Verf. stellt sich folgendes Problem, das mit mehr oder weniger großen Unterschieden auch von anderen Autoren behandelt worden ist: In einem von Sternen gleicher Masse gebildeten, im dynamischen Gleichgewicht befindlichen Untersystem eines umfassenderen Sternsystems sollen aus dem Charakter der \textit{lokalen} Verteilung der Einzelgeschwindigkeiten Aussagen über die Verteilung der Dichte und der Strömungen im \textit{Gesamtbereich} des Untersystems abgeleitet werden. Bedeutet \(\varphi(P,t)\) das Kräftepotential im Punkt \(P\) zur Zeit \(t\), so ist die Hamiltonsche Funktion für die Bewegung des Einzelsterns in den Zylinderkoordinaten \(q^1=r\), \(q^2=\varphi\), \(q^3=z\) und den zugehörigen Impulsen \(p_1=mV_1\), \(p_2=mq^1V_2\), \(p_3=mV_3\): \[ H=\frac1{2m}\left(p_1^2+\left(\frac{p_2}{q^1}\right)^2+p_3^2\right)+ m\cdot\varphi(q,t). \] Die allgemeine Verteilungsfunktion der Koordinaten und Impulse des Untersystems schreibt Verf. in Anknüpfung an die von \textit{De~Donder} in seinem Buch ``Théorie nouvelle de la mécanique statistique générale (Paris 1938; F.~d.~M.~64\(_{\text{II}}\), 1497) entwickelte Begriffsbildung in der Form: \[ \frac{\delta n}{\delta q^1\delta q^2\delta q^3\delta p_1\delta p_2\delta p_3} =f\left(\frac{\mu'-H}{\sigma^2}\right). \] Darin bedeutet \(\mu'=\mu'(q,p,t)\) das ``verallgemeinerte chemische Potential pro Partikel, während \(\sigma=\sigma(q,t)\) die Dispersion der Sternverteilung charakterisiert. Da die beobachtete lokale Geschwindigkeitsverteilung der Sterne als ellipsoidisch angesehen werden kann und \(H\) in den \(p\) quadratisch ist, hat man \(\mu'\) ebenso anzusetzen: \[ \mu'=\sum_{\lambda=1}^3\mu_\lambda'\quad \mu_\lambda'=A_0^\lambda m+A_1^\lambda p_\lambda+A_2^\lambda p^2_\lambda/2m, \quad A_i^\lambda=A_i^\lambda(q,t). \] Die Halbachsen des Geschwindigkeitsellipsoids \(\alpha_1\), \(\alpha_2\), \(\alpha_3\) und die Strömungen \(\overline V_1\), \(\overline V_2\), \(\overline V_3\) sind dann mit den \(A_i^\lambda\) verknüpft durch: \[ \begin{aligned} &\alpha_1^2=\frac{\tau^2}{1-A_2^1},\quad \alpha_2^2=\frac{\tau^2}{1-A_2^2(q^1)^2},\quad \alpha_3^2=\frac{\tau^2}{1-A_2^3}\text{ mit } \tau^2=\frac{\sigma^2}m,\\ &\overline V_1=\frac{A_1^1}{1-A_2^1},\quad \overline V_2=\frac{A_1^2q^1}{1-A_2^2(q^1)^2},\quad \overline V_3=\frac{A_1^3}{1-A_2^3}. \end{aligned} \] Die Bedingung des dynamischen Gleichgewichts \[ \frac{df}{dt}=0,\quad\text{d. h. } \frac{d(\mu'-H)}{dt}=0, \] liefert ein System von partiellen Differentialgleichungen, dem die \(A_i^\lambda\) genügen müssen. Neben einem Spezialfall veränderlicher \(A_i^\lambda\), der einer Expansion des Untersystems entspricht, diskutiert Verf. insbesondere den Fall konstanter \(A_i^\lambda\) bei zeitunabhängigem \(\varphi\); dieser Fall bietet Raum für die im Hinblick auf die Beobachtungen interessierenden Effekte asymmetrischer Strömung und differentieller Rotation. Verf. ist sich darüber im klaren, daß eine völlig befriedigende Lösung die Mitberücksichtigung der Poissonschen Gleichung \(\varDelta\varphi=4\pi G\dfrac\varSigma m\varrho\) erfordern würde.
This page was built for publication: Sur la dynamique de la voie lactée.
Report a bug (only for logged in users!)Click here to report a bug for this page (MaRDI item Q2579443)