor seiner Umsiedelung zum WS 1927/28 folgte Schrödinger der Einladung zum fünften Solvay Kongress, auf dem es wieder zu Auseinandersetzungen über die Interpretation der Quantenmechanik von Bohr und Heisenberg gegen Schrödinger, de Broglie und Einstein kam. Es wird über den Kreis seiner Kollegen in Berlin und seine sehr erfolgreiche Lehrtätigkeit berichtet. 1929 wurde Schrödinger Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Es wird beschrieben, wie Schrödinger das Leben in Berlin gegen Ende der zwanziger Jahre genoss. Neben der instabilen politischen und der noch stabilen wirtschaftlichen Lage wird das reiche Kultur- und Unterhaltungsangebot der Stadt geschildert. Wie schon in seiner Jugend war Schrödinger besonders am Theater interessiert. Ihn verband eine enge Freundschaft mit Einstein. Schrödingers gaben gesellschaftiche Abende, die von den Kollegen geschätzt wurden. Eine Annäherung an die Kopenhagener Deutung bei einem Vortrag im Deutschen Museum 1930 [s. \textit{E. Schrödinger}, Was ist ein Naturgesetz? Beiträge zum naturwissenschaftlichen Weltbild. München-Wien: R. Oldenbourg (1962; Zbl 0114.01001)] wird kommentiert. Schrödinger suchte auch nach einer allgemeinrelativistischen Verallgemeinerung der Diracgleichung. Über den unglücklichen Ausgang einer Liebschaft Schrödingers mit Ithi Junge wird berichtet. Seit 1929 kam es zu Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, die auch in den Universitäten ausgetragen wurden. Der wirtschaftliche Niedergang schürte den Wunsch nach einer geeinten, handlungsfähigen Regierung. Nach der Ernennung von A. Hitler zum Reichskanzler am 30.04.1933 hielten es die Wissenschaftler für unwürdig, sich einzumischen. Nur Einstein bekannte sich weiterhin zur Sozialdemokratie, während Lenard und Stark auf Hitlers Seite standen und in seinem Sinne eine ``arische Physik'' proklamierten. Am Tag des Boykotts jüdischer Geschäfte mokierte sich Schrödiger darüber, vom Betreten des Kaufhauses Wertheim abgehalten zu werden, und wäre dafür beinahe verprügelt worden. Sein Student F. Möglich war unter den Akteuren und konnte es verhindern. Am Tage der Machtergreifung weilte Einstein in den USA und erklärte, niemals nach Deutschland zurückzukehren. Er trat von der Preussischen Akademie der Wissenschaften zurück und die Nazis beschlagnahmten seinen Besitz. Hitler verfügte, alle Juden aus beamteten Positionen zu entlassen. Ein breiter Protest der nicht betroffenen Wissenschaftler blieb aus. Max von Laue versuchte vergeblich, Heisenberg für solchen Protest zu gewinnen. Für die meisten der rd. 1700 entlassenen Wissenschaftler bestanden nur geringe Chancen, außerhalb Deutschlands unterzukommen. F. A. Lindemann in Oxford, der bei Planck und Nernst studiert hatte, erreichte schließlich, dass außerplanmäßige Stellen in England geschaffen wurden. Bei einem Informationsaufenthalt in Deutschland war er erstaunt, dass auch Schrödinger an einer solchen Stelle interessiert war und er auch für seinen Freund Arthur March um solche Stelle bat. Lindemann konnte diese Wünsche erfüllen und Schödingers bereiteten ihre Auswanderung vor. Max Born hatte Göttingen schon verlassen und lud Schrödinger nach Südtirol ein. Im Spätsommer 1933 gab Schrödinger seine Stelle in Berlin auf und verließ Berlin zunächst nach Südtirol. Dort verbrachten Max Born, Hermann Weyl, die Schrödingers und Marchs das Ende des Sommers nicht ohne amouröse