Mitteilungen zur Lehre vom Transfiniten. I. II. (Q1537804)

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scientific article; zbMATH DE number 2695712
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    Mitteilungen zur Lehre vom Transfiniten. I. II.
    scientific article; zbMATH DE number 2695712

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      Mitteilungen zur Lehre vom Transfiniten. I. II. (English)
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      1887
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      Von den acht Abschnitten, in welche diese Arbeit zerfällt, bringen die ersten sieben eine Reihe von Briefen des Verfassers an verschiedene Mathematiker und andere Gelehrte, welche allerlei Punkte der vom Verfasser aufgestellen Theorie der unendlichen Grössen bemängelt oder nicht hinreichend klar gefunden hatten. Da diese Briefe bei aller Wissenschaftlichkeit des Inhalts nicht sowohl ex cathedra reden, als vielmehr auf Schwierigkeiten des Verständnisses in möglichst populärer und erschöpfender Weise eingehen, die Kernpunkte der Theorie hervorheben, die Differenzpunkte zwischen dem Verfasser und anderen Autoritäten festellen, und dem Vorstellungsvermögen des Lesers auf mannigfache Weise zu Hülfe kommen, so bilden sie einen recht willkommenen Commentar zu den früheren Arbeiten des Verfassers auf diesem Gebiete. Folgende Punkte treten besonders hervor. Der Verfasser unterscheidet drei Arten des Unendlichen: 1) das absolute (unvermehrbare) = Gott, 2) das erfahrungsmässige (vernehrbare) in der realen Welt, 3) das abstracte (``transfinite'') im Denken. Indem man die Existenz jeder einzelnen von diesen drei Arten des Unendlichen bestreiten oder behaupten kann, ergeben sich durch Combination acht verschiedene Standpunkte. Der Verfasser bekennt sich zu demjenigen, welcher die Existenz aller drei Arten behauptet. Je nachdem die Ordnung der gleichen Elemente einer Menge beliebig oder bestimmt ist, entspricht dieser Menge eine Cardinalzahl oder ein Ordnungstypus (Idealzahl). Letzterer wird zur Ordnungszahl, wenn die Menge wohlgeordnet ist. In der Bestimmung des Begriffs der Zahl befindet sich der Verfasser namentlich mit Helmholtz und Kronecker im Widerspruch. Er will die Zahl nicht als blosses Zeichen betrachtet wissen, auch nicht als Resultat eines von der Zeit abhängigen subjectiven Zählprocesses, sondern als Ergebnis gleichzeitiger Zusammenfassung vieler Elemente. Der Begriff der Irrationalzahl soll nicht überflüssig gemacht, sondern erforscht und klar gestellt werden. Ueber die Auffassung des Unendlichen hat der Verfasser eingehende historische Studien gemacht, die sich auch auf Mathematiker des Altertums und Kirchenväter erstrecken. Seiner eignen Auffassung nach ist das in der Mathematik als Grenze erscheinende Unendlichgrosse (\(\infty\)) als potentiell Unendliches oder Unendlichwerdendes scharf zu unterscheiden von der ``transfiniten'', bestimmten, actuell unendlichen Zahl (\(\omega\)), die das Unendlichseiende repräsentirt, aber nur die kleinste eines ganzen Systems transfiniter Zahlen ist, für welches wesentlich andere Rechnungsregeln gelten, als für die endlichen Zahlen. Die mit der Anwendung des Unendlichkeitsbegriffes oft verbundenen Widersprüche erklärt der Verfasser durch den fehlerhaften Versuch, Gesetze der endlichen Zahlen auf das Unendliche anzuwenden. So liegen ihm auch \(\omega\) und alle anderen transfiniten Zahlen ausserhalb der Zahlenreihe \(1, 2, 3 \dots\) Actuell unendliche Mengen sind z. B. der Inbegriff aller endlichen ganzen positiven Zahlen, die Gesamtheit aller Punkte eines Kreises, aller punktartig vorzustellenden Monaden, die einen Körper constituiren. Wie 1 die kleinste aller endlichen Zahlen ist, die grösser ist als alle der Bedingung \[ 1-z_{\nu}=\frac{1}{\nu}\quad\text{(für unendlich werdendes }\nu) \] genügenden Zahlen \(z_{\nu}\), so ist \(\omega\) die kleinste aller unendlichen Zahlen, die grösser ist als alle endlichen Zahlen \(\nu\). Eine wachsende endliche Zahl \(\nu\) kommt der Zahl \(\omega\) nicht beliebig nahe, sondern jede noch so grosse Zahl \(\nu\) bleibt von \(\omega\) ebensoweit entfernt als die kleinste endliche Zahl. Dagegen bestreitet der Verfasser, im Gegensatze zu Stolz und Dubois-Reymond, die Existenz actualer unendlich kleiner Zahlgrössen. (Differentiale sind veränderliche, beliebig klein anzunehmende Hülfsgrössen.) Das Archimedische Axiom, dass aus jeder noch so kleinen begrenzten Strecke durch endliche Vervielfachung beliebig grosse endliche Strecken erzeugt werden können, erscheint im Lichte der Cantor'schen Theorie als ein bewiesener Satz. Der achte Abschnitt der Abhandlung giebt im ersten Teile die Fundamente einer Theorie der Cardinalzahlen. Aequivalente Mengen sind solche, die sich gegenseitig und vollständig zuordnen lassen. Weiter werden Begriff und Eigenschaften der Addition und Multiplication endlicher und unendlicher Mengen erörtert. Wesentlich ist hierbei der Umstand, dass einer unendlicher Menge dieselbe Zahl zukommen kann, wie einem ihrer Bestandteile. Der in diesem Satze von Alters her gefundene Widerspruch löst sich nach Cantor durch folgende Unterscheidung: Ist \(M'\) Teil einer Menge \(M\), so hat \(M\) mehr Realität als \(M'\), die den beiden Mengen \(M\) und \(M'\) zukommenden Cardinalzahlen erfordert die Heranziehung der Ordnungstypen, mit welchen sich der zweite Teil dieses Abschnittes beschäftigt. Man kann diese Untersuchungen wohl als eine Ausdehnung der Combinationslehre aus dem linearen in höher dimensionirte Gebiete bezeichnen, insofern jede gewöhnliche Permutations- oder Combinationsform als lineare Gruppe von Buchstaben, Ziffern, Punkten oder sonstigen Elementen bezeichnet werden kann. Diese Untersuchungen gipfeln in der Lösung der Aufgabe: die Anzahl aller ``zweifachen Ordnungstypen von gegebener Cardinalzahl \(m''\) zu bestimmen, d. h. die Anzahl aller Stellungen, welche \(m\) Punkte auf den \(m^{2}\) Eckpunkten eines ebenen quadratischen Gitters von der Seitenzahl \(m\) einnehmen können. Mit der Erweiterung auf \(n\)-fache Ordnungstypen tritt die Aufgabe sodann aus dem ebenen in das \(n\)-dimensionale Gebiet. Es handelt sich dabei offenbar um eine Aufgabe der Combinationslehre, welche im linearen Gebiete gegenstandlos wird, da \(m\) Punkte auf einer Geraden in dem hier festgestellten Sinne nur eine Anordnung zulassen. Eine Fortsetzung dieser Untersuchungen ist in Aussicht gestellt.
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