Zur Theorie der Cyklonen. (Q1534518)
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scientific article; zbMATH DE number 2691126
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| English | Zur Theorie der Cyklonen. |
scientific article; zbMATH DE number 2691126 |
Statements
Zur Theorie der Cyklonen. (English)
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1890
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Die theoretische Forschung richtet sich in der Meteorologie neuerdings vor allem auf die Erscheinungen, die aus dem Zusammenwirken der allgemeinen Circulation der Atmosphäre und der localen Ursachen für die Entstehung und Fortpflanzung der Cyklonen und Anticyklonen hervorgehen. Die vorliegende Abhandlung ist ein Beitrag zur Lösung der hierauf bezüglichen Probleme, die in ihrer Allgemeinheit natürlich der Untersuchung ganz ungeheure Schwierigkeiten darbieten. Der Verf. giebt nach einer einleitenden Uebersicht über den Umschwung, der sich in den Grundanschauungen über atmosphärische Bewegungen seit den bezüglichen Arbeiten von Ferrel, Hann und W. v. Siemens vollzogen hat, eine Skizze von dem vorerwähnten Zusammenwirken, insofern es in dem Verlaufe der mittleren Jahres- und Monatsisothermen der Erde zu erkennen ist. (Man sehe die Abhandlung S. 1298-1299 oder einen Auszug des Verfs. in der meteorologischen Zeitschrift 1891, S. 241 ff.) Er wendet sich dann zu der Frage, ob bei gegebenen Cyklonen oder Anticyklonen die Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse allein zur Erklärung der Thatsachen ausreichen, oder ob die Mitwirkung von Bewegungen zu berücksichtigen ist, die ausserhalb des betrachteten Wirbels oder des gerade betrachteten Teiles eines Wirbels liegen. ``Sind die Bewegungen in der Cyklone ausschliesslich Folge der in ihrem Centrum vorhandenen Luftverdünnung, oder ist umgekehrt die letztere ganz oder teilweise die Folge dieser Bewegungen, die alsdann ihre Ursache natürlich ausserhalb finden müssen?'' Das Letztere trifft sicherlich zu, wenn der Wind in der Richtung der Isobaren weht oder gar eine Componente gegen den Gradienten hat; denn dann ist Arbeit zu leisten, die unmöglich von der Gradientkraft geleistet werden kann. Die mathematische Behandlung der Aufgabe wird auf sogenannte ``centrirte Cyklonen'' beschränkt, d. h. auf Cyklonen mit kreisförmigen Isobaren und mit Winden, die in die Richtung der Isobaren fallen. Die einfache Bedingung für die Erhaltung eines centrirten Wirbels ist: \[ p_c+p_i+\varGamma=0, \] wenn \(p_c\) die Centrifugalkraft, \(p_i\) die ablenkende Kraft der Erdrotation, \(\varGamma\) die Gradientkraft bezeichnet. Die Summe ist eine algebraische, und den drei Grössen ist in den vier verschiedenen Fällen, die möglich sind, das richtige Zeichen zu geben. Praktische Bedeutung hat unter den vier Fällen nur der eine, derjenige der cyklonalen Rotation mit einwärts gerichteten Gradienten; in diesem Falle ist \[ p_c+p_i-\varGamma=0. \] \(p_c\) und \(p_i\) können mit Hülfe der Windgeschwindigkeit \(v\), des Radius der Trägheitsbahn \(r\), der (mittleren) geographischen Breite \(\varphi\) und der Dauer der Erdrotation \(T\) leicht ausgedrückt werden; dann ergiebt sich \(\varGamma\) oder auch \(\gamma=\frac{\varGamma}m,\) also die Beschleunigung der Gradientkraft, in folgender Weise: \[ \gamma=\frac{v^2}r+vk.