Vorlesungen über analytische Geometrie des Raumes. (Q2587972)

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scientific article; zbMATH DE number 2507458
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    Vorlesungen über analytische Geometrie des Raumes.
    scientific article; zbMATH DE number 2507458

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      Vorlesungen über analytische Geometrie des Raumes. (English)
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      1940
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      Dieses neue Lehrbuch der analytischen Geometrie des Raumes enthält im wesent\-lichen die Vorlesungen des Verf. an der Universität Tübingen. Es übernimmt vieles, was Verf. seinerzeit in seine Neubearbeitung des klassischen Lehrbuches von \textit{Salmon-Fiedler} (Analytische Geometrie des Raumes, 5. Aufl. 1922; F. d. M. 48, 681 (JFM 48.0681.*)) eingear\-beitet hat. Sein Hauptzweck soll eine Darstellung der Geometrie auf analytischer Grundlage sein, die aber nicht in ein bloßes Spiel mit Formeln und Koordinaten aus\-arten und sich im rein Abstrakten verlieren soll. Vielmehr sollen viele konkrete Fragen nicht nur der Geometrie, sondern auch der Mechanik, Physik, Darstellenden Geometrie usw. als Beispiele und Anwendungen behandelt werden. Um Exaktheit ist das Buch, das sich an die Studenten der ersten Semester wendet, sehr bemüht. Als methodisches Hilfsmittel dient in erster Linie die Vektorrechnung, die in anschaulich-genetischer Weise entwickelt wird, weiter die Determinantenrechnung, die als bekannt vorausgesetzt wird, endlich die Theorie der linearen Gleichungen und der quadratischen Formen, die beide im Buche entwickelt werden. Projektive (Tetraeder-)Koordinaten werden erst sehr spät herangezogen, der Matrizenkalkül ist überhaupt beiseite gelassen. Das gruppentheoretische Prinzip ist nur bei Gelegenheiten (Kollineationen, Lorentztrans\-formationen) gebracht, aber nicht eigentlich als Klassifikationsprinzip der Geometrie herausgestellt. In der Tat fehlt auch eine Darlegung der Grundgedanken von Kleins Erlanger Programm. Auf axiomatische Betrachtungen und mehrdimensionale Räume wurde verzichtet. Trotz dieser bewußten Einschränkungen, die mancher Geometer sehr bedauern wird, ist aber ein überaus reichhaltiges Buch entstanden, das richtige Kommerellsche Prägung aufweist, eine von geometrischem Geiste getragene Dar\-stellung der analytischen Geometrie, die sich durch viele interessante Anwendungen auszeichnet, sich auf eine reiche Lehrerfahrung und vielfältige Detailarbeit des Verf. gründet, der man die oben verzeichneten Desideraten und eine gewisse Vorliebe für heute antiquiert anmutende Bezeichnungen und Schreibweisen (z. B. den ``unendlich fernen Kugelkreis'') ob der sonstigen Verdienste des Buches nicht allzusehr monierend nachtragen wird. Wir gehen nun auf den genaueren Aufbau und Inhalt des Buches ein. \textit{I. Ab\-schnitt: Das Koordinatensystem, Ebene und Gerade, Kugel.