Die Grundlagen der Geometrie. Ihre Bedeutung für Philosophie Mathematik, Physik und Technik.

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Publication:2622142





Über die Bedeutung, die der Verf. selbst seiner Schrift beimißt, mögen folgende Zitate aus dem Vorwort unterrichten: ``Geometrie nicht als Erkenntnis, sondern als Tat ist das Thema der vorliegenden Schrift. Sie stellt vor allem eine ganz neue Begründung der Geometrie insofern dar, als hier zum ersten Male ganz mit dem Wesen der antiken Axiomatik (welche \textit{Hilbert} völlig unverändert läßt) gebrochen und eine gänzlich neue Basis dafür geschaffen wird. Diese neue Form löst dabei zugleich sozusagen automatisch die Probleme der Existenzart und Geltungsart der in den Axiomen auftretenden Grundformen der Geometrie, Probleme, die seit \textit{Plato} den Kern der theoretischen Philosophie bestimmt haben. Zugleich erhellt sich dabei das Wesen der physikalischen Messung und Feinmessung, die zwar unser ganzes materielles und technisches Dasein heute beherrscht, deren fundamentale Bedeutung aber im Gesamtbereich des menschlichen Denkens noch nie die gebührende Rolle gespielt hat. ``Die Schrift bildet zugleich die vollständige und unangreifbare Widerlegung derjenigen Grundanschauungen, welche in der heutigen theoretischen Physik so viel Unheil angerichtet haben, die zwar aus der allgemeinen geistigen Situation der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Naturwissenschaften in ihrem Entstehen verständlich sind, die aber (nach der lautesten, sinnfernsten und skurrilsten Überspitzung, die sie erfahren) wohl heute am deutlichsten als \textit{Einstein}sche bezeichnet werden. Alle die vielen von \textit{Einstein} und seiner Schule ohne Überlegung und ohne Erröten vorgebrachten Behauptungen über die Geometrie sind damit für jeden, der noch konsequent und umfassend denken kann, inhaltslos und unmöglich geworden. ``Nicht als ob die Grundgedanken des hier Vorgetragenen durch ``\textit{Einstein} bestimmt wären. In ihren ersten Grundzügen lagen sie schon 1905 fest. Aber hier treten sie nun nach langen notwendigen Vorarbeiten in axiomatisierter Form auf und legen damit zum ersten Male nach \textit{Euklid} ein völlig neuartiges Fundament des Geometrischen \dots ``Exakte Wissenschaft ist nicht ein lebensfremdes Rechnen \dots, sie ist in erster Linie Realisierung reiner Ideen durch manuelles Machen. Dies wird hier an dem Kernstück aller exakten Naturbeherrschung und Forschung, an der Geometrie, durchgeführt, die in der Tat seit ihren Entdeckern, den Griechen, stets das Fundament alles exakten Denkens und Machens gebildet hat. Hier wird nun gezeigt, wie dieses Fundament, das in der Niedergangsperiode der letzten 3 Jahrzehnte zu einem rein formalen Schematismus zu verflüchtigen versucht worden war, untrennbar verknüpft ist mit dem innersten Wesen aller Präzisionstechnik \dots So dürfte die Schrift für Theorie und Praxis von gleich grundlegender Bedeutung werden \dots ``Oberflächliches und wirklichkeitsfremdes ``Denken hat zu der Meinung geführt, die Aufgabe der Physik sei, eine einzige Gruppe von Differentialgleichungen auf\-zu\-stel\-len, welche die Messungen der experimentellen Physik ``darstelle. Die Lösung dieser Scheinaufgabe lief auf eine rein formalistische Rechenakrobatik hinaus, die dann von der sog. Relativitätstheorie geleistet wurde \dots Denken wir uns die sog. Relativitätstheorie völlig weg, so würde die wirkliche Physik, d. h. die auf Denkformen beruhende manuelle Beherrschung physikalischer Umstände, dadurch überhaupt nicht berührt werden. Sie ist aber schon weggefallen, wenn man den Blick nur einmal von jenen in der Luft schwebenden angeblich das Fundament