Die Greensche Funktion der Diracgleichung.
Die Greensche Funktion der Diracgleichung \(G_E (P, Q)\) erlaubt, die Lösung der inhomogenen Diracgleichung \[ \left[ \gamma_1 \frac {\partial }{\partial x} + \gamma_2 \frac {\partial }{\partial y} + \gamma_3 \frac {\partial }{\partial z} \frac {\gamma_4}{hc} (E-V(P)) + \frac {E_0}{hc}\right] g(P) = - \frac {\gamma_4}{\hbar c} f(P) \] in der Form \[ g (p) = \iiint G_E (P, Q) f(Q) \, dx_Q dy_Q dz_Q \] darzustellen. \(\hbar\) ist das Plancksche Wirkungsquantum dividiert durch \(2\pi\), \(c =\) Lichtgeschwindigkeit, \(E_0 = \) Ruhenergie des Elektrons, \(V (P) =\) potentielle Energie im Punkt \(P\); \(\gamma_1, \gamma_2, \gamma_3, \gamma_4\) sind hyperkomplexe Einheiten, die den Vertauschungsrelationen \(\gamma_i \gamma_k + \gamma_k \gamma_i = 2\delta_{ik}\) genügen. \(E\) ist der Energieparameter, der weder dem diskreten noch dem kontinuierlichen Spektrum angehört. Man kann die Greensche Funktion eindeutig durch folgende Forderungen festlegen: 1) Sie genügt im ganzen Raum mit Ausnahme des Punktes \(Q\) der obigen Differentialgleichung mit \(f (P) = 0\); 2) in der Nähe von \(Q\) hat sie folgendes Verhalten: \[ G_E (P, Q) \approx - \frac 1{4\pi r^3}\cdot \frac 1{\hbar c} (\gamma_1 x + \gamma_ 2 y + \gamma_3 z) \gamma_4 ; \] \(r =\) Abstand der Punkte \(P, Q \); \(x, y,z = \) Relativkoordinaten von \(P\) bezüglich \(Q\); 3) im Unendlichen verschwindet sie stärker als \(1/r\). Für diese Greensche Funktion werden verschiedene Eigenschaften bewiesen, u. a. die Entwicklung nach Eigenfunktionen der homogenen Gleichung und die Symmetrieeigenschaft \[ \overline{G_{E^*} (P,Q)} \gamma_4 = \gamma_4 G_E (Q,P). \] \(E^*\) ist konjugiert komplex zu \(E\); der Querstrich bedeutet Bildung des adjungierten Ausdrucks. -- Ist \(E\) ein Eigenwert des kontinuierlichen Spektrums, so läßt sich auch eindeutig eine Greensche Funktion durch diese Forderungen definieren, wenn man die 3. Forderung durch eine Verallgemeinerung der \textit{Sommerfeld}schen Aus bzw. Einstrahlungsbedingung (Jber. Deutsche Math.-Verein. 21 (1913), 309) ersetzt; sie bedeutet physikalisch, daß die Greensche Funktion in Abhängigkeit vom Punkte \(P\) sich in großer Entfernung wie eine aus- bzw. einlaufende Welle ohne Absorption verhält. Für diese Greenschen Funktionen \(G_E^a (P, Q)\) bzw. \(G^e_E(P, Q)\) zur Aus- bzw. Einstrahlungsbedingung werden wieder verschiedene Eigenschaften angegeben. Angewandt wird sie zunächst auf die Streuung schneller Elektronen mit der potentiellen Energie \(V(P)\), was für das Coulombfeld auf die relativistische Verallgemeinerung der Rutherfordschen Streuformel führt. Der Zusammenhang der Greenschen Funktionen der Dirac- und der Schrödingergleichung wird ausführlich besprochen. Eine weitere Anwendung findet die Greensche Funktion bei der Behandlung der Störung durch eine Lichtwelle (speziell Photoeffekt in der \(K\)-Schale bei harter anregender Strahlung). In einem Anhang werden die Greensche Funktion der Schrödingergleichung für das Coulombfeld asymptotisch (d. h. \(P\) weit vom Zentrum des Coulombfeldes entfernt), sowie näherungsweise die Greensche Funktion der Diracgleichung berechnet. Ferner werden einige kompliziertere Integrale über konfluente hypergeometrische Funktionen ausgewertet.
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