Kinematisch-geometrische Untersuchungen der Bewegung gesetzmässig-veränderlicher Systeme. (Q1558013)

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scientific article; zbMATH DE number 2715956
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    Kinematisch-geometrische Untersuchungen der Bewegung gesetzmässig-veränderlicher Systeme.
    scientific article; zbMATH DE number 2715956

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      Kinematisch-geometrische Untersuchungen der Bewegung gesetzmässig-veränderlicher Systeme. (English)
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      1875
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      Zwei in der Ebene liegende collineare Systeme haben drei selbstentsprechende Punkte und drei selbstentsprechende Gerade, welche durch diese Punkte gehen. Ist ausser drei selbstentsprechenden Punkten noch einem beliebigen Punkt in dem einen System ein beliebiger Punkt in dem anderen System zugewiesen, so sind diese Systeme in ihrer collinearen Beziehung bestimmt, d. h. aus den einander augewiesenen Elementen ist zu jedem neuen beliebig gewählten Punkt im ersten Systemder entsprechende im zweiten construirbar. Wenn nun ein ebenes System in sich collinear bleibend sich so bewegt, dass drei seiner Punkte fast sind, der vierte aber eine beliebige Bahn durchläuft, so ist dadurch eine Bewegung bestimmt, welche als einförmige Bewegung eines collinear veränderlichen Systems bezeichnet wird. Den Gesetzen dieser Bewegung ist der erste Theil der Abhandlung im Wesentlichen Gewidmet. Die Grundlage für diese Gesetze bildet der Satz: ``Alle Bahncurven der beweglichen Systempunkte sind entsprechende Curven in collinearen ebenen Systemen, welche die drei festen Punkte als selbstentsprechende Punkte besitzen''. Ein wichtiges Princip der Umkehrbarkeit der Bewegung knüpft sich an diesen Satz. Geht bei der einförmigen Bewegung eines collinear veränderlichen ebenen Systems \(S\) die Systemcurve \(K\) durch die Phasen \(K_1, K_2, K_3 \ldots\), so beschreiben die Punkte \(A, B, C\ldots\) der Curve \(K\) due Bahncurven \(a, b, c \ldots\) Denkt man alle Phasen \(K_1, K_2, K_3 \ldots \) erstarrt, so lassen sich diese als Bahncurven einer Curve \(L\) ansehen, welche einem neuen collinear veränderlichen System \(\varSigma\) angehört, das dieselben festen Punkte wie das System \(S\) besitzt, und deren Phasen \(a, b, c \ldots\) sind. Eine derartige Umkehrbarkeit der Bewegung gilt auch bei der allgemeinen Bewegung eines collinear veränderlichen Systems, mit welcher sich der Verfasser in einer früheren Arbeit beschäftigt hat. Gegen Ende des ersten Theils wird dieses Princip für allgemeine Bewegungsformen dargelegt und seine Fruchtbarkeit für die Erforschung kinematisch-geometrischer Gesetze an einem Specialfall nachgewiesen. Was nun im Besonderen die einförmige Bewegung collinear veränderlicher Systeme betrifft, so folgt unmittelbar aus dem oben angeführten Fundamentalgesetz, dass, wenn die Bahn eines Punktes ein solcher, welcher zwei selbstentsprechende Gerade in je einem selbstentsprechenden Punkte berührt, so berühren die Bahnkegelschnitte aller beweglichen Systempunkte jene Geraden in denselben Punkten; sie bilden also ein Büschel von Kegelschnitten, für welche der dritte selbstentsprechende Punkt, und die dritte selbstentsprechende Gerade Pol und Polare sind. Da je ein Element dieser Kegelschnittschaar durch einen Punkt eindeutig bestimmt ist, so muss jeder Kegelschnitt der Schaar bei der betrachteten Bewegung sich in sich selbst bewegen. Als Hüllbahncurve eines solchen Kegelschnitts ist also der Kegelschnitt selbst auszufassen. Die besondere Natur dieser Kegelschnittschaar giebt Veranlassung zu der Frage, ob es bei der einförmigen Bewegung collinear veränderlicher Systeme noch andere Curvensysteme giebt, welche bei solcher Bewegung in sich selbst übergehen. In der That giebt es solche Curven, welche der Verfasser ``Selbsthüllcurven'' nennt; es sind das dieselben Curven, welche die Herren Klein und Lie in der Abhandlung ``Ueber diejenigen ebenen Curven, welche durch ein geschlossenes System von einfach unendlich vielen vertauschbaren linearen Transformationen in sich selbst übergehen'' (Clebsch