On the reduction of binary quadratic forms
Der vorliegenden Untersuchung hegt ein Gedanke zu Grunde, der in der abzählenden Geometrie längst eingebürgert ist, während er in der Zahlentheorie (wenigstens explicite) noch wenig Verwendung gefunden hat. Es ist das der Gedanke, die Eigenschaften allgemeiner Gebilde aus denen ausgearteter herzuleiten. In unserem Falle stellt sich die Aufgabe so, die Reduction der binären quadratischen Formen \(f\equiv(a, b, c)\equiv ax^2+2bxy+cy^2\) mit Hülfe der Formen verschwindender Determinante \(D=b^2-ac\) auszuführen. Sieht man \(a\), \(b\), \(c\) als Coordinaten des Punktes einer Ebene an, so stellt \(D=0\) einen Kegelschnitt \(K\) (etwa einen Kreis) vor, der am besten durch \(a:b:c=1:-\lambda: \lambda^2\) repräsentirt wird; jeder ausgearteten Form \(f\) entspricht dann ein Punkt von \(K\) mit rationalem Parameterwert \(\lambda\), und umgekehrt, wobei im letzteren Fall \(f\) noch mit einem beliebigen (reellen) Factor \(\varrho\) behaftet sein kann. Formen \(f\) mit negativer (positiver) Determinante finden dann ihre Bilder in Punkten innerhalb (ausserhalb) des Kreises \(K\). Eine lineare Transformation \(S:\,x=\alpha x'+\beta y',\;y=\gamma x'+\delta y'\), ausgeübt auf eine Form \(f\), ist mit einer Collineation \(S\) der Ebene \((a, b, c)\) äquivalent, welche \(K\) in sich überführt; der Parameter \(\lambda\) eines Punktes von \(K\) unterliegt dabei der Substitution \[ \lambda = \frac{\alpha\lambda'+\beta}{\gamma\lambda'+\delta}. \] Von jetzt ab sei \(S\) eine ganzzahlige unimodulare Substitution, \(\lambda\) stets ein rationaler Zahlenwert. Irgend zwei Punkte von \(K\): \[ \lambda_1 = \frac ru,\quad\lambda_2 = \frac sv \] gehen vermöge \(S\) stets derart in zwei andere Punkte von \(K\) über, dass der Ausdruck \(rv-su\) dabei unverändert bleibt. Eine ausgezeichnete Rolle werden also diejenigen Punktepaare \(\frac ru\), \(\frac sv\) auf \(K\) spielen, deren ``Invariante den kleinsten Wert Eins hat: die Verbindungsgerade eines solchen Paares wird als ``Elementarsehne bezeichnet. Von der Figur aller Elementarsehnen (die bei Klein als ``Modulfigur auftritt) hängt die Wirkung der Gruppe aller \(S\) auf die Formen \(f\) ab, und in der That lässt sich die Lehre von der Reduction der Formen \(f\) aus jener Figur ungezwungen herleiten. Zur wirklichen Durchführung zieht der Verf. die ``Farey'schen Reihen heran, die Verallgemeinerung der Näherungswerte eines Kettenbruches. Man betrachte alle rationalen Zahlen \(\frac ru\), deren Zähler und Nenner, absolut genommen, die positive ganze Zahl \(n\) nicht überschreiten. Die entsprechenden Werte \(\frac ru\), der Grösse nach geordnet, bilden die \(n^{\text{te}}\) ``Farey'sche Reihe, also hier ein \(K\) einbeschriebenes convexes, ``\(n^{\text{tes}}\) Farey'sches Polygon. Jede Seite eines Farey'schen Polygones ist dann eine Elementarsehne, und umgekehrt jede Elementarsehne Seite eines solchen Polygones. Heisst ein \(K\) einbeschriebenes Dreieck ein ``Elementardreieck, wenn jede seiner Seiten eine Elementarsehne ist, so stellt sich das wichtige Ergebnis heraus, dass die aus den Ecken des \(n^{\text{ten}}\) Farey'schen Polygones construirbaren Elementardreiecke das Polygon einfach und lückenlos überdecken, und dass weiterhin die Gesamtheit aller Elementardreiecke das Innere von \(K\) ebenso überdeckt. Eine Form \(f=(a, b, c)\) von negativer Determinante heisst ``reducirt, wenn der Punkt \((a, b, c)\) im Innern oder auf dem Rande des Dreiecks 0 1 \(\infty\) liegt. Eine Form \(f\) mit positiver Determinante wird durch die Polare des Punktes \((a, b, c)\) bezüglich \(K\) repräsentirt: \(f\) heisst dann reducirt, wenn jene Polare zwei Punkte mit ungleichnamigen Parametern aus \(K\) ausschneidet. Die Reduction der Formen \(f\) wird nunmehr auf Grund der Eigenschaften der Elementarsehnen nicht nur theoretisch ausgeführt, sondern es wird auch an Beispielen gezeigt, wie zweckmässig die Methode auch in praktischer Hinsicht ist. Am Schluss vergleicht der Verf. sein Princip mit denen verwandter Untersuchungen.
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