Geschichte der exakten Wissenschaften in der Schweizerischen Aufklärung. (Q2579527)
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scientific article; zbMATH DE number 2502055
| Language | Label | Description | Also known as |
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| English | Geschichte der exakten Wissenschaften in der Schweizerischen Aufklärung. |
scientific article; zbMATH DE number 2502055 |
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Geschichte der exakten Wissenschaften in der Schweizerischen Aufklärung. (English)
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1941
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Mit dem biographischen Werk ``Große Schweizer Forscher'' (2. Aufl. Zürich 1941), für das \textit{E. Fueter} als Herausgeber zeichnete, wurde es erstmals möglich, die Leistungen der Schweizer Forscher für die europäische Mathematik und Naturwissenschaft klar zu sehen. Jetzt legt uns der junge Schweizer Historiker ein Werk vor, das, aus langjährigen Studien hervorgegangen, eine Sicht eröffnet, die den Blick in die Geistes- und Kulturgeschichte der Schweiz freigibt und ihre vielfachen Befruchtungen und Ausstrahlungen in die Forschung des übrigen Europa erkennen läßt. Das Werk behandelt die Geschichte der exakten Wissenschaften in der schweizerischen Aufklärung im ``Jahrhundert der Mathematik'' (1680-1780) ausgehend vom direkten Quellenstudium und unter Heranziehung des gesamten vorliegenden Schrifttums. Es ist unter ganz große Gesichtspunkte gestellt und sieht die Zeit aus universalgeschichtlichen Blickwinkeln in zwei großen Teilen. 1. Der erste, ``Geschichte und Forschung'', arbeitet die weitausgreifenden und ins Große gesehenen allgemeinen Gründe und Hintergründe heraus, aus denen die exakten Wissenschaften in ihrer Entwicklung und Ausprägung als Forschung in der Schweiz verstanden werden müssen. Das Eindringen des Cartesianismus und der Kampf um das kopernikanische Weltsystem bedingen Emanzipation und Blüte der exakten Wissenschaften in der Schweiz in dem genannten Zeitraum. Damit einher geht die Befruchtung der exakten Disziplinen durch die Anwendungen (Ingenieurwissenschaften und Medizin); sie bahnen einen strengen Wissenschaftsbegriff in der Schweiz an. Naturforschung und Philosophie gehen Hand in Hand und befruchten sich durch Polarität und Steigerung wechselseitig. Die großen Forscher der Zeit sind immer auch gleichzeitig Philosophen. Hierdurch können erstmalig die philosophischen Bezüge und die geistesgeschichtliche Tragweite der exakten Wissenschaften in der Schweiz für das Kulturleben Europas klar abgesteckt und einheitlich und total erfaßt werden. Ein besonderes Kapitel unterrichtet über die philosophischen Leistungen der schweizerischen Mathematiker und Naturforscher, die im lebendigen Zusammenhang mit der Naturforschung und Mathematik der Antike gesehen werden. Wir haben im deutschen wissenschaftlichen Schrifttum wohl hervorragende geschichtliche Darstellungen der Mathematik, der Physik und anderer Naturwissenschaften. Wir haben aber leider keine Geschichte der exakten Wissenschaften als Geschichte des deutschen Geistes. Das hat tiefe Gründe, die im Wissenschaftsbegriff der zweiten Hälfte des 19. und des 20. Jahrhunderts liegen, und deren Bewußtwerden und Bewußtmachen eine unserer vordringlichsten wissenschaftlichen Aufgaben ist. Ref. hat sie in seinem ``Hauptproblem der Mathematik'' (Berlin 1942; F. d. M. 68) in Angriff genommen. Was auch da belegt worden ist, ist auch im vorliegenden Werk klar gesehen. Es wird daher darin für die Schweiz eine geschichtliche Darstellung der exakten Wissenschaften für den wichtigsten Zeitraum geboten, die alle Züge einer ganzheitlichen, nationalbewußten Geistes- und Universalgeschichte trägt und in sich vereinigt. Gerade darin muß mit eine der Hauptleistungen des Verf. gesehen werden, die berufen ist, Schule zu machen. Solange sich problemgeschichtliche Darstellungen nur auf spezialwissenschaftliche Leistungen und nur auf ``international-kosmopolitische'' Sicht erstrecken, fehlt etwas für die geistesgeschichtliche Erfassung und Erkenntnis der Tragweite des Einzelwissenschaftlichen im Zusammenhang des Ganzen der Kultur und der Kulturäußerungen, die immer unlösbar dem Volklichen verbunden sind und nur aus ihm als schöpferische Leistungen hervorbrechen. In diesem Werk ist eine Position gewonnen, die für alle zukünftige Geschichtsschreibung der exakten Wissenschaften vorbildlich werden könnte und sollte. Ihr eignet wieder der Blick für das Ganze in der klaren Einsicht, daß nur von ihm aus die Teile sinnvoll und kulturtragend voll verstanden werden können. Die schöpferische Forscherpersönlichkeit, der ein eigener Abschnitt des Werkes gewidmet ist, gewinnt natürlich bei einer solchen ganzheitlichen Sicht wieder ihre Rechte, die man ihr in der fortschrittsgläubigen Geschichtsschreibung der Moderne lange genug vorenthalten und geschmälert hat. Daß die elementare Kraft der Forscherpersönlichkeit, die ganz der Wahrheit und ihrer Erkenntnis lebt, im Volklichen wurzeln muß, ist heute