\sin \varphi, \] wo \[ k=\frac{4\pi}T=\text{0,0001458}. \] Andererseits ist \[ \gamma=\frac G{111\,111}\cdot \frac{\text{13,6}}{\varrho} \cdot g=\text{0,00012237}.G. \frac g{\varrho}, \] wenn \(G\) der Gradient, d. h. der Unterschied der Barometerstände an zwei Punkten, die in der Richtung des grössten barometrischen Gefälles einen Abstand von einem Meridiangrad haben, und wenn \(\varrho\) die in einem cbm Luft enthaltene Masse ist. Drittens ist, wie der Verf. zeigt, \(\gamma=g.\text{tg\,} \alpha,\) wo \(\alpha\) der Winkel ist, den die Flächen gleichen Druckes mit der Horizontalebene bilden, -- im allgemeinen ein sehr kleiner Winkel (für ein bestimmtes Beispiel berechnet der Verf. \(\alpha=0^{\circ}1'36''\)), so dass man statt \(\text{tg\,} \alpha\) auch \(\sin \alpha\) setzen könnte; dann wäre die Beschleunigung dieselbe wie die eines Körpers, der ohne Reibung auf den Flächen gleichen Druckes hinabgleitet. -- Die Gleichungen, die man erhält, wenn man die Werte von \(\gamma\) einander gleich setzt, zeigen, dass zwischen der Druckverteilung und den Windgeschwindigkeiten bestimmte Beziehungen vorhanden sein müssen, wenn der Wirbel fortbestehen soll: einer bestimmten Druckverteilung entsprechen bestimmte, sogenannte ``kritische'' Geschwindigkeiten, gegebenen Geschwindigkeiten aber ``kritische Druckflächen'' und diesen zugehörige ``kritische Gradienten''. ``Im centrirten Wirbel müssen die Druckflächen mit den kritischen Flächen zusammenfallen und die effectiven Gradienten gleich den kritischen Gradienten sein''. Je nachdem die Neigung der Druckflächen grösser oder kleiner als die der kritischen Flächen ist, herrscht centripetale oder centrifugale Bewegung. Die Untersuchung lehrt nun, dass centrirte Cyklonen, wenigstens solche, die an der Basis centrirt sind, thatsächlich vorkommen können und auch gar nicht zu den Seltenheiten gehören. Dagegen ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Cyklonen auch in grösserer Höhe centrirt bleiben; vielmehr hat man dort centrifugale Bewegung zu erwarten, selbst wenn sie gegen den Gradienten erfolgen sollte. Alsdann muss aber die Energie der Bewegung ihren Ursprung anderswo haben als in dem betreffenden Teile der Cyklone. -- Es kann geschehen, dass am Erdboden centripetale, von einer gewissen Höhe ab aber centrifugale Bewegung herrscht, während die Cyklone in der Trennungsschicht centrirt ist. Wenn diese Schicht dem Erdboden sehr nahe ist, dann können im Innern der Cyklone durch saugende Wirkung des unteren luftverdünnten Teiles absteigende Bewegungen herbeigeführt werden. Hieraus ist vielleicht das ``Auge des Sturmes'', die in den Wetterkarten zuweilen nachweisbare Abnahme der Bewölkung bei Annäherung des Centrums und die gelegentlich beobachtete Trockenheit im Innern der Cyklone zu erklären. Bei den Tornados müssen die kritischen Flächen ausserordentlich grosse Neigung haben und enorme Gradienten vorhanden sein, wenn die Kreisbewegung nicht in eine centrifugale übergehen soll. Deswegen ist centripetale Bewegung und ein Aufsteigen der Luft in dem Axenkanal des Wirbels höchst unwahrscheinlich. Absteigende Bewegungen sind wohl denkbar, aber nicht aus dem Herabsteigen des Wolkenschlauches zu folgern; dies kommt daher, dass zuerst oben eine sehr beträchtliche Geschwindigkeit herrscht, die dann Verdünnung der Luft und Condensation des Wasserdampfes zur Folge hat.
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