Lehrbuch der Thetafunktionen. Mit 10 Figuren im Text. (Q1504155)

From MaRDI portal
!
WARNING

This is the item page for this Wikibase entity, intended for internal use and editing purposes.

Please use the normal view instead:

scientific article; zbMATH DE number 2656926
Language Label Description Also known as
default for all languages
No label defined
    English
    Lehrbuch der Thetafunktionen. Mit 10 Figuren im Text.
    scientific article; zbMATH DE number 2656926

      Statements

      Lehrbuch der Thetafunktionen. Mit 10 Figuren im Text. (English)
      0 references
      0 references
      1903
      0 references
      ``\textit{Jacobi}s weitere Untersuchungen über die elliptischen Transzendenten'', sagt \textit{Dirichlet} in seiner Gedächtnisrede, ``sind aus einem Gedanken hervorgegangen, dem man wegen der Folgen, die er gehabt, vielleicht die erste Stelle unter seinen Konzeptionen einräumen muß. Es ist dies der Gedanke, die unendlichen Produkte, durch deren Quotienten \textit{Abel} die elliptischen Funktionen ausgedrückt hatte, als selbständige Transzendenten in die Analysis einzuführen. Als es ihm gelungen war, diese Produkte, die übrigens alle von derselben Natur und als besondere Fälle einer Transzendente anzusehen sind, in Reihenform darzustellen, erkannte er eine Funktion, welche sich französischen Mathematikern schon in Untersuchungen der mathematischen Physik dargeboten hatte, wo sie aber wenig beachtet und nur eine ihrer Eigenschaften bemerkt worden war. \(\dots\) Bei der späteren Darstellung der ganzen Theorie, wie \textit{Jacobi} sie in seinen Vorlesungen zu geben pflegte, bildet die Betrachtung der erwähnten Funktion den Ausgangspunkt. Die ganze Lehre gewinnt dadurch nicht nur einen überraschenden Grad von Einfachheit und Durchsichtigkeit, sondern dieser umgekehrte Gang ist auch dadurch bemerkenswert, daß er für andere später zu erwähnende Untersuchungen vorbildlich geworden ist.'' Die Untersuchungen, auf die \textit{Dirichlet} anspielt, sind die von \textit{Rosenhain} und \textit{Göpel,} welche, von den Thetafunktionen mit zwei Veränderlichen ausgehend, die einfachste Klasse der hyperelliptischen Funktionen behandelt hatten. Von der weiteren Verfolgung dieses Weges wurden die Mathematiker jedoch durch die unübersehbare Fülle der Formeln abgeschreckt, die ihnen entgegentrat, und \textit{Weierstraß} und \textit{Riemann} haben die Theorie hyperelliptischen und der \textit{Abel}schen Funktionen begründet, indem sie von den Eigenschaften der Integrale der algebraischen Funktionen ausgingen. Erst nachdem man so eine Orientierung gewonnen hatte, wurde es möglich, umgekehrt aus den Relationen zwischen Thetafunktionen die Theorie der Integrale der algebraischen Funktionen zu entwickeln. Freilich war es schwer, wie \textit{Frobenius} sich einmal ausgedrückt hat, aus dem Labyrinth von Formeln den Ausweg zu finden. ``Die Beschäftigung mit jenen Formelmassen'', meint er ``scheint auf die mathematische Phantasie eine verdorrende Wirkung auszuüben. Mancher der bedeutenden Forscher, deren zäher Beharrlichkeit es gelang, die Theorie der Thetafunktionen von zwei, drei oder vier Variablen zu fördern, ist nach den hervorragendsten Proben glänzendster analytischer Entdeckungen auf lange Zeit oder für immer verstummt.'' Um so mehr dürfen wir uns freuen, daß es \textit{Krazer} vergönnt gewesen ist, seine Forschungen auf dem gefährlichen Gebiete der Thetafunktionen, die ihn 25 Jahre hindurch beschäftigt haben, jetzt durch sein Lehrbuch der Thetafunktionen zu einem gewissen Abschluß zu bringen; denn dieses Lehrbuch zeichnet sich