Über die Genauigkeit der Kriterien des Zufalls bei Beobachtungsreihen. (Q1501136)
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scientific article; zbMATH DE number 2650178
| Language | Label | Description | Also known as |
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| English | Über die Genauigkeit der Kriterien des Zufalls bei Beobachtungsreihen. |
scientific article; zbMATH DE number 2650178 |
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Über die Genauigkeit der Kriterien des Zufalls bei Beobachtungsreihen. (English)
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Bei Ausgleichungen von Beobachtungsreihen kann man die übrigbleibenden Fehler auf mehrfache Weise (z. B. durch Vorzeichenprüfungen und durch Prüfungen der mittleren Fehlergröße) daraufhin untersuchen, ob sie sich hinlänglich als zufälligen Ursprungs betrachten lassen. Über die Genauigkeit solcher Kriterien des Zufalls scheint aber bis jetzt nur wenig bekannt zu sein. Der Verf. zeigt nun, daß\ man sich für die Angabe der Genauigkeit bei den genannten Prüfungen der mittleren Abweichungen bedienen kann, die nach Art des \textit{Gauß}schen mittleren zu befürchtenden Fehlers gebildet werden. Interessant ist diese Untersuchung auch deshalb, weil bei den Vorzeichenprüfungen die zu betrachtenden Größen eine diskrete Wertreihe mit dem Intervall 2 bilden. Im folgenden sollen die Hauptergebnisse zusammengestellt werden. 1. Bezeichnet man die Vorzeichen mit \(V_i =+1\) oder \(=-1\) und ist \(s\) ihre Summe, so ist im Durchschnitt unendlich vieler Wiederholungen der Beobachtungsreihe \(s=0\) mit dem mittleren Fehler \(=\pm \sqrt n\). Ein Näherungswert für die relative Häufigkeit \(W\) der Fälle, wo \(s\) innerhalb \(\pm \sqrt n\) liegt, ist \(0,683 \dots\) Wegen der diskreten Werte der \(s\) bedarf aber \(W\) noch einer Verbesserung, die angenähert zu \[ + \sqrt{\frac 2{n \pi e}} = + \frac {0,484 \dots}{\sqrt n} \] ermittelt wird, wodurch die Übereinstimmung mit den streng berechneten Werten von \(W\) viel besser wird. Ist \(s\) (absolut genommen) wesentlich größer als \(\sqrt n\), so sind systematisch wirkende Fehlereinflüsse angedeutet, dieses jedoch auch schon dann, wenn \(s\) nahe bei \(\sqrt n\) liegt. 2. Ist \(f\) die Anzahl der Zeichenfolgen und \(w\) die der Zeichenwechsel in einer Fehlerreihe, so ist in demselben Sinne wie vorher \(f-w=0\) mit dem mittleren Fehler \(=\pm \sqrt{n-1}\), und die Wahrscheinlichkeit, daß\ \(f-w\) innerhalb \(\pm \sqrt{n-1}\) liegt, gleich \(0,683 +\frac{0,484}{\sqrt{n-1}}\). 3. Ist das Gesetz des Vorkommens des wahren Fehlers \(\varepsilon\) eine gerade Funktion, so ist der Durchschnittswert von \([\varepsilon]=0\) mit dem mittleren Fehler \(=\pm \mu \sqrt n=\sqrt{[ \varepsilon \varepsilon]}\;(\mu^2=[ \varepsilon \varepsilon ]: n)\). Liegt der Wert von \([\varepsilon]\) außerhalb der Grenzen \(\pm \sqrt{[\varepsilon \varepsilon]}\), so hat man Anlaß, zu vermuten, daß\ in den \(\varepsilon\) systematische Einflüsse enthalten sind, da bei zufälligem Charakter der \(\varepsilon\) die Wahrscheinlichkeit von \([\varepsilon]\), innerhalb der bezeichneten Grenzen zu fallen, ungefähr doppelt so groß\ ist wie für außerhalb. 4. Gelegentlich der Bildung von \([\varepsilon \varepsilon]\) wird man die Summe der Quadrate der positiven und der negativen Fehler miteinander vergleichen. Man erhält im Durchschnitt: Quadratsumme der pos. Fehler=Quadratsumme der neg. Fehler mit dem m \(\cdot\) F \(\cdot = \pm \nu^2 \sqrt n= \pm \sqrt{[\varepsilon^4]}\;(\nu^4=[\varepsilon^4]:n)\). Liegt der Unterschied beider Quadratsummen außerhalb der mittleren Fehlergrenzen, so sind in demselben Grade wie in den früheren Fällen systematisch wirkende Ursachen zu vermuten. 