General theory of geodetic triangles. (Q1563191)

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scientific article; zbMATH DE number 2723371
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    General theory of geodetic triangles.
    scientific article; zbMATH DE number 2723371

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      General theory of geodetic triangles. (English)
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      1868
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      Die bisherigen Arbeiten über geodätische Dreiecke hatten immer gewisse Einschränkungen zur Voraussetzung; entweder waren die Dreiecke unendlich klein, oder die zu Grunde gelegte Fläche war ein von der Kugel wenig verschiedenes Sphäroid. Die vorliegende Abhandlung führt nun die Lösung des allgemeinen, von jenen Einschränkungen befreiten Problems zurück auf die Theorie einer Function von vier Veränderlichen, der ``reducirten Länge'' eines geodätischen Bogens, durch welche sich die Bestimmungsstücke eines geodätischen Dreiecks in endlicher Form, oder doch wenigstens als Integrale vollständiger Differentiale darstellen lassen. Weil die hierbei vorkommenden Beziehungen bei einer Verbiegung der Fläche in rechtwinkligen Coordinaten vorausgesetzt, sondern es wird angenommen, dass diese Coordinaten als Functionen von zwei Veränderlichen \(p\) und \(q\) dargestellt seien. Die in der Tangentialebene eines Punktes von diesem ausgehenden Richtungen unterscheiden sich dabei von einander durch ihre Azimuthe, deren fester Schenkel in die Richtung der von jenem Punkte aus wachsenden \(p\) fällt, während die positive Drehungsrichtung für alle Punkte der Fläche dieselbe ist. Die ganze Arbeit zerfällt in vier Abschnitte, welche sich beziehen auf: die geodätischen Linien im Allgemeinen, die Theorie der geodätischen Dreiecke, die Theorie der reducirten Länge eines geodätischen Bogens und die geodätische Klassifikation der krummen Oberflächen. Im ersten Abschnitte werden die Differentialgleichungen zwischen \(p, q\) und der Länge \(s\) eines geodätischen Bogens in verschiedenen Formen mit den zugehörigen Grenz- und Stetigkeitsbedingungen vollständig entwickelt. Ausgegangen wird dabei von den beiden Eigenschaften der geodätischen Linie, dass nämlich ihre Schmiegungsebene die Oberflächennormale enthält, und dass sie die kürzeste Verbindung zwischen ihren Endpunkten ist. Aus den Formeln folgt dann unmittelbar der Gauss'sche Satz: Wenn eine geodätische Linie von gegebener Länge sich um den einen Endpunkt dreht, so bleibt sie stets senkrecht zu der von dem anderen Endpunkte beschriebenen Curve. Entspricht dabei einer Drehung \(d\varphi\) eine Verschiebung \(d\sigma\) des beweglichen Endpunktes, so heisst die durch die Gleichung\(d\sigma= m d\varphi\) definirte Grösse \(m\) (s. Gauss: disqu. gen. c. superf. curv.) die reducirte Länge des geodätischen Bogens. Ein geodätisches Dreieck enthält im Allgemeinen neun Bestimmungsstücke, nämlich die drei Seiten und ihre sechs Azimuthe in den Ecken; die Dreieckswinkel sind durch die Azimuthe unmittelbar bestimmt. Im zweiten Abschnitte werden nun zunächst die Ausdrücke für die Aenderungen jener neun Stücke durch die Aenderungen der \(p\) und \(q\) in den Ecken des Dreiecks ausführlich entwickelt. Die Coefficienten der \(dp\) und \(dq\) in diesen Formeln enthalten, ausser den Grössen \(E, F, G\) aus dem Ausdrucke \[ ds^{2}=E\;dp^{2}+2F\;dp\;dq+G\;dq^{2} \] für das Linienelement \(ds^{2}\), nur noch die Azimuthe und die reducirten Längen der Dreiecksseiten, und müssen den bekannten Integrabilitätsbedingungen genügen, da man es hier mit vollständigen Differentialen zu thun hat. Die nähere Untersuchung dieser Bedingungen führt dann zu folgenden Sätzen: 1) Die reducirte Länge eines geodätischen Bogens bleibt ungeändert, wenn man Anfangs- und Endpunkt desselben mit einander vertauscht. 2) Zählt man längs einer geodätischen Linie von einem beliebigen Anfangspunkte aus Abscissen, ist \((\alpha r)\) die reducirte Länge des Bogens zwischen den Punkten, welche resp. die Abscissen \(\alpha\) und \(r\) haben, so ist \[ \frac{\partial^{2} (\alpha r)}{\partial r^{2}}+(\alpha r)k_{r}=0, \] wo \(k_{r}\) das Gauss'sche Krümmungsmass im Punkte \(r\) bedeutet. 