nicht nur durch die liebevolle und sorgfältige Behandlung des Gegenstandes aus, sondern ist auch mit einer Frische und Lebendigkeit geschrieben, die bei einem so spröden Stoffe doppelte Anerkennung verdient. Das Lehrbuch gliedert sich in drei Teile recht verschiedenen Umfanges: der erste, fast die Hälfte des Werkes bildende, bezieht sich auf die Thetafunktionen mit beliebigen Charakteristiken, der zweite auf solche Funktionen mit rationalen Charakteristiken, der dritte, weitaus kürzeste, auf spezielle Thetafunktionen. Nachdem der Verf. im ersten Kapitel die Haupteigenschaften der \(p\)-fach unendlichen Thetareihen hergeleitet und im besonderen über die so zahlreichen Konvergenzbeweise ausführlich berichtet hat, wendet er sich im zweiten und dritten Kapitel zu der Lehre von den Thetarelationen, die nach einheitlichen Gesichtspunkten zu entwickeln \textit{Prym,} dem das Werk gewidmet ist, und \textit{Krazer} selbst mit so großem Erfolge tätig gewesen sind. Nachdem sich ergeben hatte, daß diese Relationen durch direkte Umformung der in ihnen auftretenden unendlichen Reihen gewonnen werden können, zeigte sich weiter, daß diese Umformungen durchaus nicht auf Thetareihen beschränkt sind, sondern sich auf beliebige unendliche Reihen anwenden lassen. Dementsprechend werden im zweiten Kapitel Umformungen unendlicher Reihen untersucht und auf die Thetareihen angewandt die durch Einführung neuer Summationsbuchstaben mittels einer linearen Substitution mit rationalen Koeffizienten erhalten werden es verdient bemerkt zu worden, daß Krazer hier nicht unwesentlich über die früheren Darstellungen hinausgekommen ist. Das dritte Kapitel enthält ein zweites allgemeines Prinzip, das für einfach unendliche Reihen zuerst von \textit{Poisson} benutzt worden ist und in der Anwendung der \textit{Fourier}schen Formel besteht. Auf diese Weise ergeben sich Thetaformeln ganz allgemeinen Charakters, aus denen alle Thetarelationen entspringen, vorausgesetzt allerdings, daß die Moduln nicht in gewisser Weise spezialisiert werden, daß nämlich die Thetafunktionen nicht ``singuläre'' in dem Sinne von Humbert sind. Das vierte Kapitel betrifft die Darstellung allgemeiner \(2p\)-fach periodischer Funktionen von \(p\) komplexen Veränderlichen durch Thetafunktionen, wobei \textit{Krazer} sich, dem Zwecke seines Buches entsprechend, auf eine Skizzierung der \textit{Weierstraß}schen Sätze nach dem Vorbilde von \textit{Laurent} (Traité d'analyse, t. IV, Paris 1889) beschränkt; die aus dem Nachlaß von \textit{Weierstraß} herausgegebene Abhandlung (Werke III, 53-114) ist leider so spät erschienen), daß \textit{Krazer} sie nicht mehr benutzen konnte. Der Gegenstand des fünften Kapitels ist das Transformationsproblem, während das sechste die komplexe Multiplikation betrifft, d. h. die Frage nach Transformationen, bei denen die transformierten Moduln den ursprünglichen gleich sind. \textit{Krazer} folgt hier der Darstellung von \textit{Frobenius}, die freilich einer Ergänzung bedarf, weil dabei die singulären Transformationen im Sinne von \textit{Humbert} nicht berücksichtigt werden; hier wird die künftige Forschung einsetzen müssen. In der Theorie der \textit{Abel}schen Funktionen begegnet man beständig den Thetafunktionen mit halben Charakteristiken, die in dem umfangreichen siebenten Kapitel, das mit dem achten zusammen den zweiten Teil des Werkes ausmacht, ganz eingehend untersucht werden. Bei den \textit{Abel}schen Funktionen spielen die zwischen den \(2^{2p}\) derartigen Funktionen bestehenden Relationen, die Additionstheoreme ihrer Quotienten und die Gleichungen, welche die