Ueber Schnittpunktsysteme algebraischer Curven.
Die verdienstvolle Arbeit schliesst sich an die Untersuchungen an, welche namentlich die Herren Cayley, Nöther und Brill über die Schnittpunktsysteme auf mehreren algebraischen Curven angestellt haben. (Cayley, im Cambr. j. 1843, III. p. 211, Brill und Nöther, Clebsch Ann. VII. p.271, Nöther, Clebsch Ann. XV. p. 507, s. F. d. M. VI. 1874, p. 251, XI. p.488 (JFM 06.0251.01 und JFM 11.0488.02)). Der Verfasser bemerkt einleitend, dass die allgemeine Gültigkeit mehrerer bekannter Schnittpunktsätze deshalb zweifelhaft erscheint, weil dieselben immer nur auf das Theorem: ``Eine Curve \(n^{\text{ter}}\) Ordnung ist durch \(\frac{1}{2}n(n +3)\) Punkte bestimmt. gestützt werden, und weil dieses Theorem doch nur im Allgemeinen gilt, indem ja bei besonderen Lagen der \(\frac{1}{2}n(n +3)\) gegebenen Punkte diese zur Bestimmung der Curven \(n^{\text{ter}}\) Ordnung nicht ausreichen. Der Verfasser setzt daher an die Stelle der Beweismethode durch Constanten-Abzählung strengere Beweismethoden, wodurch er einerseits genaue Grenzen für die Gültigkeit der Schnittpunktsätze erhält, andererseits neue Sätze gewinnt, welche in Ausnahmefällen an die Stelle der allgemeinen Sätze zu treten haben. Die Grundlage dieser Untersuchung bildet der folgende, zuerst von Herrn Nöther (Clebsch Ann. VI., siehe F. d. M. V. 1873. p.348, JFM 05.0345.02) streng bewiesene algebraische Satz.Wenn eine ganze Function \(F\) von \(x\) und \(y\) für alle gemeinsamen Wertsysteme \((x, y)\) von zwei ganzen verschwindenden Functionen \(\varphi \) und \(\psi \) verschwindet, so hat sie die Form \(F =A\varphi +B\psi \), wo \(A\) und \(B\) ebenfalls ganze Functionen von \(x\) und \(y\) sind. Aus diesem algebraischen Satz ergiebt sich dann der folgende geometrische Satz, der für alle Lagen der Punkte ausnahmslos gültig ist: ``Wenn von den \(np\) Schnittpunkten einer Curve \(n^{\text{ter}}\) ordnung mit einer Curve \(p^{\text{ter}}\) Ordnung \(pq\) auf einer Curve \(q^{\text{ter}}\) Ordnung liegen, so befinden sich die übrigen \(p(n -q)\) Schnittpunkte auf einer Curve \((n -q)^{\text{ter}}\) Ordnung. Mit Hülfe dieses Fundamentalsatzes beweist der Verfasser den von Brill und Nöther aufgestellten Restsatz (Clebsch Ann. VII. p.271 oder Referat von Lüroth in den F. d. M. VI. 1874. p.251, JFM 06.0251.01) und erkennt, dass derselbe auch dann noch gilt, wenn die in Frage kommenden Curven zerfallen. Bei dem Cayley'schen Schnittpunktsatz wird ein Ausnahmefall constatirt, so dass dieser Satz genau folgendermassen auszusprechen ist: ``Eine Curve der \({\nu }^{\text{ter}}\) Ordnung, welche durch \(mn -\frac{1}{2}(\gamma -1)(\gamma -2) [\text{wo }\; \gamma =m +n -\nu ]\) Schnittpunkte zweier Curven \(m^{\text{ter}}\) und \(n^{\text{ter}}\) Ordnung geht \((m +n>\nu ; \nu >m\) oder \(\nu >n)\), enthält im Allgemeinen auch die übrigen \(\frac{1}{2}(\gamma -1)(\gamma -2)\) Schnittpunkte der letzteren; wenn dagegen diese \(\delta=\frac{1}{2}(\gamma -1)(\gamma -2)\) Punkte auf einer Curve \((\gamma -3)^{\text{ter}}\) Ordnung liegen, so geht eine durch die \(mn -\delta \) Punkte gelegte, aber sonst willkürliche Curve \({\nu }^{\text{ter}}\) Ordnung nicht zugleich durch die \(\delta \) übrigen Schnittpunkte der beiden Curven \(n^{\text{ter}}\) und \(m^{\text{ter}}\) Ordnung. Die besondere Behandlung dieses Ausnahmefalles und die Betrachtung gewisser specieller Fälle bilden den Schluss des ersten Teils der Dissertation. Im zweiten Teil wird die Untersuchung auf Curven mit vielfachen Punkten ausgedehnt.
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