Dreiecksbeziehungen, wie berichtet wird. Vor seiner Inauguration in Oxford nahm Schrödinger noch an einer Tagung in Paris und am siebenten Solvay Kongress teil.NEWLINENEWLINEDas achte Kapitel beschreibt seine Zeit im Exil. Während Schrödingers Einführung am Magdalen College traf die Nachricht über die Verleihung des Nobelpreises an ihn und P. A. M. Dirac ein. Ausführlich wird über die Entscheidungsfindung des Nobelkommitees und die feierliche Übergabe in Stockholm berichtet. Schrödinger folgte einer Einladung nach Princeton. Eine ihm dort angebotene Professur lehnte er jedoch ab, weil Hilde, die Ehefrau von A. March, von ihm ein Kind erwartete, und er befürchtete, dass dies im puritanischen Amerika einr Katastrophe sein könnte. Als solche entpuppte sich das allerdings auch, als Lindemann davon erfuhr. Anny und Hilde pflegten das Baby namens Ruth und zogen es auf. Später, nach Ende des zweiten Weltkriegs, ertrug Anny die Trennung von Ruth nicht. Während Schrödinger einer Einladung von J. Ortega y Gasset zu einer Vortragsreihe nach Spanien folgte, verbrachte Anny die Zeit mit H. Weyl in der Schweiz. Im darauf folgenden Jahr erkundeten Anny und Erwin mit ihrem BMW Spanien. Die Wirkung des EPR-Aufsatzes [\textit{A. Einstein} et al., Phys. Rev., II. Ser. 47, 777--780 (1935; Zbl 0012.04201)] auf Schrödinger und Bohr wird besprochen. Schrödinger verdeutlichte das aufgeworfene Problem mit dem Katzenparadoxon [\textit{E. Schrödinger}, Naturwiss. 23, 807--812, 823--828, 845--849 (1935; Zbl 0012.42703)]. Dies, die Verschränktheit und die Bellschen Ungleichungen werden kommentiert. 1935 endete die Laufzeit der Stipendien für die Exilanten, nur Schrödinger erhielt eine weitere Verlängerung. Die Marchs gingen nach Innsbruck. Hansi Bauer-Bohm, eine Freundin von Anny, die nun mit ihrem Mann aus Berlin floh und nach Oxford kam, wurde Erwins neue Geliebte. Während einer Reise nach Graz, Wien und Berlin erkundete Schrödinger die Möglichkeit, einen Ruf nach Graz zu erhalten. Erfolgreicher war zunächst sein Bemühen um einen Ruf nach Edinburgh, die dazu geforderte Daueraufenthaltsgenehmigung für England wurde jedoch verweigert.NEWLINENEWLINEDas neunte Kapitel handelt von Schrödingers Zeit als Ordinarius in Graz. Die politische Lage Österreichs von 1936 bis zum Anschluss an Deutschland wird skizziert. Schödinger ließ in dem in Graz erworbenen Haus eine Wohnung einrichten, in die Hilde March und das Kind Ruth einzogen. Er lehrte in Graz und einmal wöchentlich in Wien, wo er die Freizeit oft mit Hansi Bauer-Bohm verbrachte, die wieder dort lebte. Er wurde Gründungsmitglied einer pontifikalen Akademie der Wissenschaften, deren Inauguration 1937 in Rom stattfand. In England war Schrödinger von A. Eddington für die Quantenkosmologie begeistert worden. Er sprach zu diesem Thema auf einer Konferenz zu Ehren von L. Galvani in Bologna. Die glückliche Zeit in Österreich war jedoch kurz. Schrödinger hatte bei seinem Wechsel nach Graz den Ernst der politischen Lage in seinem Heimatland unterschätzt. Ausführlich wird über die Heftigkeit der Judenverfolgung berichtet, die mit dem Anschluss an Hitlerdeutschland einherging. Schrödinger wurde aufgefordert, seine Loyalität zum Nationalsozialismus zu bekunden und tat dies, was er später in einem Brief an Einstein mit Selbstvorwürfen bedauerte. In Oxford machte man sich Sorgen um Schrödingers Schicksal, jedoch traf W. J. M. Mackenzie die