ursprünglichen und die transformierten Thetafunktionen miteinander verknüpfen, eine fundamentale Rolle. Von diesen Beziehungen gelingt es auf Grund der Betrachtungen des zweiten und dritten Kapitels, eine vollständige einen einheitlichen Gesichtspunkt wahrende Darstellung zu geben. Das achte Kapitel ist den Thetafunktionen gewidmet, deren Charakteristiken aus \(r\)-tel Zahlen gebildet sind. Die zwischen den \(r^{2p}\) Funktionen bestehenden Relationen werden aufgestellt. Im besonderen wird der Fall \(p=1\), \(r=3\) diskutiert und die Anwendung auf die Kurven dritter Ordnung durchgeführt; auch die elliptischen Normalkurven haben hier ihren Platz gefunden. Bei dem beträchtlichen Umfange, den die beiden ersten Teile haben, mußte der Verf. von vornherein die Absicht aufgeben, in dem dritten Teile eine Übersicht über die Theorie der \textit{Abel}schen und der hyperelliptischen Funktionen selbst zu geben; er mußte sich vielmehr auf die speziellen \textit{Abel}schen und die speziellen hyperelliptischen Thetafunktionen beschränken; von diesen handelt das zehnte, von jenen das neunte Kapitel. Bekanntlich enthalten die \(p\)-fach unendlichen Thetareihen in ihren Moduln \(\frac 12p(p+1)\) Parameter, während sich die Anzahl der willkürlichen Konstanten im hyperelliptischen Falle auf \(2p-1\), im \textit{Abel}schen auf \(3p-3\) reduziert. Die Bedingungen für die Moduln der hyperelliptischen Thetareihen haben bereits \textit{Weierstraß} und \textit{Riemann} erkannt; sie bestehen in dem Verschwinden gewisser gerader Thetafunktionen für die Nullwerte der Argumente Weit schwieriger liegt die Sache für den \textit{Abel}schen Fall; hier hat \textit{Schottky} für \(p=4\), den ersten in Betracht kommenden Wert des Geschlechtes, bewiesen, daß die zwischen den Moduln bestehende Beziehung in einer ziemlich verwickelten Relation zwischen geraden Thetanullwerten besteht. Die allgemeinen Thetafunktionen schienen somit in der Theorie der hyperelliptischen und \textit{Abel}schen Funktionen keine Stelle zu finden. Um so bemerkenswerter ist die Entdeckung \textit{Wirtingers,} daß doch eine Verbindung vorhanden ist, und zwar ergibt sie sich aus der Lehre von der Reduktion der \textit{Abel}schen Integrale vom Geschlechte \(q\) auf solche niedrigeren Geschlechtes \(p\), die in dem elften und letzten Kapitel behandelt wird. Jeder \(2p\)-fach periodischen Funktion vom \(p\) Veränderlichen ist nämlich eine Klasse algebraischer Funktionen vom Geschlechte \(q\) zugeordnet, bei der die \(2pq\) Perioden von gewissen \(p\) ihrer \(q\) linear unabhängigen Integrale erster Gattung sich aus \(2p^2\) Größen linear und ganzzahlig zusammensetzen lassen; diese \(p\) Integrale können also durch Transformation auf Integrale von dem niedrigeren Geschlechte \(p\) reduziert werden. Es gibt mithin \textit{Abel}sche Thetafunktionen vom Geschlechte \(q\), die nach einer Transformation höher Grades in Produkte je einer Thetafunktion von \(p\) und von \(q - p\) Veränderlichen zerfallen, und zwar so, daß die Thetafunktionen von \(p\) Variablen allgemeine Thetafunktionen sind. Die allgemeinen Thetafunktionen mit \(p\) Veränderlichen haben daher ihren Platz nicht bei den \textit{Abel}schen Funktionen vom Geschlechte \(p\), sondern bei gewissen reduzierbaren Funktionen höheren Geschlechtes \(q\). Den Schluß des Werkes bildet ein Autoren- und ein Sachregister, durch welche die Benutzung des umfangreichen Werkes in dankenswerter Weise erleichtert wird; im besonderen gilt das für die in ihm verstreuten zahlreichen und wertvollen historisch-literarischen Angaben.
      0 references

      Identifiers