Die Reihe der vorliegenden, unter einander zusammenhängenden Noten (siehe JFM 24.0858.01; JFM 24.0858.02; JFM 24.0858.03; JFM 24.0858.04; JFM 24.0858.05; JFM 24.0859.01) wird durch eine Mitteilung des Hrn. Painlevé eröffnet, in welcher er die folgende Aufgabe behandelt. Es seien \(T(q_1',\dots, q_k', q_1,\dots, q_k)\) und \(T_1(q_1,\dots, q_k, q_1',\dots, q_k')\) zwei quadratische Formen der Variabeln \(q_i'\), deren Discriminanten \(\varDelta\) und \(\varDelta_1\) von Null verschieden sind; ferner seien \(Q_i\), \(Q_i'\) beliebige Functionen der \(q_1, q_2,\dots, q_k\). Man setzt die Lagrange'schen Gleichungen an \((i=1,2,\dots, k)\): \[ \begin{aligned} \frac{d}{dt} \biggl( \frac{\partial T}{\partial q_i'} \biggr)&- \frac{\partial T}{\partial q_i}= Q_i, \qquad q_i'= \frac{dq_i}{dt}; \tag{1}\\ \frac{d}{dt} \biggl( \frac{\partial T_1}{\partial q_i'} \biggr)&- \frac{\partial T_1}{\partial q_i}= Q_i', \qquad q_i'= \frac{dq_i}{dt_1}. \tag{2}\end{aligned} \] Aus einem gegebenen Systeme (1) alle Systeme (2) so zu bilden, dass die durch (1) und durch (2) zwischen den \(q_i\) definirten Beziehungen zusammenfallen. Wenn alle \(Q_i\) Null sind (und ebenso dann auch die \(Q_i'\)), so kann man vom Systeme (1) zu (2) durch die Transformation übergehen: \[ \frac{dt} {\varDelta^{\frac{1}{k+1}}}= C\frac{dt_1} {\varDelta_1^{\frac{1}{k+1}}}.\tag{5} \] Wenn \(T\) und \(T_1\) diesen Bedingungen genügen, so entsprechen beliebigen Functionen \(Q_i\) derartige Functionen \(Q_i'\), dass die Systeme (1) und (2) dieselben Beziehungen zwischen den \(q_i\) definiren, und man gelangt immer noch von (1) zu (2) durch die Transformation (5). Lässt man im allgemeinen Falle zwei Transformationen unberücksichtigt, die bei jedweder Form von \(T\) anwendbar sind, so kann es keine Gleichungen (2) geben, die der Aufgabe entsprechen, wofern nicht das Problem der Geodätischen in Bezug auf \(T\) ein Integral zweiten Grades zulässt. Hr. Liouville, dessen Note ``Sur unproblème d'analyse qui se rattache aux équations de la dynamique (C. R. CXII, F. d. M. XXIII. 1891. 934, JFM 23.0934.02) im Gebiete zweier Variabeln eine verwandte Frage behandelt hatte, geht nun in dem gleich betitelten neuen Aufsatze mit einer Methode, die von der des Hrn. Painlevé ganz verschieden ist, auf die Behandlung des folgenden Problems ein: Wenn ein Massensystem der Einwirkung von Kräften unterliegt, die ein Potential haben, und wenn die Lage des Systems durch die Variabeln \(x_1, x_2,\dots, x_m\) in einem beliebigen Augenblicke bestimmt wird, so kann man die Differentialgleichungen, welche die Bahncurven der einzelnen Punkte bestimmen, in die Gestalt setzen: \[ dx_i \,d^2x_k= dx_k\,d^2x_i= \sum_{(hh')} (p_{hh'}^{(k)}\,dx_i- p_{hh'}^{(i)}\,dx_k)dx_h\, dx_h'. \tag{1*} \] Ein Gleichungssystem von Typus (1*) gehört nicht immer zu den Bahncurven eines Massensystems. Die hierzu notwendigen Bedingungen folgen aus dem Theorem: Damit die Gleichungen (1*) die Bahncurven der Punkte eines Massensystems definiren, das der Einwirkung von Kräften unterliegt, die ein Potential haben, genügt es und ist notwendig, dass die \(\frac12 m(m-1)(m+2)\) folgenden Gleichungen: \[ \begin{cases} \frac{\partial f_{i2}} {\partial x_{i'}}- 2\sum_h p_{hi'}^{(i)} f_{i1}=0= \frac{\partial f_{ik}} {\partial x{i'}}- \sum_h (p_{hi'}^{(k)} f_{ih}+ p_{hi}' f_{hk}),\\ \frac{\partial f_{i2}} {\partial x_{i'}}- 2\frac{\partial f_{ik}} {\partial x_k}- 2\sum_h (p_{ih}^{(i)}f_{ih}- p_{kh}^{(k)} f_{ih}- p_{hk}^{(i)} f_{hk})=0 \end{cases} \tag{2*} \] von den \(\frac12 m(m+1)\) Unbekannten \(f_{i2}\), \(f_{ik}\), die in ihnen linear vorkommen, befriedigt werden. Ist dies der Fall, so sei \(\varDelta\) die symmetrische Determinante der \(f_{i,k}\); dann stellt die quadratische Form \[ 2T= \sum_{ik} \frac{\partial\varDelta} {\varDelta^2\partial f_{ik}}\, dx_i\, dx_k \tag{3*} \] die lebendige Kraft der durch (1*) definirten Bewegungen dar, und das entsprechende Integral zweiten Grades ist \(2T=\text{const}\). Es kann geschehen, dass die Gleichungen (2) mehrere verschiedene Lösungen haben. Bezeichnet man dann mit \(f_{ik}^0\) die Functionen, welche ein zweites den Gleichungen (2*) genügenden System bilden, mit \(\varDelta^0\) die mit \(\varDelta\) analoge Determinante, so ist das Verhältnis \[ \sum \frac{\partial\varDelta} {\partial f_{ik}}\, dx_i\,dx_k: \sum \frac{\partial\varDelta^0}{\partial f_{ik}^0}\, dx_i\,dx_k \tag{4*} \] gleich einer Constante und liefert ein Integral der Differentialgleichungen der Bahnlinien. Dies ist aber eine andere Form des Painlevé'schen Satzes. Hr. Liouville schliesst an seine Untersuchung noch einige neue Folgerungen an. Hr. Painlevé giebt dann in seiner nächsten Note Bemerkungen und Verallgemeinerungen zu den Betrachtungen in seiner ersten Mitteilung; das Problem formulirt er von neuem so: Ist ein System Lagrange'scher Gleichungen \[ \frac{d}{dt} \biggl( \frac{\partial T}{\partial q_i'} \biggr)- \frac{\partial T}{\partial q_i}= Q_i(q_1, q_2,\dots, q_k) \qquad \biggl(q_i'= \frac{dq_i}{dt} \biggr) \tag{A} \] gegeben, so soll man alle Systeme \[ \frac{d}{dt} \biggl( \frac{\partial T'}{\partial r_i'} \biggr)- \frac{\partial T'}{\partial r_i}= Q_i' (r_1, r_2,\dots, r_k) \qquad \bigg(r_i'= \frac{dr_i}{dt} \biggr) \tag{B} \] bilden, so dass die durch (B) definirten Beziehungen zwischen den \(r_i\) sich aus den durch (A) definirten Beziehungen zwischen den \(q_i\) durch eine Vertauschung der Variabeln \[ q_i= \varphi_i (r_1,\dots, r_k) \] herleiten lassen. Zugleich beginnt mit dieser Note über die Tragweite und Richtigkeit der von Hrn. Liouville aufgestellten Sätze ein Streit, in dem jeder der beiden Autoren zunächst genötigt ist, die eigenen, zuerst etwas aphoristisch gehaltenen Darstellungen zu ergänzen und zu erläutern. Besonders in der Note S. 495-498 thut dies Hr. Painlevé und fasst hier seine Ansicht in der Stelle zusammen: ``Hr. Liouville glaubte dieses Theorem ebenfalls gefunden und vervollständigt zu haben, in dem Falle, dass \(U\) existirt, vermöge einer Methode, die in Wahrheit nur auf den Fall sich anwenden liess, in welchem die Kräfte Null sind. \dots{} Hr. Liouville versichert von neuem, es sei sehr leicht, mein Theorem in allen Fällen zu vervollständigen, in denen eine Kräftefunction \(U\) besteht. Wenn nach ihm das System (1) ein correspondirendes zulässt, so lässt das Problem die Geodätischen in Bezug auf \(T\) ein vollständiges System von Integralen zweiten Grades zu. Dieser Satz ist nicht genau. Zu seinem Beweise bemerken wir, dass Hr. Liouville a priori die Existenz von \(U_1\) mit der von \(U\) annimmt, was im allgemeinen nicht richtig ist. Aber selbst in dem Falle, wo es sich so verhält, ist die Schlussweise des Hrn. Liouville unzulässig, weil er annimmt, dass die Bahnlinien, die einem gegebenem Werte \((\infty)\) von \(h\) entsprechen, auch einem constanten Werte von \(h'\) entsprechen, was nur vermittelst ganz besonderer Annahmen gilt. Dies erläutert Hr. Painlevé an einem Beispiele mit zwei Variabeln, und als Hr. Liouville dieses ausgeschlossen wissen will, durch eins mit dreien. Nicht in unmittelbarem Zusammenhange mit dieser Streitfrage, wohl aber innerlich damit verknüpft steht die Note des Hrn. Painlevé ``Sur les intégrales de la dynaique; in derselben verallgemeinert der Verf. den Satz des Hrn. Darboux (F. d. M. XXI. 1889. 907, JFM 21.0906.04): Wenn man das Problem der Bewegung eines Punkte \(M\) auf einer Oberfläche für eine gewissen Kräftefunction lösen kann, so kann man auch die Geodätischen dieser Oberfläche bestimmen. Ebenso beschäftigt sich Hr. Liouville in der Note ``Sur les équations de la dynamique mit der Frage des Zusammenhanges der Dynamik und der Theorie der Geodätischen einer Oberfläche.
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