Schrödingers beim Skiurlaub und konnte Lindemann beruhigen. Nach der Teilnahme am Kolloquium zum 80. Geburtstag von Max Planck erfuhr Schrödinger, dass seine Honorarprofessur fristlos gekündigt war. Von der ``Säuberung'' der Universität Graz blieb er zwar verschont, doch nach Umgestaltung zu einer Lehrstätte für die SS wurde er nicht gebraucht. In Dublin zeigt E. de Valera starkes Interesse, Schrödinger für das geplante Institute for Advanced Studies zu gewinnen. Nach Verweigerung der Ausreiseerlaubnis zu Vorträgen in Oxford wegen politischer Unzuverlässigkeit sprach Schrödinger bei einem Regierungsbeamten in Wien vor. Über seine Lage aufgeklärt, flüchteten Schrödingers alles zurücklassend und mittellos nach Rom, wo E. Fermi sie mit dem Notwendigsten versorgte. Mit Hilfe von de Valera, der Präsident des Völkerbundes war und sie einlud, kamen sie nach Genf. Von dort fuhren sie nach Oxford, wo man sich über die vormalige Loyalitätsbekundung Schrödingers in Graz entrüstete. Max Born glättete die Wogen und Schrödingers verbrachten drei Monate im Hause der Whiteheads. Mit finanzieller Unterstützung durch das Universitätskolleg konnte Schrödinger einige Tage in Dublin verbringen. Er nahm eine einjährige Gastprofeesur in Gent an und konnte damit die Zeit bis zur Gründung des Institute for Advanced Studies in Dublin überbrücken. Neben Vorlesungen gab er Abendseminare. Er las auch in Brüssel, Löwen und Lüttich. Mit G. Lemaitre führte er Gespräche über Kosmologie. Er verfasste wissenschaftsphilosophische Schriften und erhielt den Dr. h. c. der Universität Gent. A. March bringt Hilde und das Kind zu Schrödingers in Sicherheit, er selbst geht zurück nach Innsbruck. Als die Gastprofessur in Gent ausläuft, beginnt der zweite Weltkrieg. De Valera erwirkt, dass Schrödingers nach Dublin reisen dürfen.NEWLINENEWLINEDas zehnte Kapitel beginnt mit einer Rückschau auf de Valera, seine Herkunft, seine erfolgreiche politische Aktivität und die Institutsgründung in Dublin werden betrachtet. Die ``ungewönliche Familie'', bestehend aus Erwin, Anny, Hilde und dem Kind Ruth, bezog ein Haus im puritanischen Dublin. Über seine Beziehungen zu den teilweise klerikalen Kollegen und die Konfrontation mit der thomanischen Philosophie wird berichtet. Er las Quantenmechanik am College der Universität und publizierte als Mitglied der Royal Irish Academy umfangreich in den Sitzungsberichten. Die Struktur des Institute for Advanced Studies und Schrödingers Tätigkeit wird beschrieben, auch auf das kulturelle Leben und seine Kontakte außerhalb des Instituts wird eingegangen. Nach Gesprächen mit Eddington und Dirac im Rahmen eines internationalen Kolloquiums in Dublin 1942 beschäftigte sich Schrödinger vornehmlich mit der nichtlinearen Optik und der vereinheitlichten Feldtheorie. Breit wird über die Entstehung des Buches ``Was ist Leben?'' [s. Nachdruck. Cambridge: Cambridge University Press (2012; Zbl 1254.01052)] berichtet, die mit seiner Vortragsreihe am Trinity College 1943 begann. Schrödinger prägt den Begriff `genetischer Code' und stellt physikochemische Gesetzmäßigkeiten in den Vordergrund seiner Betrachtungen. Sein wenig gottesfürchtiger Epilog entsetzte einige Freunde und Kollegen, jedoch wurde das Buch in der Presse wohlwollend besprochen. Es wurde ein Welterfolg und hat die Entwicklung der Molekularbiologie enorm beschleunigt. Das Kapitel schließt mit der Liebe und dem