Die Bewegungsgruppe der ebenen Cayleyschen Geometrie.
Es ist bekannt, daß man die Bewegungen einer auf einen Maßkegelschnitt \[ x_1^2 + x_2^2 + x_3^2=0 \] gegründeten elliptischen Ebene durch Hamiltonsche Quaternionen \[ a =\sum_0^3 \alpha_i e_i \] in der Form darstellen kann: \[ \varrho x' = ax\bar a,\quad N(a) \neq 0. \] Analoges gilt, wie man weiß, auch für die ``Cayleyschen Bewegungen einer auf einen regulären Maßkegelschnitt \[ A(x, x) = \sum_1^3 a_{ik}x_ix_k = 0 \tag{1} \] gegründeten ``\textit{Cayley}schen \textit{Geometrie}. (Vgl. z. B. \textit{H. Beck}, Koordinatengeometrie I (Berlin 1919; F. d. M. 47, 551), S. 262-290.) Diese Bewegungen bilden eine dreigliedrige Gruppe, und in ihrem Parameterraum (ihrem ``kinematischen Raume) ist eine Quadrik ausgezeichnet, deren Punkte zu singulären Cayleyschen Bewegungen gehören. Der kinematische Raum ist so selbst ein Cayleyscher. An diese wohlbekannten Verhältnisse knüpft die Arbeit an. Ihr Zweck ist ein tieferes algebraisches Studium der Übertragung der ebenen Cayleyschen Geometrie auf einen beliebigen Körper \(K\) mit einer Charakteristik \(p\neq2\) an Hand eines verallgemeinerten Quaternionenapparates. Es wird also der ebenen Geometrie zunächst ein Körper \(K\) von einer Charakteristik \(\neq2\) zugrundegelegt, was geometrisch bedeutet, daß in der vorausgesetzten projektiven Geometrie die Sätze von Pascal und Fano gelten sollen. Die quadratische Form (1) kann dann in der Gestalt \[ Q(x,x) = a_1x_1^2+a_2x_2^2 +a_1a_2x_3^2\qquad (a_1a_2\neq 0) \tag{2} \] angenommen werden, d. h. die Diskriminante ist Quadratzahl. Sind \(a_1\), \(a_2\) zwei von Null verschiedene Elemente eines Körpers \(K\), so versteht man (\textit{L. E. Dickson}, Algebren und ihre Zahlentheorie, Zürich-Leipzig (1927; F. d. M. 53, 112 (JFM 53.0112.*)), S. 45) unter dem Quaternionensystem \((-a_1, -a_2)\) das hyperkomplexe System der Elemente \[ a= \alpha_0+\alpha_1i_1+\alpha_2i_2+\alpha_3i_1i_2 \] mit \(\alpha_k\) aus \(K\) und den Regeln \[ i_1^2=-a_1, i_2^2=-a_2, i_1i_2=-i_2i_1. \] Dieses System ist dann und nur dann ein Schiefkörper, wenn die Normenform \[ N(x, x)= x_0^2+a_1x_1^2+a_2x_2^2+ a_1a_2x_3^2 \tag{3} \] die Null nicht darstellt. Ist so jeder Form (1) in einem Körper \(K\) das Quaternionensystem \((-a_1, -a_2)\) über \(K\) zugeordnet, so wird gezeigt, daß jeder ebenen Cayleyschen Geometrie eine Klasse isomorpher Quaternionensysteme entspricht. Den ebenen Cayleyschen Geometrien, deren Form die Null darstellt, sind dabei die zerfallenden Quaternionensysteme und jenen, deren Form die Null nicht darstellt, solche Quaternionensysteme zugeordnet, die Schiefkörper sind. Ein Cayleyscher Raum über \(K\) wird \textit{normal} genannt, wenn die ihm aufgeprägte quadratische Form \(A(x, x)\) als Diskriminante ein Quadrat aus \(K\) hat (was im Gegensatz zur Ebene im Raum eine Eigenschaft der Geometrie an sich ist; z. B. ist sie im Körper der reellen Zahlen nicht erfüllt für die hyperbolische, wohl aber für die elliptische oder jene Cayleysche Geometrie mit einer ringartigen Maßfläche). Die Maßform läßt sich dann stets als Normenform (3) eines Quaternionensystems über \(K\) ansetzen. Es werden nun die Links- und Rechtsschiebungen des normalen Cayleyschen Raumes betrachtet, deren Darstellung ist: \[ \varrho x' = ax,\quad N(a) \neq 0;\quad \varrho x' = xb,\quad N(b) \neq 0. \] Ihre Gruppen sind isomorph zu der Faktorgruppe \[ \mathfrak M[(-a_1,-a_2),K]/\mathfrak M(K), \tag{4} \] wo \(\mathfrak M[\ldots]\) die multiplikative Gruppe der Quaternionen nichtverschwindender Norm aus dem Systeme \((-a_1, -a_2)\) über \(K\) und \(\mathfrak M(K)\) die multiplikative Gruppe des Körpers \(K\) ist. \[ \varrho x' = axb\qquad N(ab) \neq 0 \tag{5} \] liefert Bewegungen des normalen Cayleyschen Raumes. Die Ebene \(x_0 = 0\) des Raumes trägt eine durch dessen Maßform induzierte Cayleysche Geometrie, und ihre Bewegungen lassen sich identifizieren mit jenen Bewegungen des Raumes, welche diese Ebene festlassen. Diese Bewegungen der Ebene lauten daher: \[ \varrho x' = ax\bar a,\qquad N(a) \neq 0. \tag{6} \] Die Gruppe dieser ``Drehungen ist zu (4) isomorph. Es wird nun gezeigt, daß jede Drehung sich darstellen läßt als Produkt zweier Spiegelungen. Der noch ausstehende Nachweis dafür, daß (5) und (6) die allgemeinen Bewegungen ihrer Art sind, wird schließlich mit Hilfe des Satzes erbracht, daß zwei ineinander bewegliche Punkte \(x\) und \(y\) bereits durch eine Spiegelung ineinander übergeführt werden können. Es ist dann nämlich \(\dfrac{Q(y,y)}{Q(x,x)}\) in \(K\) eine Quadratzahl.
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