Über die äußere Berandung eines im Endlichen gelegenen Gebietes und den Jordanschen Kurvensatz.
Zunächst wird eine wesentliche Verschärfung eines Satzes von Phragmén (Acta Math. 7, 45, 1885) gegeben und hiezu der Begriff der zyklisch zusammenhängenden abzahlbaren Punktmenge eingeführt, und zwar als Vereinigung einer unendlichen Folge endlicher Punktfolgen \(P_1^{(\nu)},\ldots, P_{n_\nu}^{(\nu)}\) \((\nu = 0, 1, 2,\ldots )\), für welche a) alle Punkte \(P^{(\nu)}_1\) gleich demselben Punkt \(P_1\) sind, b) jede Folge \(\{P_i^{(\nu+1)}\}\) die vorhergehende \(\{P_i^{(\nu)}\}\), und zwar in der richtigen Anordnung, als Teilfolge enthält, c) die Abstände konsekutiver Punkte sowie des letzten vom ersten, den Bedingungen \(\lim\limits_{\nu\to\infty} \overline{P_\lambda^{(\nu)}P_{\lambda+1}^{(\nu)}} = 0\) \(\lim\limits_{\nu\to\infty}\overline{P_{n_\nu}^{(\nu)}P_1} = 0\) genügen. Wird eine abgeschlossene ebene Punktmenge, die zusammenhängend ist (in dem Sinne, daß irgend zwei ihrer Punkte verbindbar sind durch eine der Menge angehörende endliche Punktfolge mit konsekutiven Abständen \(<\) als jedes vorgegebene positive \(\varepsilon\)), als ``linienhaftes Kontinuum bezeichnet, ferner unter einem Bereich \(B\) eine zusammenhängende Menge verstanden, die nur innere Punkte oder Häufungspunkte von inneren Punkten enthält, so besagt der fragliche Satz: Die Berandung eines beschränkten Bereiches \(B\) enthält (eventuell als echten Teil) ein linienhaftes Kontinuum \(L\), das eine Zerlegung der Ebene bewirkt in ein zusammenhängendes Gebiet von ``Außenpunkten und eine (zusammen mit \(L\)) alle Punkte von \(B\) (eventuell nur als echten Teil) umfassende ``innere Punktmenge; dabei ist \(L\) Grenzgebilde einer Folge paarweise punktfremder ineinanderliegender ``Treppenpolygone (Polygone mit achsenparallelen Seiten) und besteht aus einer zyklisch zusammenhängenden abzählbaren Punktmenge (der Menge \(L_0\) der ``ausgezeichneten Randpunkte) mit Hinzunahme ihrer Grenzpunkte; aie Menge dieser Grenzpunkte zerfällt dabei in zwei Kategorien, deren erste (stets vorhandene) gekennzeichnet ist als Menge der Punkte, die \(L_0\) (oder einen Abschnitt von \(L_0\)) zu einem \(L_0\) überall dicht enthaltenden Kontinuum ergänzen in der Art, wie bei der Hinzunahme der irrationalen zu den rationalen Punkten der Strecke \([0,1]\) (anders gesagt: die Kategorie der von außen erreichbaren Punkte von \(L\)). Der Beweis des angeführten Satzes, bei dem \(B\) selbst als abgeschlossen angenommen werden kann, erfolgt durch ein Konstruktionsverfahren der genannten, von außen \(L\) beliebig approximierenden Treppenpolygone. -- Wenn im besonderen ein linienhaftes Kontinuum \(L\) die \textit{volle} Begrenzung eines Bereiches \(B\) bildet, so läßt sich, wie ebenso zu zeigen, \(L\) in analoger Weise von \textit{innen} durch eine Folge umeinander liegender Treppenpolygone approximieren. -- Ihrer Definition nach ist die geschlossene Jordankurve eine zyklisch zusammenhängende Punktmenge mit Hinzunahme ihrer Grenzpunkte und ihre Besonderheit vor anderen linienhaften Kontinuen nach Art der äußeren (oder inneren) Berandung eines Bereiches \(B\) liegt darin, daß alle ihre Punkte von der obengenannten ersten Kategorie sind, worin der Grund für die Zerlegung der Ebene in genau zwei (und nicht mehr) Gebiete zu erblicken ist. Der von Pringsheim für die Zweiteilung gegebene Beweis stützt sich auf den Hilfssatz, daß eine zusammenhängende Teilmenge der Menge der Punkte eines von \(P_0\) nach \(P\) führenden Jordanbogens \(C\), nach Hinzunähme ihrer Häufungspunkte, mit \(C\) identisch ist, wenn sie in beliebiger Nähe von \(P_0\) und \(P\) Punkte enthält; ferner auf den Satz, daß ein Jordanbogen niemals vollständige Begrenzung eines beschränkten Bereiches ist. Der Beweis des Jordanschen Kurvensatzes, dessen Gültigkeit für Treppenpolygone als bereits erwiesen vorausgesetzt (vgl. eine Arbeit von Pringsheim in Münch. Ber. 1915) und schon bei den vorangegangenen Betrachtungen verwendet wird, erfolgt dann mit Hilfe von Treppenpolygonen, die in dem die Jordankurve \(J\) enthaltenden möglichst schmalen Vertikalstreifen der Ebene die beiden Kurvenbogen, die einen am weitesten links und einen am weitesten rechts liegenden Punkt von \(J\) verbinden, von oben bzw. unten beliebig approximieren. Erfreulicherweise -- wie vom Verf. nicht anders zu erwarten -- werden auch Einzelheiten der Beweise ausgeführt und nicht bloß, wie sonst so häufig, die Mühen der Ausführung dem Leser überlassen. (III.)
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