Ann. IV. p. 50, siehe F. d. M. III. p. 348, JFM 03.0348.01) \(W\)-Curven genannt und analytischgeometrisch in ihren wichtigsten Eigenschaften untersucht haben. Im zweiten Theile der Abhandlung wendet sich der Verfasser zu collinear-veränderlichen räumlichen Systemen. Zwei collineare räumliche Systeme sind durch fünf Paar entsprechender Punkte bestimmt. Nimmt man demnach vier Punkte als fest an und lässt einen fünften auf einer beliebigen Bahn sich bewegen, so ist dadurch die Bewegung eines in sich collinear bleibenden Raumgebildes bestimmt. Eine derartige Bewegung wird wieder ``einförmig'' genannt. Als Grundgesetz gilt, dass alle Bahncurven der Systempunkte entsprechende Curven in collinearen räumlichen Systemen sind, welche die vier festen Punkte als selbstentsprechende Punkte besitzen. Auch für diesen Bewegungsvorgang gilt das Princip der Umkehrung. Es lassen sich nämlich bei der einförmigen Bewegung eines collinear-veränderlichen Systems \(S\) die Bahncurven der Punkte einer Systemcurve \(C\) als Phasen einer Systemcurve \(\varGamma\) eines anderen einförmig bewegten collinearveränderlichen Systems \(\varSigma\) ansehen, welches dieselben vier selbstentsprechenden Punkten enthält, wie das System \(S\). Die Punkte der Curve \(\varGamma\) durchschreiten dabei die erstarrt gedachten Phasen der Curve \(C\), und die Phasen der in \(\varSigma\) liegenden Systemcurve \(\varGamma\) erzeugen dieselbe Bahnfläche, welche durch die Phase der in \(S\) liegenden Systemcurve \(C\) beschrieben wird. Ein ähnliches Umkehrungsprincip gilt für die Bahncurven der Punkte einer Systemfläche \(F\) eines einförmig bewegten collinear-veränderlichen räumlichen Systems \(S\). Es lassen sich diese Bahncurven als die Phasen einer Systemcurve \(\varDelta\) eines anderen einförmig bewegten collinearveränderlichen Systems \(\varSigma\) auffassen, welches dieselben vier selbstentsprechenden Punkte enthält, wie das System \(S\), und dessen auf \(\varDelta\) liegende Punkte sich auf den erstarrt gedachten Phasen der Fläche \(F\) bewegen. Aus diesen grundlegenden Theoremen werden eine Reihe von Bewegungsgesetzen gefolgert, auf die hier des Näheren nicht eingegangen werden kann. Es mag genügen, auf ein Analogon der einförmigen Bewegung collinearveränderlicher ebener Systeme hinzuweisen. Die Geraden, welche die selbstentsprechenden vier Punkte des einförmig bewegten collinear-veränderlichen räumlichen Systems verbinden, sind selbstentsprechende Geraden, und eine Fläche zweiten Grades, welche vier von diesen Geraden in sich enthält, hat die beiden noch übrigen zu conjugirten Polaren. Bewegt sich ein Systempunkt auf einer solchen Fläche, so bewegt sich jeder in dieser Fläche liegende Systempunkt auf dieser Fläche, d. h. eine derartige Fläche bewegt sich in sich selbst. Ist im Besonderen die Bewegung eine solche, dass ein Systempunkt auf einer Geraden dieser Fläche fortschreitet, so bewegen sich alle auf dieser Fläche liegenden Systempunkte auf der Regelschaar, zu der diese Gerade gehört, und die Geraden dieser Regelschaar als Systemgerade angesehen, bewegen sich in sich selbst, während die andere Regelschaar wandelnd in sich selbst übergeht. Diese Sätze führen zu der allgemeinen Frage über, ob es bei der einförmigen Bewegung eines collinear-veränderlichen räumlichen Systems noch andere Systemcurven udn Systemflächen giebt, welche in sich selbst übergehen. In der That giebt es solche; der Verfasser nennt sie ``Selbsthüllcurven'' und ``Selbsthüllflächen''; es sind das dieselben Curven und Flächen, welche die Herren Klein und Lie zuerst behandelt und als \(W\)-Curven und \(W\)-Flächen bezeichnet haben. (Sur une certaine famille de courbes et de surfaces, C. R. LXX. s. F. d. M. II. p. 632, JFM 02.0632.01). Die Reihe der interessanten Betrachtungen schliesst mit einem bemerkenswerthen Satz, der hier noch eine Stelle finden mag: ``Bewegt sich eine Systemgerade eines einförmig bewegten collinear veränderlichen räumlichen Systems so, dass sie mit Geraden eines Strahlencomplexes zusammenfällt, welche mit dem festen Tetraeder ein constantes Doppelverhältniss bilden, so geht dieser Strahlencomplex, wenn er zu dem System gehörend angesehen wird, in sich selbst über. Der dritte