diesbezüglichen Verhältnis von Schrödinger zu Sheila May Greene. Sie gebar, nachdem sich Erwin einer neuen Flamme zugewendet hatte, ein Kind von ihm, das ihr Ehemann David Greene annahm und aufzog. Anny hatte sich in einen Mann aus Schrödingers Freundeskreis verliebt, ohne dass ein Verhälnis zustande kam. Zurück blieben Liebeskümmernnisse bei Sheila und Anny.NEWLINENEWLINEDas elfte Kapitel beginnt mit der Zeit, in der sich das Ende des Krieges abzeichnet. Schrödinger fasste die Grundlagen der statistischen Thermodynamik in einem Buch [\textit{E. Schrödinger}, Statistical thermodynamics. Cambridge: At the University Press; New York: The Macmillan Company (1946; Zbl 0063.06825). Vgl. das Review der deutschen Übersetzung (1952; Zbl 0047.19406)] zusammen und befasste sich ferner mit einer affinen Version der vereinheitlichten Feldtheorie. Zum privaten Leben wird berichtet, dass er in der neuen Beziehung mit Kate Nolan ein drittes Mal Vater wurde und, nachdem Hilde mit Kathy zu ihrem Mann nach Innsbruck zurückgekehrt war, wuchs das Kind namens Linda unter Annys Obhut in Schrödingers Haus auf. Pessimistisch war die Reaktion Schrödingers zum Einsatz der Kernwaffen: ``Der Abzess des Faschismus ist abgetrennt worden, aber die Idee lebt in seinen erklärten Feinden weiter.'' Er korrespondiert mit Einstein über die vereinheitlichte Feldtheorie und freut sich, dass Reisen nun wieder möglich wurden. Lebendig wird geschildert, wie Schrödinger nach einer Vortragsreise glaubte, einen entscheidenden Fortschritt in der verallgemeinerten Feldtheorie erzielt zu haben, und dies der Presse mitteilte. Einstein war von dem Ergebnis weniger überzeugt und kritisierte das voreilige Einschalten der Presse scharf. Nach diesem Debakel wandte sich Schrödinger stärker der Philosophie zu und schrieb den Aufsatz ``Die Besonderheit des Weltbildes der Naturwissenschaft'' [\textit{E. Schrödinger}, Acta Phys. Austriaca 1, 201-245 (1948; Zbl 0034.28906)], in dem er den damaligen Trend zum Positivismus entschieden ablehnte. Vorträge zum Thema ``Die Natur und die Griechen'' [\textit{E. Schrödinger}, Nature and the Greeks. Cambridge: At the University Press (1954; Zbl 0057.00102)] in Dublin und London folgten. Anny, die unter der Trennung von Ruth litt, hatte einen Suiziversuch unternommen und genas nach psychiatrischer Behandlung. Erwin unterzog sich einer Kataraktoperation und widmete dankbar seinem Operateur das Buch [\textit{E. Schrödinger}, Space-time structure. Cambridge: At the University Press (1950; Zbl 0601.53059). See the review of the reprint (1986; Zbl 0601.53059)]. Schrödingers beabsichtigten, das Kind Lena zu adoptieren, es wurde jedoch von seiner Mutter Kate entführt. Schrödinger erfreute sich weiterhin seines Kontakts zu Hansi und einer neuen Bekanntschaft mit der ihr befreundeten Lucie. Auf dem 8. Solvay Kongress 1948 traf Schrödinger viele seiner alten Freunde wieder. 