fast Gemeingut geworden. So ist den Beziehungen zwischen Naturforschung und Staat ein eigener Abschnitt vorbehalten, und es werden auch die ökonomischen Voraussetzungen einer eingehenden Darstellung unterzogen. Gerade aus dem ersten Teil des Werkes kann man sehen, wie sich die schöpferischen Forscher allmählich von Metaphysik, Religion und dogmatischen Philosophemen frei machten, wie sie dieselben abstreiften und ihre großen wissenschaftchen Entdeckungen wieder aus der Idee heraus gewannen, deren Herkunft auf milieutheoretischer, psychologischer oder mechanistischer Grundlage niemals erklärbar wird. Gerade dies gehört alles in eine Geschichte der Wissenschaften. Hier ist es zum erstenmal für die Schweiz erreicht und allgemein gesehen; all' dem ist in der vorliegenden Darstellung Gewicht und Bedeutung gegeben. 2. Der zweite Teil des Werkes, ``Die bedeutendsten Leistungen'', erarbeitet aus der allgemeinen Grundlegung und an Hand der geistesgeschichtlichen Leitlinien die speziellen großen Einzelleistungen schweizerischer Forscher in Mathematik, Astronomie, Physik und Kristallographie als Hauptdisziplinen in dem genannten kurzen Zeitraum von 100 Jahren, wobei aber wieder Vor- und Rückblicke in klarer Durchdringung des Stoffes eingearbeitet sind. In der Tat hat gerade dieses ``Jahrhundert der Mathematik'', wie es Verf. früher einmal genannt hat, der Wissenschaft aus dem Alemannentum der Schweiz Genies geschenkt, deren einmalige Leistungen insbesondere in der Mathematik die stürmische Entwicklung der Mathematik und ihrer Methoden und den Siegeszug der Naturwissenschaften und der Technik im 19. und 20. Jahrhundert inauguriert haben. Es sind leuchtende Namen von Forschern, die Bernoullis, Euler, Lambert, L'Huilier, Haller, Scheuchzer, Saussure, Micheli du Crest und viele andere, die aus dem Stammestum der Schweiz gekommen sind. Wenn wir uns im folgenden nur auf die Mathematik beschränken, so möge das im Rahmen dieser Besprechung und ihres Erscheinungsortes nicht als Einseitigkeit ausgelegt werden. Nach einer allgemeinen Einführung in den Abschnitt ``Mathematik'' erfolgt im 1. Kapitel eine Darstellung der Beiträge schweizerischer Forscher zur Reihenlehre und Infinitesimalrechnung. Gerade Jacob Bernoulli und sein Bruder Johann I haben an der Entwicklung der Reihenlehre großen Anteil. Ihre Forschungen fanden einen glänzenden Fortsetzer in L. Euler (divergente Reihen, Zahl \(e\)), und wichtige Teilergebnisse steuerte Lambert bei (Beweis der Irrationalität von \(e\) und \(\pi\)). Von Euler stammt bekanntlich die Herleitung der Beta- und Gammafunktionen, auch die Theta-Reihe erscheint zum ersten Male bei Euler. Jacob I Bernoulli entwickelt die allgemeinen Grundsätze (Tangentenproblem, Rektifikationen, Quadraturen) der Differential- und Integralrechnung, er führt die Bezeichnung ``Integral'' ein und stellt das klassische Problem der Kettenlinie. Die Bernoullis geben als erste wertvolle Beiträge zur Variationsrechnung (Brachistochrone). Johann I Bernoulli stellt schon allgemein das Problem der geodätischen Linien, und die Beiträge Eulers zur Differentialgeometrie, die sich hier entwickelt, sind bekannt. Ihnen allen gelingen auch wertvolle Förderungen der Theorie der Differentialgleichungen, insbesondere auch Daniel Bernoulli und Nikolaus Fatio, dessen Werk fast noch unerschlossen ist. Eine Geschichte der Differential- und Integralrechnung wird neben Leibniz und Newton an erster Stelle die Leistungen der Schweizer Forscher genau aufsuchen und darstellen müssen. Das 2. Kapitel beschäftigt sich mit der Kombinatorik und Wahrscheinlichkeitsrechnung, welch letztere wohl als schweizerische Entdeckung gewertet werden muß (Jacob Bernoulli). Das 3. Kapitel ``Arithmetik, Algebra, Zahlentheorie'' stellt besonders die einmaligen Leistungen von Euler auf diesen Gebieten heraus. In der Gleichungslehre wirkten ferner die Forscher Daniel Bernoulli, Lambert, Cramer, Bertrand meist in Verbindung mit der Kurvenlehre bahnbrechend. In der Zahlentheorie ist es wieder Euler, der die Hauptleistungen stellt. In Geometrie, Trigonometrie und Goniometrie leisteten ebenfalls Schweizer Forscher Vorbildliches. Lambert, Bertrand, Euler, L'Huilier sind die großen Namen in der Entwicklung dieser Disziplinen; ihre Leistungen sind bekannt. Auf Einzelheiten kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden; wer sich für sie interessiert, der muß das Werk gründlich studieren. Die Gründlichkeit, mit der hier gearbeitet worden ist, kann überhaupt nicht annähernd in einer Besprechung ausgedrückt werden. Die Fülle der Anmerkungen, die den Text aus dem Schrifttum und aus Briefen ergänzen und alle erreichbaren Quellen bereitstellen, eine ausführliche Zeittafel und eine Bibliographie, deren Reichhaltigkeit und Universalität in Erstaunen setzt, werden dem Leser das Werk erst vollständig erschließen. Hier werden ihm Quellen und Schrifttum in einer Weise in die Hand gegeben, die ihn befähigen, alles zu kontrollieren, selbst weiter zu dringen und ihn das Ganze sehen lassen.
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