bildenden Differentialgleichungen auf das wirklich Physikalische richtet, das wir im folgenden behandeln werden. ``Es ist schade, daß\ die ungeheuren Leistungen der wirklichen Physik unserer Tage vom Nebel dieser naturphilosophischen Phantastereien auf scheinmathematischer Grundlage überdeckt werden, so daß\ die wahre Leistung oft fast unsichtbar wird. Hier kann nur eine wirklich ernste Besinnung auf das eigentliche Wesen des Phy\-si\-ka\-li\-schen wieder klare und nüchterne Verhältnisse bringen. Dazu möchte das Folgende die Hand bieten. ``Das manuskript wurde Weihnachten 1932 beendet. Das Vorwort enthält ferner eine persönlich gefärbte Polemik gegen \textit{H. Reichenbach}; diese nimmt Bezug auf einen von dem letzteren in einem populären Aufsatz entwickelten Gedankengang, den Verf. wesentlich entstellend referiert. In ähnlicher Form polemisiert Verf. gegen die Interpretation des relativistischen Raumbegriffs bei \textit{Sir Arthur Eddington}, den er als einen der ``bedenkenlosesten Phantasten der an solchen heute nicht armen Wissenschaft bezeichnet. Über den Inhalt der sachlichen Ausführungen der Schrift sei hier folgendes mitgeteilt: Der Verf. hält die auf die moderne Axiomatik gestützte Klärung des Geltungsproblems der Geometrie ür unzureichend, vor allem einerseits deswegen, weil durch das \textit{Hilbert}sche Verfahren der impliziten Definitionen nicht ein bestimmtes System von Gebilden eindeutig festgelegt, sondern nur eine Gesamtheit isomorpher Modelle charakterisiert werde, andrersets deswegen, weil man sich mittels der axiomatischen Methode der Verpflichtung zu einer stringenten Begründung der geometrischen Axiome entziehe (in diesem Zusammenhang wird nicht deutlich unterschieden zwischen der formalen Geometrie als einem Zweig der reinen Mathematik und der physikalischen Geometrie als einem Teilgebiet der Physik). Der Verf. macht nun den Versuch, die Geometrie auf ein System definitionsartiger Ausgangssätze zu stützen, die die Grundbegriffe der Geometrie mit Hilfe anschaulicher Gegebenheiten - unmittelbares Gleichheits- und Verschiedenheitserlebnis, anschauliche Bewegung usw. - so definieren, daß\ sie zugleich eine Anweisung zur praktischen Herstellung dieser Gebilde für die physikalische Meßtechnik enthalten. Diese Ausgangsdefinitionen sucht nun Verf. so einzurichten, daß\ sie den euklidischen Charakter der durch sie festgelegten geometrischen Gebilde schon rein logischzur Folge haben (ob dies im einzelnen genau erreicht ist, läßt sich bei der Unschärfe der in die Ausgangssätze eingehenden anschaulichen Begriffe und bei Art und Umfang der gegebenen Beweisführung nicht mit Sicherheit übersehen), und er sucht ferner zu zeigen, daß\ das, was man in der experimentellen Physik unter ``Punkt, ``Gerade, ``Ebene usw. verstehe, gerade durch die von ihm gegebenen Definitionen erfaßt werde. Sollten sich nun bei irgendwelchen Messungen scheinbare Abweichungen der geometrischen Struktur der untersuchten Gebilde vom euklidischen Verhalten zeigen, so hätte man dies, Verf. zufolge, stets darauf zurückzuführen, daß\ die angewendeten Meßinstrumente in geometrischer Hinsicht noch nicht genau genug den erwähnten Definitionen angepaßt wären. Auf diese Weise werden offenbar die Sätze der euklidischen Geometrie auch in der empirischen Wissenschaft unwiderlegbar, und die Möglichkeit einer empirischen Entscheidung über die geometrische Struktur des physikalischen Raumes wird von vornherein ausgeschlossen. Der logische Kern der \textit{Dingler}schen Überlegungen besteht mit andern Worten in dem Versuch einer konventionalistischen Lösung des Geltungsproblems der physikalischen Geometrie.












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