Über Modulfunktionen von mehreren Veränderlichen. (Erste Hälfte.) (Q1504100)
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scientific article; zbMATH DE number 2656858
| Language | Label | Description | Also known as |
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| English | Über Modulfunktionen von mehreren Veränderlichen. (Erste Hälfte.) |
scientific article; zbMATH DE number 2656858 |
Statements
Über Modulfunktionen von mehreren Veränderlichen. (Erste Hälfte.) (English)
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1903
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Von den Funktionen mehrerer Veränderlichen waren bis jetzt nur die algebraischen Funktionen und die \textit{Abel}schen Funktionen genauer untersucht worden. Da wir über die allgemeine Theorie der Funktionen mehrerer Veränderlichen nur wenig wissen, sind neue Beispiele sehr erwünscht. Eine solche neue Funktionenklasse sind die Modulfunktionen von mehreren Veränderlichen, mit denen sich \textit{Hilbert} in den Jahren 1893-94 beschäftigt hat, ohne jedoch seine Untersuchungen, die noch einer genaueren Ausarbeitung bedurften, der Öffentlichkeit zu übergeben. Er hat dann später seine Notizen, in denen die Gedankengänge nur kurz und ohne Beweis angedeutet waren, \textit{Blumenthal} überlassen, der sie zur Grundlage seiner im Juli 1901 der Göttinger philosophischen Fakultät vorgelegten Habilitationsschrift gemacht hat. Über \textit{Hilbert}s Notizen berichtet \textit{Blumenthal} folgendermaßen: ``Die Modulgruppe ist die Gruppe der linearen Substitutionen mit ganzen rationalen Koeffizienten und der Determinante 1. Sie `gehört' also zu dem Körper \(R\) der rationalen Zahlen. Legt man nun an Stelle des Körpers \(R\) einen beliebigen Zahlkörper \(k\) vom \(n\)-ten Grade zugrunde, der mit seinen sämtlichen Konjugierten reell ist, so gelangt man zu einer analogen Gruppe in \(n\) Variablen. Man ordnet jedem der konjugierten Körper \(k^{(i)}\) eine komplexe Variable \(x^{(i)}\) zu und betrachtet die Gruppe \(H\) der simultanen Substitutionen \[ y=\frac{\alpha x+\beta}{\gamma x+\delta},\dots, y^{(n-1)}=\frac{\alpha^{(n-1)}x^{(n-1)}+\beta^{(n-1)}}{\gamma^{(n-1)}x^{(n-1)}+\delta^{(n-1)}}\,. \] Dabei sind \(\alpha,\beta,\gamma,\delta\) ganze Zahlen des Körpers, deren Determinante \(\alpha \delta - \beta \gamma\) eine total (d. h. mit allen ihren konjugierten) positive Einheit des Körpers ist. Die Gruppe \(H\) hat ganz analoge Eigenschaften wie die gewöhnliche Modulgruppe. 1. Sie transformiert den \(\frac{1}{2^n}\)-Teilraum, in welchem die Koordinaten \(x,x',\dots,x^{(n-1)}\) positive imaginäre Bestandteile haben, in sich, ist in diesem Teilraum `eigentlich diskontinuierlich' und besitzt einen Fundamentalbereich \(D\). 2. Es lassen sich Funktionen konstruieren, welche sich zu den Substitutionen von \(H\) invariant verhalten, ebenso wie die Modulfunktionen zu der Modulgruppe. Mit anderen Worten: es gibt Funktionen des Fundamentalbereiches von \(H\). Man gewinnt solche Funktionen als Quotienten von Reihen, welche den \textit{Eisenstein}schen oder \textit{Poincaré}schen in der Theorie der Modulfunktionen, bezw. automorphen Funktionen analog sind. Die Reihen konvergieren unbedingt und gleichmäßig im Innern des \(\frac{1}{2^n}\)-Teilraums und haben auf dem Rande eine natürliche Grenze. 