1949 wurde er, inzwischen hatte er neben der österreichischen auch die irische Staatsbürgerschaft, zum auswärtigen Mitglied der Royal Society London gewählt. In diesem Jahr veröffentlichte Schrödinger einen Gedichtband und beschäftigte sich hauptsächlich mit philosophischen Themen. Es wird über den Kongreß der British Society for History and Philisophy of Science berichtet, in der es heftige Diskussionen über die Interpretation der Quantenmechanik gab. Schrödingers Auffassungen zu Quantensprüngen und einer möglichen Photonenmasse beschließen das Kapitel.NEWLINENEWLINEDas zwölfte Kapitel berichtet über die Rückkehr nach Wien. Die Spaltung Österreichs in Besatzungszonen erschwerte dies sehr. Arthur March, der ja in Österreich geblieben war, erwirkte, dass Schrödinger für das WS 1950/51 als Gastprofessor nach Innsbruck gehen konnte. Dort bemühte man sich vergeblich um eine Professorenstelle für ihn. Eine Professur in Wien lehnte er ab, war er doch nach einem Besuch in Wien in einer Kontrollstelle festghalten und nur mit Hilfe von Hans Thirring wieder freigekommen. Schrödiger nahm an einer Sommertagung in Alpbach teil und Schrödigers machten danach Ausflüge mit Lise Meitner. Erwin war den Anstrengungen nicht mehr gewachsen, erkrankte schwer, und sie mussten den Urlaub abbrechen. Nach einer intensiven Schaffensperiode erkannte Schrödiger schweren Herzens, dass die Arbeit an der verallgemeinerten Feldtheorie vergeblich war. Die politische Lage in Österreich normalisierte sich nach dem Tode Stalins, und Schrödiger folgte einem Ruf nach Wien mit vollem Pensionsanspruch. Ruth half bei der Vorbereitung des im März 1956 erfogten Umzugs. Über die Veranstaltungen zum Abschied in Dublin und zum Amtsantritt in Wien wird berichtet. Schrödinger liest zur allgemeinen Relativitätstheorie und Kosmologie. Aufgrund einer Herzerkrankung konnte Schrödinger zur Tarner Vorlesung in Cambridge nicht erscheinen, ersatzweise wurde sein Manuskript [\textit{E. Schrödinger}, Mind and matter. The Tarner lectures delivered at Trinity College, Cambridge, in October 1956. Cambridge: At the University Press (1958; Zbl 0083.00101)] vom Philosophen J. Wisdom verlesen. Die Inhalte dieses Manuskripts werden eigehend besprochen. Im WS 56/57 verschlechterte sich Erwins Gesundheit zunehmend, er kam seinen Lehrverpflichtungen nur mit Mühe nach. Ruth heiratete und gebar einen Sohn zu Erwins Freude, jeoch betrübte ihn Arthur Marchs Tod. Ermutigend war, dass ein Freund in Graz nach der Flucht seine Bibliothek verwahren und nun zurückgeben konnte. Er genas von der Krankheit. Ihm und Lise Meitner wurde der Orden pour le Mérite verliehen. Im Frühjahr 1958 wurde er emeritiert. Anny und Erwin verbrachten den Sommer in Alpbach, er bilanzierte und vollendete das Buch [\textit{E. Schrödinger}, My life, my worldview. The autobiography and the philosophical testament. With a foreword by Auguste Dick. (Mein Leben, meine Weltansicht. Die Autobiographie und das philosophische Testament.) (German) München: Deutscher Taschenbuch Verlag (2006; Zbl 1107.01009)], das eingehend kommentiert wird. Da Anny schwer an Asthma erkrankt war, kehrte Erwin allein nach Wien zurück. Beide litten unter der Trennung sehr. Als Anny nach Wien zurückkehren konnte, lag Erwin, zu schwach um allein leben zu können, in einem Spital. Sein Wunsch, daheim zu sterben, wurde erfüllt. Man brachte ihn am 3. Januar 1961 früh heim, wo er, Anny an seiner Seite, gegen Abend des folgenden Tages verstarb. Er wurde in Alpbach begraben.NEWLINENEWLINEDieses Buch schildert nicht nur das in jeder Hinsicht bewegte Leben und vielseitige Denken von Erwin Schrödinger in fesselnder Weise. Es ist auch ein bedeutender Beitrag zur Wissenschafts- und Zeitgeschichte Europas in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.
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0.7285542488098145
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