5. Die beiden letzten Prüfungsarten sind nicht besonders durchgreifend, da systematische Fehlerursachen häufig die positiven und negativen Fehler gleichmäßig beeinflussen. Man sucht daher den mittleren Beobachtungsfehler durch verschiedene Gruppierung der Beobachtungen mehrfach zu bestimmen, so daß\ einmal systematische Einflüsse möglichst eliminiert werden, andererseits aber wirksam sind, wie es z. B. durch das \textit{Abbe}sche Kriterium geschieht. Man ordnet die Fehler \(\varepsilon\) nach der Variable, deren systematischen Einfluß\ man vermutet, und bildet: \[ \varepsilon_1^2 + \varepsilon_2^2+\cdots + \varepsilon_{n-1}^2 +\varepsilon_n^2=A, \] \((\varepsilon_1-\varepsilon_2)^2+(\varepsilon_2-\varepsilon_3)^2 + \cdots + (\varepsilon_{n-1} - \varepsilon_n)^2 +(\varepsilon_n- \varepsilon_1)^2=B \) und findet dann im Durchschnitt: \[ A-\tfrac B2 =0 \text{ mit dem m } \cdot \text{ F.}= \pm \mu^2 \sqrt n, \text{ oder,} \] da \(A=n \mu^2\) ist, auch \[ \frac {2A}B=1 \pm \frac 1{\sqrt n} ; \quad \sqrt{\frac An} -\sqrt{\frac B{2n}} =0 \pm \frac \mu{2 \sqrt n}\,. \] Modifiziert man das \textit{Abbe}sche Kriterium in der Weise, daß\ man bildet \[ [\varepsilon^2] -\frac{\varepsilon_1^2+\varepsilon_n^2}2=A^*, \quad (\varepsilon_1-\varepsilon_2)^2+ (\varepsilon_2-\varepsilon_3)^2+ \cdots +(\varepsilon_{n-1} -\varepsilon_n)^2 =B^*, \] so wird sein \[ A^*- \frac{B^*}2 =0 \pm \mu^2 \sqrt{n-1}, \] \[ \frac {2A^*}B =1 \pm \frac 1 {\sqrt{n-1}}\,, \] \[ \sqrt{\frac{A^*}{n-1}} -\sqrt{\frac{B^*}{2(n-1)}} =0 \pm \frac \mu{2\sqrt{n-1}}\,. \] 6. Sind nicht wahre Fehler \(\varepsilon\) übrigbleibende Fehler \(\lambda\) einer Ausgleichung gegeben, und behandelt man sie nach den vorstehenden Formeln als wahre Fehler, so wirkt der Zwang, den die Ausgleichung in den \(\lambda\) ausübt, wie ein systematischer Fehlereinfluß. Man kann den systematischen Beobachtungsfehler dann also nur erkennen, wenn dieser Zwang gering ist, d. h., wenn der Quotient \(m:n\) aus der Anzahl \(m\) der bestimmten Elemente und der Anzahl \(n\) der Beobachtungen klein ist. Eine Berücksichtigung dieses Ausgleichungszwanges wird schließlich noch für das \textit{Abbe}sche Kriterium in dem einfachen Falle des arithmetischen Mittels durchgeführt. Setzt man nämlich \[ \lambda_1^2+\lambda_2^2+ \cdots + \lambda_n^2=A', \] \[ (\lambda_1-\lambda_2)^2+ (\lambda_2-\lambda_3)^2 +\cdots + (\lambda_{n-1}- \lambda_n)^2=B', \] so ist näherungsweise \[ \mu^2=\frac{[\lambda \lambda]}{n-1} =\frac{A'}{n-1} \] oder auch \[ 2 \mu^2=\frac {B'}{n-1}\,, \] so daß\ für den Durchschnitt unendlich vieler Fälle gilt: \[ 2A'=B', \] \[ A'-\frac{B'}2 = 0 \pm \mu^2 \sqrt{n-2}, \] \[ \frac {2A'}{B'} =1 \pm \frac{\sqrt {n-2}}{n-1} \text{ oder nahe } = 1\pm \frac 1{\sqrt n} \text{ für ein großes }n, \] \[ \sqrt{\frac{A'}{n-1}} -\sqrt{\frac{B'}{2(n-1)}} =0 \pm \frac \mu{ 2\sqrt n}\,. \] Ein konstanter Fehler der Beobachtungen kann selbstverständlich hierdurch nicht erkannt werden. 7. Zum Schluß\ wird noch an einem Beispiel (an den Unterschieden in den Schwingungsdauern zweier invariablen Halbsekundenpendel bei einer Reihe zur Bestimmung der Schwerkraft) gezeigt, daß\ die Betrachtung der Zeichenfolgen und -wechsel sowie das \textit{Abbe}sche Kriterium einen systematischen Einfluß\ andeuten, der im vorliegenden Falle durch die Veränderlichkeit der Pendel verursacht sein wird.
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