Akademische Antrittsrede, gehalten an der Universität Amsterdam, 14.\ Oktober 1912. Auseinandersetzung der fundamentalen Streitfrage, welche die mathematische Welt in zwei Parteien spaltet: die ``Intuitionisten und die ``Formalisten. Beide sind darüber einig, daß von einer exakten Gültigkeit der mathematischen Gesetze als ``Naturgesetze nicht die Rede sein kann. Die Frage, wo dann diese Exaktheit bestehe, beantworten sie verschieden; der Intuitionist sagt: im menschlichen Intellekte, der Formalist: auf dem Papier. Beispiele, wie von Formalisten tatsächlich eingeführte Begriffe, oder ausgesprochene Sätze, oder aufgeworfene Fragen für den Intuitionisten bedeutungslos sind. Insbesondere ist \(\aleph_0\) die einzige vom Intuitionisten anerkannte unendliche Mächtigkeit. Unmöglichkeit einer intuitionistischen Interpretation des positiven Teiles der Mächtigkeitstheorie, zunächst des \textit{Bernstein}schen Theorems. ``Zu beiden Parteien gehören Gelehrte allerersten Ranges und die Aussicht, daß man sich in absehbarer Zeit einigen werde, ist so gut wie verschlossen.
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