Inhalt und Methode des planimetrischen Unterrichts. Eine vergleichende Planimetrie. (Q1532292)
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scientific article; zbMATH DE number 2687672
| Language | Label | Description | Also known as |
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| English | Inhalt und Methode des planimetrischen Unterrichts. Eine vergleichende Planimetrie. |
scientific article; zbMATH DE number 2687672 |
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Inhalt und Methode des planimetrischen Unterrichts. Eine vergleichende Planimetrie. (English)
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1890
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Wer als junger Lehrer nach abgelegter Oberlehrerprüfung zum ersten Male den geometrischen Unterricht übernehmen musste, war bisher für seinen Beruf sehr wenig vorbereitet. Das Studium der Mathematik auf der Universität setzt die auf der Schule gelehrten Kenntnisse voraus, geht aber auf den Inhalt der Elementar-Mathematik höchstens mit einigen Streifblicken ein. Ob durch die Einrichtung des Seminarjahrs hierin Wandel geschaffen wird, muss abgewartet werden. Meistens stellte sich bisher die Sache so, dass der Candidat die Erinnerungen an seine Schulzeit auffrischte, wenn er zu unterrichten anfing, dass er sich ferner an das von ihm zu benutzende Lehrbuch eng anschloss und erst allmählich von weiteren Anschauungen und Methoden Kenntnis erhielt, falls er nämlich seinem Unterrichtsgegenstande wirklich Interesse entgegenbrachte und sich deshalb um die Bestrebungen anderer kümmerte. Mancher aber auch blieb an dem ihm vorliegenden Lehrbuche haften und erfuhr nichts von entgegenstehenden Auffassungen. Es ist eben unbequem, die betreffende Litteratur zusammen zu suchen, und es erfordert viele eigene Arbeit, unter den sich bekämpfenden Ansichten die für richtig zu haltende auszuwählen. Daher ist es nun ein glücklicher Gedanke des Hrn. H. Schotten gewesen, diese Arbeit seinen Collegen zu erleichtern und die Ergebnisse seiner mühevollen Thätigkeit in einem mehrbändigen Werke zu veröffentlichen. Das Buch ``soll dazu dienen, rasch und sicher über die einschlägige Litteratur sich zur orientiren und nach den ausführlich gegebenen Citaten aus den verschiedenartigsten Werken über einen bestimmten Gegenstand ein Urteil sich bilden zu können''. Dem ersten Bande, welcher die geometrischen Grundbegriffe erörtert, ist ein einleitender Abschnitt über die Reformbestrebungen auf dem Gebiete des planimetrischen Unterrichtes vorausgeschickt. Danach werden in den einzelnen Capiteln behandelt: I. Der Raum. II. Die Geometrie. III. Die Raumbegriffe (Körper, Fläche, Linie, Punkt). IV. Die Gerade. V. Die Ebene. -- Nach einer Kennzeichnung der Fragen, um welche es sich handelt, führt der Verfasser die Stellen wörtlich vor, in denen die einzelnen Schriftsteller ihre Gedanken über den Gegenstand aussprechen, und giebt, meistens in Noten unter dem Texte, eine kritische Beleuchtung dieser Ansichten. Im zweiten Bande werden in eben derselben Weise Richtung und Abstand als Grundlage der einleitenden Betrachtungen erledigt, und zwar: I, \S 1. Richtung. \S 2. Abstand. \S 3. Lagen- und Massuntersuchungen. II. Der Winkel- und Parallelenlehre. -- An Stelle der im ersten Bande gewählten alphabetischen Reihenfolge der Autoren der Citate ist im zweiten die chronologische eingeführt. Weil der Umfang des Materials stärker geworden ist, als erwartet war, so sind von den ursprünglich beabsichtigten Abschnitten nur drei veröffentlicht worden; die am Schlusse des ersten Bandes angekündigten beiden Capitel über Hülfsbegriffe und die Methode bleiben einem weiteren Bande vorbehalten. Es ist erstaunlich, wie viele wissenschaftlichen Werke, Lehrbücher und Programm-Abhandlungen vom Verfasser zu Rate gezogen worden sind. Dass trotzdem manche Lücken vorhanden sind, wird im Vorworte selbst zugegeben und durch die Schwierigkeit der Beschaffung dieser Schriften in einer Provinzialstadt (Schmalkalden) ohne öffentliche Bibliothek entschuldigt. Wünschenswert wäre es gewesen, dass nicht bloss die deutsche Litteratur Berücksichtigung gefunden hätte. Die französischen Lehrbücher haben ja vielfach den deutschen als Vorbild gedient, und in Italien ist die Neugestaltung des geometrischen Unterrichts seit einem Jahrzehnt nicht von der Tagesordnung abgesetzt worden. Unter den hervorragenden deutschen Lehrbüchern vermisst Ref. ungern die Gallenkamp'schen, welche durch Originalität der Anordnung, durch Schärfe im Ausdruck und in der Beweisführung, sowie durch Ausbau der heuristischen Methode ausgezeichnet sind. -- Obwohl Ref. mit den kritischen Ausführungen des Verfassers nicht immer übereinstimmt, einige (z. B. Bd. I, S. 186) für irrig hält, so werden dieselben doch dem Leser vielfache Anregungen bieten. Die Benutzung der vorliegenden Bände ist dadurch erschwert, dass kein Sachverzeichnis beigegeben ist. Das am Schlusse jedes Bandes für die einzelnen Capitel gegebene alphabetische Register der Autoren, denen die Citate entnommen sind, oder deren Ideen einer kritischen Darstellung unterliegen, ersetzt zwar teilweise ein Sachverzeichnis, genügt aber nicht immer, wie Ref. sich überzeugt hat, wenn er eine Stelle wieder aufsuchen wolte, die gelesen zu haben er sich erinnerte. Wenn der Verf. in der Vorrede zum zweiten Bande darüber klagt, dass das Interesse der Fachgenossen sich seinem Buche nur in verschwindendem Masse zugewendet zu haben scheine, sodass der ideale Zweck, dem die Arbeit gewidmet ist, eine Umschau des Geleisteten zu geben und die Fachgenossen über neuesten Stand wie Entwickelung der Planimetrie nach Inhalt und Methode zu orientiren, bisher nur in sehr bescheidenen Grenzen sich verwirklicht habe, so muss Ref. den Wunsch aussprechen, dass das verdienstliche Werk des Hrn. Schotten, ebenso wie Reidt's Anleitung zum mathematischen Unterricht an höheren Schulen (F. d. M. XVIII. 1886. 44, JFM 18.0044.01), in jeder Bibliothek einer höheren Lehranstalt zu finden sein möge. Dann wird auch die vis inertiae, welche in jener beklagten Ercheinung bekundet ist, allmählich überwunden werden.
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