Über eine invariante Formulierung der Erhaltungssätze in der allgemeinen Relativitätstheorie. (Q1832376)

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scientific article; zbMATH DE number 2565561
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    Über eine invariante Formulierung der Erhaltungssätze in der allgemeinen Relativitätstheorie.
    scientific article; zbMATH DE number 2565561

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      Über eine invariante Formulierung der Erhaltungssätze in der allgemeinen Relativitätstheorie. (English)
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      1930
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      In einem System linearer Gleichungen dürfen die ``rechten Seiten'' stets beliebig vorgeschrieben werden, solange zwischen den ``linken Seiten'' keine identischen Relationen bestehen. Überträgt man diese Problemstellung auf Differentialgleichungen, so entspricht dem Bestehen einer derartigen Identität im Falle einer homogenen linearen Differentialgleichung \(D (\varphi) = 0\) das Bestehen der ``adjungierten'' Differentialgleichung \(\overline D(\psi) = 0\) zusammen mit Randbedingungen von der Form \(\varphi=\varphi_0, \ldots\) am Rande. Die praktische Durchführung dieser Methode zeigt Verf. zunächst am Beispiele der \textit{Laplace}schen Gleichung \(\varDelta \varphi= 0\). Dabei zeigt sich: Das Bestehen der adjungierten Differentialgleichung ist notwendig und unvermeidlich in jedem Falle. Die ergänzenden Randbedingungen ändern sich von Fall zu Fall entsprechend der jeweils gestellten Randwertaufgabe; das adjungierte System erscheint um so überbestimmter, je unterbestimmter das ursprüngliche System gegeben ist; zwischen den beiden dabei möglichen Extremen gibt es eine Mitte, wo das adjungierte System weder über- noch unterbestimmt ist. Die so entwickelten Methoden wendet Verf. zunächst auf das vektorielle System \[ \frac{\partial T_{i\alpha}}{\partial x_\alpha}=0\quad (T_{ik} \;\text{am Rande gegeben}; \;\alpha, i =1, 2, 3, 4) \tag{*} \] an, welches als dynamische Grundgleichung der speziellen Relativitätstheorie (unter Verwendung rechtwinkliger Koordinaten) die Rolle der Bewegungsgleichungen der Punktmechanik übernimmt (\(T_{ik}= T_{ki}\) Spannungsenergietensor). Sieht man zunächst von der Symmetrie des Tensors \(T_{ik}\) ab, so ist das Ausgangssystem (*) stark unterbestimmt (vier Bedingungen für 16 Tensorkomponenten) und daher das zugehörige adjungierte System stark überbestimmt. Gleichwohl ergeben sich vier unabhängige Lösungen \(V_i\) (Erhaltungssätze -auf Grund einer \textit{skalaren} Gleichung), und die ganze Überlegung kann unmittelbar allgemein kovariant formuliert werden in der Form \[ \int T^{\alpha\beta}V_\alpha\nu_\beta\,df= 0\quad (\alpha,\beta = 1, 2, 3, 4), \] wo \(\nu_\beta\) die Komponenten der ``äußeren'' Normalen bedeuten und \(V_i\) dem kovarianten System \(\dfrac{\delta V_i}{\delta x_k}= 0\) genügt. Weitere Erhaltungssätze ergeben sich durch Berücksichtigung der Symmetrie des Tensors \(T_{ik}\); sie mildert zunächst die Form des adjungierten Systems \[ \frac{\delta V_i}{\delta x_k}+\frac{\delta V_k}{\delta x_i}=0. \] Zu den Lösungen \(V_i=\) const treten weitere sechs voneinander unabhängige \[ V_i=x_k, \quad V_k =-x_i, \] also sechs weitere Erhaltungssätze \[ \int (x_kT_{i\alpha}-x_iT_{k\alpha})\nu_\alpha\,df=0, \] deren erstes Tripel den Erhaltungssatz des Impulsmomentes, deren zweites Tripel das Trägheitsgesetz für den Schwerpunkt des Systems zum Ausdruck bringt (bereits Divergenzfreiheit und Symmetrie des Materietensors allein garantieren das Trägheitsgesetz). Der zuletzt erwähnte Umstand wird für die allgemeine Relativitätstheorie von Bedeutung: Hier ist die Divergenzfreiheit und Symmetrie des Materietensors vermöge des Zusammenhanges mit dem verjüngten \textit{Riemann}schen Krümmungstensor von vornherein gegeben. Um die euklidische triviale Lösung für \(R_{ik} = 0\) zu vermeiden, hat man in bekannter Weise Lösungen mit Singularitäten heranzuziehen, den Verlauf der Funktionen in der Gegend singulärer Stellen ``abzurunden'' und die homogene Gleichung \(R_{ik}= 0\) durch die inhomogene \(R_{ik}= b_{ik}\) zu ersetzen, wo die Funktionen \(b_{ik}\) nur in kleinen Umgebungen der Singularitäten nicht identisch verschwinden (in Analogie zur \textit{Poisson}schen Gleichung). Die \(b_{ik}\) sind im übrigen nicht völlig frei, da die Divergenz des Aggregates \(b_{ik}-\frac 12 bg_{ik}\) identisch verschwinden muß. Dementsprechend ist also der ``Singularitätskanal'' der Feldgleichungen \(R_{ik}=0\) -- notwendig eine geodätische Linie -- von vornherein festgelegt. Zum gleichen Resultat war \textit{Einstein} durch eine direkte Untersuchung der Reihenentwicklungen in der Umgebung der Singularitäten gelangt (Sitzungsberichte Akad. Berlin 1927; 2-13, 235-245; F. d. M. 53, 817 (JFM 53.0817.*)-818). Hier erscheinen die dynamischen Gesetze als Folge der integralen Erhaltungssätze, die sich aus der Divergenzfreiheit des Materietensors verbunden mit seiner Symmetrie ableiten lassen. Nach ausführlicher weiterer Behandlung der Übertragung der früher gewonnenen Erhaltungssätze auf den statischen allgemein relativistischen Fall beschließt Verf. seine inhaltsreichen Ausführungen mit einem Ausblick auf den nichtstatischen Fall. Hier ist es nicht mehr möglich, auf das Verschwinden der Feldreaktion auf sich selbst zu schließen; die Bewegung des Massenpunktes erscheint nicht mehr durch das Außenfeld allein bestimmt; das Bewegungsgesetz kann nicht mehr von vornherein vorausgesagt werden, wie es im stationären Fall möglich ist.
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