Zur Geschichte und Theorie der elementaren Abbildungsmethoden. (Q1548065)
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scientific article; zbMATH DE number 2705571
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
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| English | Zur Geschichte und Theorie der elementaren Abbildungsmethoden. |
scientific article; zbMATH DE number 2705571 |
Statements
Zur Geschichte und Theorie der elementaren Abbildungsmethoden. (English)
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1882
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Unter elementaren Abbildungs- (Projections-) Methoden sind hier die sich an den natürlichen Sehvorgang anschliessenden verstanden. Zunächst werden die verschiedenartigen Anforderungen besprochen, die an diese Abbildungen zu stellen sind, je nachdem sie mathematischen, technischen oder künstlerischen Zwecken dienen sollen. Die beiden letzteren führten schon bei den Griechen zu einer gewissen, wenn auch mathematisch rohen perspectivischen Raumanschauung. Besondere Wichtigkeit verdient des Weiteren die künstlerische (Hoch - und Flach-) Reliefbildnerei vom Alterthum bis in die neuere Zeit, die unbewusst gewisse mathematische Constructionsregeln involvirt. Hieran knüpft sich die Erörterung der Streitfrage, ob und in wie weit die geometrischen Regeln der Reliefperspective dem Künstler überhaupt nützlich seien (da ja in praxi das Projectionscentrum ein stets bewegliches ist), das zu Gunsten der Geometrie entschieden wird. Dabei wird die weniger bekannte Tatsache erwähnt, dass ein Maler Breysig die Regeln dieser Reliefperspective schon 24 Jahre vor Poncelet (wenn auch in unmathematischer Form) aufgestellt hat, was letzterer erst anerkannte, später aber wieder in Abrede stellte. Der Herr Verfasser macht übrigens darauf aufmerksam, wie man die oft gerügten Mängel dieser Perspective, d. h. ihre unnatürlichen Schlagschatten und den Mangel an eigentümlichen Schatten, durch geeignete Beleuchtung wenigstens theoretisch beseitigen kann. Es folgen die Ansichten, die sich der Herr Verfasser im Verlauf seiner Lehrthätigkeit über den Vorgang der natürlichen Abbildung der Objecte im Auge gebildet hat, Ansichten, die sich den physiologisch-psychologischen Aufstellungen der neueren Zeit anschliessen. Mathematisch genommen erteilt er der Centralprojection vor den anderen den Vorzug, allgemeiner derjenigen Methode, die sich nur einer Projectionsebene bedient. Nunmehr wendet sich der Herr Verfasser zum Hauptgegenstande, zu der Frage, wie sich von der Centralprojection aus die Abbildung durch reciproke Radien und damit die ganze, von dieser Abbildung ja beherrschte Geometrie der Kreis- und Kugelsysteme behandeln lasse. Die Antwort lautet ``mittelst der Cyklographie'', d. h. mittelst der Abbildung der Punkte des Raumes auf die Kreise einer festen Ebene, indem jedem Raumpunkte der Distanzkreis der Orthogonalprojection (des Punktes auf die Ebene) zugeordnet wird. Der Herr Verfasser giebt ein Selbstreferat über sein unter dem Namen der ``Cyklographie'' neuerdings erschienenes Buch. Da über letzteres in diesem Jahrbuch im folgenden Capitel referirt ist, so möge nur einiges Wenige hier hervorgehoben werden. Einer Geraden im Raume entspricht ein System von Kreisen mit einerlei Centrale und gemeinsamem Aehnlichkeitspunkt; das räumliche Bild aller Kreise der festen Ebene durch einen, resp. zwei Punkte ist ein zur Ebene orthogonal-symmetrischer Kegel, resp. eine solche gleichseitige Hyperbel. Das Bild der Kreise mit demselben Orthogonalkreis ist ein gleichseitiges zur Ebene symmetrisches Rotationshyperboloid etc. Die Durchdringungscurven der hier auftretenden Flächen sind nur Gerade und Kegelschnitte. Letztere treten hier einmal als Orte der Centra von sich nach gewissen, sehr mannigfaltigen Bedingungen bewegenden Kreis auf, andererseits als Centralprojection des Kreises, was zu ihren projectivischen Eigenschaften führt. Zu der Methode der reciproken Radien (Inversion) gelangt man hierbei so. Zwei Kreise der festen Ebene bestimmen ein Kreisbüschel, dessen Bild eine gleichseitige Hyperbel ist. Der Durchstosspunkt der Hyperbelaxe und der Centrale des Kreisbüschels liefert durch die entsprechende Hyperbelordinate den einen der beiden Potenzkreise der gegebenen: in Bezug auf den Potenzkreis als Directrix sind dann die beiden gegebenen Kreise Bilder in der Inversion. Durch Drehung der Kreise in der Ebene um ihre Durchmesser gelangt man zur räumlichen Inversion, umgekehrt beim Rückgang auf eine Dimension zur Involution. Als bezeichnendste Anwendung der Cyclographie dient die vom Herrn Verfasser noch vielfach erweiterte Figur des Feuerbach'schen Kreises. Als Anhang treten noch zwei Ergänzungen zum Vorigen auf: einmal wird der Dualität in der Cyklographie ihre wichtige Stelle zugewiesen, sodann die Möglichkeit der Ausdehnung der ganzen Betrachtungen auf den Raum von vier Dimensionen mitgeteilt, ein Gebiet, auf dem schon Herr Veronese mit Erfolg vorgeschritten war.
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