Die gewöhnlichen Differentialgleichungen dritter und vierter Ordnung, die lineare homogene Form erhalten können. I, II, III.
\textbf{I.} Eine gewöhnliche Differentialgleichung \(n\)-ter Ordnung (\(n>2\)), die durch Punkttransformation linear und homogen gemacht werden kann, gestattet nach \textit{Lie} stets eine intransitive \(G_{n+1}\), insbesondere kann sie eine \((n+2)\)-gliedrige Gruppe \(G_{n+1}^{\text{I}}\), gestatten, in der die \(G_{n+1}\) invariante Untergruppe ist, oder eine \((n+4)\)-gliedrige \(G_{n+1}^{\text{III}}\) zu der die \(G_{n+1}\) in derselben Beziehung steht. Damit sind alle Möglichkeiten erschöpft. Im letzten Falle gestattet die Differentialgleichung \(\infty^2\) verschiedene \(G_{n+1}^{\text{I}}\). Der Zusammenhang zwischen diesen Gruppen und den Differentialgleichungen ist eindeutig umkehrbar. Es gelingt nun dem Verf., aus den \textit{Lie}schen kanonischen Formen jener drei Gruppen die Definitionsgleichungen der infinitesimalen Transformationen der Gruppen abzuleiten, indem er auf die Definitionsgleichungen der kanonischen Formen die allgemeinste Punkttransformation anwendet. Aus den Definitionsgleichungen wiederum ergeben sich die invarianten Differentialgleichungen durch Determinantenbildung. Erleichtert wird die Sache dadurch, daß die betrachteteten Gruppen in gewissen unendlichen Gruppen von Punkttransformationen stecken, deren Definitionsgleichungen aufstellbar sind, doch wäre der Verf. nicht durchgekommen, hätte er nicht eine besondere Art der Bezeichnung angewandt, die es ihm ermöglicht, die Schwierigkeiten zu überwinden, die bei der Anwendung der allgemeinsten Punkttransformation auf partielle Differentialgleichungen höherer Ordnung auftreten. Am Schlusse wendet der Verf. seine allgemeinen Entwicklungen auf den Fall \(n=3\) an und stellt die allgemeinste gewöhnliche Differentialgleichung dritter Ordnung auf, die durch Punkttransformation linear und homogen werden kann. Er gibt genau an, wann die Gruppe fünfgliedrig und wann sie siebengliedrig ist, wann also die Differentialgleichung auf eine lineare homogene mit konstanten Koeffizienten zurückführbar ist und wann auf die Form \(y'=0\). In der allgemeinen Gleichung ist nur der Fall nicht mit enthalten, wo die Gruppe die Schar der Geraden \(x={}\)const invariant läßt. Diesem Falle entspricht eine besondere Gestalt der Differentialgleichung mit besonderen Kriterien dafür, daß die Gruppe fünf- oder siebengliedrig ist. \textbf{II.} Bei der Behandlung der Gruppen von Berührungstransformationen stützt sich der Verf. auf \textit{Gasiorowski} (Diss. Gießen 1914, 67~p.; Prace mat.-fiz. 26 (1915), 135-202; F.~d.~M. 45, 253-254). Er bespricht die allgemeine Form der Definitionsgleichungen eines Typus von Gruppen von Berührungstransformationen und die zugehörigen Integrabilitätsbedingungen. Von Wichtigkeit ist der Satz, daß eine lineare gewöhnliche Differentialgleichung \(n\)-ter Ordnung für \(n>3\) bei einer eigentlichen Berührungstransformation niemals linear bleibt. Für \(n=3\) bilden die auf die Form \(y=0\) zurückführbaren Differentialgleichungen eine Ausnahme. Es gelingt nun, die allgemeinste \((n+1)\)-gliedrige Gruppe von Berührungstransformationen zu charakterisieren, die durch Berührungstransformation auf die Form \(\xi_1(x)q\), \dots,\(\xi_n(x)q\), \(yq\) gebracht werden kann. Außerdem ergeben sich die notwendigen und hinreichenden Bedingungen dafür, daß diese Gruppe in keiner \((n+2)\)-gliedrigen, oder gerade in einer \((n+2)\)-gliedrigen, oder in einer \((n+4)\)-gliedrigen Gruppe steckt. Endlich wird die Form bestimmt, die die bei einer solchen Gruppe invariante Differentialgleichung \(n\)-ter Ordnung besitzt. Dabei muß allerdings der Fall besonders behandelt werden, wo die Gruppe die Differentialgleichung erster Ordnung \(y'=\infty\), also die Kurvenschar \(x={}\)const invariant läßt. \textbf{III.} Die Differentialgleichungen dritter Ordnung, um die es sich hier handelt, sind alle in der Form \(y-Ay^{\prime\prime3}+3By^{\prime\prime2}-3Cy+D=0\) enthalten. Die Gruppe der Gleichung hat vier, fünf, sieben oder zehn Parameter, und es werden die notwendigen und hinreichenden Bedingungen für das Auftreten jedes einzelnen dieser Fälle entwickelt. Bei den Differentialgleichungen vierter Ordnung ist die allgemeine Form weniger einfach, und man ist genötigt, eine besondere Form in Betracht zu ziehen, wenn die Gruppe der Gleichung die Schar der Geraden \(x={}\)const invariant läßt. Auch hier werden die notwendigen und hinreichenden Bedingungen für das Auftreten eines jeden von vier möglichen Fällen angegeben. Für die Gleichungen dritter und vierter Ordnung ist somit die behandelte Aufgabe vollständig gelöst. In einem Anhange bespricht der Verf. gewisse Homogeneitätseigenschaften der im Laufe der Rechnung auftretenden Gleichungen. Durch Einführung der Begriffe Gewicht und isobar erhält man sowohl bei Punkt- wie bei Berührungstransformationen gewisse Kennzeichen, die als Prüfstein für die Richtigkeit der Rechnung dienen können. Zum Schlusse stellt der Verf. kurz zusammen, was früher durch \textit{Zorawski, Wünschmann, W. Herist, Leja} und \textit{K. Faber} für das behandelte Problem geleistet worden war.
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