3. Für \(2n\)-fach periodische Funktionen von \(n\) Veränderlichen hat \textit{Weierstraß} zwei allgemeine Sätze ausgesprochen: I. Durch \(n\) voneinander unabhängige \(2n\)-fach periodische Funktionen ist jede andere algebraisch ausdrückbar. II. Durch \(n + 1\) geeignet gewählte \(2n\)-fach periodische Funktionen ist jede andere rational ausdrückbar. Diese Sätze gelten auch für die Funktionen des Fundamentalbereiches \(D\). Es lassen sich nun \(n\) voneinander unabhängige Reihenquotienten konstruieren. Man kann also alle Funktionen des Fundamentalbereiches durch Reihenquotienten algebraisch und sogar -- wie sich weiterhin ergibt -- rational ausdrücken. 4. Die interessanteste Analogie mit den Modulfunktionen aber bezieht sich auf den Zusammenhang der neuen Funktionen mit dem Transformationsproblem der Thetafunktionen mehrerer Veränderlichen. Herr \textit{Hilbert} zeigt hier, daß seine Funktionen bei diesem Problem eine ganz ähnliche Rolle spielen, wie die Modulfunktionen in bezug auf die elliptischen Funktionen. Er leitet insbesondere eine Formel ab, aus der sich schließen läßt, daß man zu Funktionen des Fundamentalbereichs gelangen kann, indem man die Quotienten von Theta-Nullwerten bildet.'' In dem ersten Teile der vorliegenden ersten Hälfte wird die Existenz eines Fundamentalbereichs für die Gruppe \(H\) bewiesen und gezeigt, wie man ihn in jedem einzelnen Falle tatsächlich herstellen kann. Der Fundamentalbereich ist einfach zusammenhängend, d. h. es existiert in seinem Innern keine Mannigfaltigkeit der \((2n-1)\)-ten Dimension, die sich nicht auf eine Mannigfaltigkeit geringerer Dimension zusammenziehen läßt. Er hat mit dem Rande des \(\frac{1}{2^n}\)-Teilraums, auf welchem die Gruppe nicht mehr eigentlich diskontinuierlich ist, nur einen Punkt im Unendlichen gemein. Als Anhang folgt noch der Beweis eines in den \textit{Hilbert}schen Notizen ausgesprochen zahlentheoretischen Satzes über Einheiten, der sich mit Hülfe der hier entwickelten Raumreduktion einfach erledigen läßt. Im zweiten Teile handelt es sich darum, Funktionen aufzustellen, welche durch jede Substitution der Gruppe \(H\) in sich übergeführt werden. Die Darstellung dieser Funktionen durch Reihen, der Beweis ihrer Konvergenz, die Betrachtungen über die Unabhängigkeit der Funktionen voneinander erfolgen nach Methoden, die von \textit{Picard} herrühren; einige auf den vorliegenden Fall passende Modifikationen hatte schon \textit{Bourget} (1898) gegeben. Ein besonders wichtiger Punkt ist das Verhalten der Reihen an der wesentlich singulären Stelle im Unendlichen. Mit Benutzung der Vorarbeiten von \textit{Picard} und \textit{Bourget} findet \textit{Blumenthal,} daß die Reihen sich im Unendlichen nach aufsteigenden Potenzen gewisser Variablen \(u', u'',\dots , u^{(n)}\) entwickeln lassen, die Exponentialfunktionen mit linearen Funktionen der \(x,x',\dots,x^{(n-1)}\) im Exponenten sind. In der zweiten Hälfte soll ein exakter Beweis der \textit{Weierstraß}schen Sätze I und II gegeben werden; die Beweise von \textit{Poincaré} und \textit{Wirtinger} erklärt \textit{Blumenthal} für nicht einwandfrei. Dagegen ist für die Untersuchungen über den Zusammenhang mit den Thetafunktionen eine selbständige Abhandlung in Aussicht genommen.
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