Theil der Abhandlug ist der Bewegung kreisverwandt veränderlicher ebener Systeme gewidmet. Kreisverwandt heissen zwei ebene Systeme, wenn jedem Punkt des einen Systems ein Punkt des anderen dergestalt entspricht, dass je vier Punkten des einen Systems, welche in einem Kreise liegen, vier in einem Kreise liegende Punkte im anderen System entsprechen, der Winkel aber, unter welchem sich zwei Kreise in einem System schneiden, in Grösse und festgesteltem Sinne gleich dem Winkel ist, welchen die entsprechenden Kreise im anderen System bilden. Dieser Definition gemäss entsprechen den Punkten auf der unendlich fernen Geraden die Punkte eines unendlich kleinen Kreises, den der Verfasser ``Gegenpunktkreis'' nennt; jeder Geraden in dem einen System entspricht daher in dem anderen ein durch den Gegenpunktkreis gehender Kreis, und einem jeden durch den Gegenpunkt gehenden Kreise in einem System ordnet sich in dem anderen eine gerade Linie zu, einer geraden Linie aber, welche durch den Gegenpunkt eines Systems geht, entspricht wieder eine gerade Linie, welche im anderen System durch den Gegenpunkt läuft. Wegen der eindeutigen Wechselbeziehung der auf diesen Geradenliegenden Punktreihen umhüllen die Verbindungsgeraden entsprechender Punkte einen Kegelschnitt; die Brennpunkte dieses Kegelschnitts sind die selbstentsprechenden beiden Punkte der kreisverwandten Systeme. Liegt im besonderen einer dieser Brennpunkte im Unendlichen, so geht die Kreisverwandtschaft in Aehnlichkeit über. Nach diesen Dalegungen betrachtet der Verfasser die Bewegung eines kreisverwandt veränderlichen Systems und zwar zunächst eine solche, bei welcher zwei Punkt als stets sich selbst entsprechende fest bleiben, während ein dritter auf einer beliebigen Bahn dahinschreitet. Die beiden festen Punkte \(O\) und \(P\) nennt er ``Verwandtschaftspole''; durch sie und die vorgeschriebene Bahn eines Punktes ist die Bewegung und Veränderung des in sich kreisverwandt bleibenden Systems bestimmt. Transformirt man jede Systemphase durch reciproke Radien in Bezug auf einen der Verwandtschaftspole, etwa \(P\), so haben alle transformirte Systemphasen den transformirten Verwandtschaftspol \(O'\) und die unendlich entfernte Gerade gemeinsam, und es lassen sich die transformirten Systemphasen als Phasen eines einförmig bewegten ähnlich-veränderlichen Systems ansehen. Durch diese Uebertragbarkeit der kreisverwandten in ähnliche Systeme werden nunmehr die wichtigsten Gesetze der betrachteten Bewegung ermittelt; die besondere Bewegung aber, mit der der Verfasser sich zunächst beschäftigt, nennt er im Gegensatze zu allgemeineren Bewegungsformen die einförmige Bewegung. Als Grundgesetz dieser Bewegung gilt der Satz, dass alle Bahncurven der beweglichen Systempunkte entsprechende Curven in kreisverwandten Systemen sind, welche die Verwandtschaftspole als selbstentsprechende Punkte besitzen. Bewegt sich im besonderen ein beweglicher Systempunkt auf einem Kreise, welcher durch die Verwandtschaftspole geht, so bewegt sich jeder Systempunkt auf einem solchen Kreise, d. h. ein solcher Kreis als Systemkreis aufgefasst bewegt sich in sich selbst. Eine gleiche Eigenschaft zeigen diejenigen Kreise, welche der Kreisschaar angehören, für welche die Verwandtschaftspole die sogenannten Grenzpunkte sind, deren Durchmesser also durch die Verwandtschaftspole harmonisch getheilt werden. Endlich zeigen die logarithmischen Doppelspiralen, deren beide asymptotische Punkte die Verwandtschaftspole sind, dasselbe Verhalten; bewegt sich also ein Punkt in einer solchen Bahnform, so bewegen sich alle Systempunkte in derartigen logarithmischen Doppelspiralen, d. h. jede derartige logarithmische Doppelspirale ist bei dem Bewegungsvorgang eine Selbsthüllcurve. Die Natur dieser Doppelspiralen, welche bei der einförmigen Bewegung kreisverwandter Systeme eine so eigenartige Rolle spielen, sind von Herrn Holzmüller in einer Abhandlung (Schlömilch Z. XVI. 269, s. F. d. M. III. p. 431, JFM 03.0431.03) eingehend untersucht worden. -- Zum Schluss der Arbeit werdet sich der Verfasser zu der Betrachtung allgemeinerer Bewegungsformen kreisverwandt-veränderlicher ebener Systeme.
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