3) Die reducirte Länge eines geodätischen Bogens, als Function der \(p\) und \(q\) seiner beiden Endpunkte betrachtet, genügt mehreren partiellen Differentialgleichungen zweiter Ordnung, in deren Coefficienten ausser den \(E, F, G\) nur die Azimuthe in den Endpunkten auftreten. Aus den Gauss'schen Sätzen über die Verbiegung von Flächen folgt unmittelbar, dass die reducirte Länge eines geodätischen Bogens sich bei der Verbiegung nicht ändert. Dieser Satz lässt sich in folgender Weise umkehren. Wenn die Punkte zweier Flächen einander so zugeordent werden können, dass die reducirten Längen der geodätischen Verbindungslinien entsprechender Punkte für beide Flächen einander gleich sind, so lassen sich die Flächen auf einander abwickeln, und es kommen hierbei stets entsprechende Punkte zur Deckung. Bei der geometrischen Deutung solcher Untersuchungen ist jedoch ein Umstand zu beachten. Wenn die Coordinaten der beiden Flächen in der Weise als Functionen von \(p\) und \(q\) darsgestellt werden, dass zu gleichen Werthen von \(p\) und \(q\) in beiden Flächen entsprechende Punkte gehören, so können sehr wohl zu reellen \(p\) und \(q\) auf der einen Fläche reelle Punkte gehören, auf der anderen aber nicht; mit anderen Worten: wenn ein Stück einer gegebenen Fläche sich nach einem bestimmten Gesetze umbiegen lässt, so gilt das noch nicht von der ganzen Fläche. Der Bequemlichkeit halber wird im dritten Abschnitte statt der reducirten Länge die reducirte Abscisse \([\alpha r]\) des Punktes \(r\) in Bezug auf den Punkt \(\alpha \) (siehe oben) folgenden Bedingungen: \[ [\alpha r]=\pm( \alpha r)\quad (r\gtrless \alpha),\quad \frac{\partial^{2} [\alpha r]}{\partial r^{2}} +k[\alpha r]=0, \] \[ [\alpha r]=0,\quad \frac{\partial[\alpha r]}{\partial r}=1 \quad\text{für} \quad r=\alpha. \] Aus diesen Gleichungen folgen einige merkwürdige Relationen, von denen wir nur die Identität \[ [\alpha r].[\beta \gamma]+[\beta r].[\gamma \alpha]+[\gamma r].[\alpha \beta]=0 \] hervorheben. Ferner werden die Bedingungen genauer untersucht, unter denen \([\alpha r]=0,\) ohne dass \(r\) gleich \(\alpha\) ist, und die Abhängigkeit dieser Wurzeln \(r\) von \(\alpha\) entwickelt. Wenn nämlich \([\alpha r]=0,\) so schneidet eine von \(\alpha\) ausgehende, der gegebenen geodätischen Linie unendlich nahe Linie die erstere im Punkte \(r\) noch einmal, und es stellt sich dabei heraus, dass in Flächenstücken mit negativen \(k\) ein solches zweimaliges Schneiden nicht stattfinden kann. Die im zweiten Abschnitte entwickelten Differentialgleichungen für die reducirte Länge enthalten noch die Azimuthe, setzen also die Kenntniss der geodätischen Linie selbst voraus. Durch nochmalige Differentiation lassen sich nun die Azimuthe eliminiren und eine partielle Differentialgleichung dritter Ordnung für die reducirte Länge herstellen, aus welcher alle auf die geodätische Linie selbst bezüglichen Grössen verschwunden sind. Dieselben kommen nur in den Grenzbedingungen vor, in der Differentialgleichung selbst treten dagegen nur \(p, q\) und als bekannt anzusehende Functionen von \(p\) und \(q\) auf. Jede Lösung dieser Differentialgleichung, welche gewisse vorgeschriebene Grenz- und Stetigkeitsbedingungen befriedigt, liefert mit Ausnahme eines besonders zu behandelnden Falles eine reducirte Länge. Aus dieser erhält man dann die Azimuthe auf algebraischem Wege, während die Ermittelung der Bogenlänge einer geodätischen Linie noch eine Integration erfordert. In dem Ausnahmefalle ist jene Differentialgleichung dritter Ordnung die Folge einer einfacheren zweiter Ordnung, jedoch entspricht dann nicht mehr einer jeden Lösung derselben eine reducirte Länge. Dieser Fall tritt ein, 1) wenn die Fläche ein constantes Krümmungsmass besitzt, 2) wenn die Fläche sich in eine Rotationsfläche umbiegen lässt, und dann der Anfangspunkt der geodätischen Linie in die Rotationsaxe fällt. Beide Mal verschwindet dann eine gewisse Determinante, welche zugleich Invariante des Problems in demselben Sinne ist, wie das Krümmungsmass \(k\). Im vierten Abschnitte endlich werden die Bedingungen untersucht, unter denen zwischen den Seiten und Winkeln eines geodätischen Dreiecks Relationen stattfinden können, welche die \(p\), \(q\) der Eckpunkte gar nicht enthalten. Das Resultat ist, dass alle krummen Oberflächen sich in vier grosse Klassen einordnen lassen, je nachdem keine, eine, zwei oder drei solcher von einander unabhängiger Gleichungen stattfinden können. Die vierte Klasse umfasst alle Flächen mit constantem Krümmungsmass. Die dafür gültigen Formeln gehen aus denen der sphärischen Trigonometrie unmittelbar hervor, wenn man in den letzteren jeden Bogen mit \(\surd k\) multiplicirt, gleichviel ob \(k\) positiv oder negativ ist. Hierdurch ist auch der oben erwähnte Ausnahmefall erledigt.
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      Geodesic
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      curved surface
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      differential equations
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      differential geometry
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      Identifiers

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