} Nach anschaulicher Ein\-führung des Vektorbegriffes und der elementaren Koordinatensysteme wird die Glei\-chung der Kugel und der Ebene, das Doppelverhältnis im Ebenenbüschel und die orientierte Ebene gebracht. Es folgt eine ausführliche Entwicklung der Vektorrechnung wieder auf anschaulich-geometrischer Grundlage und durchsetzt von vielen geometrischen Anwendungen: sphärische Trigonometrie, Trägheitsellipsoid, Eulersche Formeln der Drehung eines starren Körpers, orthogonale Substitutionen und ihre rationale Darstel\-lung durch Parameter nach Euler und Cayley. Die Ähnlichkeiten werden als die all\-gemeinsten kugeltreuen Affinitäten eingeführt. An die vektorielle Darstellung der Ge\-raden und die Festlegung eines Stabes (``linienflüchtigen Vektors'') durch Richtungs\-und Momentvektor reihen sich die (kartesischen) Linienkoordinaten und einige Ele\-mente der Liniengeometrie, die bis zum linearen Strahlkomplex entwickelt werden. Nun wird die Einführung der homogenen (kartesischen) Koordinaten, der Fernelemente und der komplexen Elemente vorgenommen; zur Erläuterung dienen die Kugel und ihre Polarität und der lineare Strahlkomplex mit seinem Nullsystem. Mit ihrer Hilfe (also in Ponceletscher Weise) wird das räumliche Dualitätsprinzip bewiesen. Es folgt eine genauere Untersuchung der Struktur des Nullsystems und seines Strahlgewindes, Der Auflösung der linearen Gleichungssysteme folgt nun die (inhomogene) Darstellung der Projektivitäten und Involutionen zwischen Punktreihen und Ebenenbüscheln. Beispiel: das orthogonale Hyperboloid als Erzeugnis zweier kongruenter Ebenenbüschel. Nun wird der Begriff der homogenen Ebenenkoordinaten eingeführt und nochmals das Dualitätsprinzip bewiesen (die Möglichkeit, es axiomatisch zu begründen, wird nur vermerkt). Der ``unendlich ferne Kugelkreis'' tritt ein, und die Ähnlichkeiten des Raumes werden nochmals als die kugeltreuen Affinitäten erwiesen. Auf den isotropen Kegel folgt die Laguerresche Formel, das absolute Polarsystem und die Kugel als Trägerin zweier isotroper Erzeugendenscharen. Nun wird die stereographische Projektion und ihre Winkel- und Kreistreue behandelt (der elementare Nachweis der Winkeltreue ist älter als angegeben), weiter die kollinearen Automorphien der Kugel, insbesondere die Kugeldrehungen und ihre komplexe Darstellung. Es folgt die Inversion im Raume mit ihren wichtigsten Eigenschaften, teils rechnerisch, teils elementar hergeleitet. Die Potenzlehre der Kugel, Kugelbüschel und Kugelbündel sowie einige Aufgaben be\-schließen dieses umfangreiche Kapitel. Der \textit{II. Abschnitt: Flächen und Raumkurven} bringt zunächst eine orientierende Übersicht über die Darstellungsmöglichkeiten einer Fläche oder einer Raumkurve und wendet sich dann den Grundbegriffen der algebraischen Flächen (Ordnung, Tangential\-ebene, singuläre Punkte, insbesondere bei Flächen zweiter Ordnung) zu. Es folgen die Kegel- und Zylinderflächen (insbesondere jene zweiter Ordnung) sowie die ab\-wickelbaren Flächen. Sodann wird die Wirkung des Dualitätsprinzips bei Flächen und Raumkurven untersucht und gezeigt, wie man aus der Ordnungs- die Klassenglei\-chung einer Fläche erhalten kann, insbesondere wieder bei Flächen zweiter Ordnung. Eine Formenschau der regulären Flächen zweiter Ordnung wird durch eine Bildtafel ergänzt. \textit{III. Abschnitt: Allgemeine Eigenschaften der Flächen zweiter Ordnung. Quadra\-tische Formen. Invarianten.} Ausgehend vom Polarsystem und seinen Einzelheiten (Mittelpunktsflächen, Paraboloide, Richtkegel, Asymptotenkegel, Durchmesser) ge\-langt man zur Hauptachsengleichung der Flächen zweiter Ordnung über die Säkular\-gleichung, die eingehend untersucht wird. Auf die Betrachtung der Parallelschnitte folgt eine ausführlichere Darlegung der Theorie der quadratischen Formen, insbesondere ihre kanonische Darstellung und das Trägheitsgesetz und die Theorie ihrer orthogonalen Invarianten (Beispiel: gleichseitiger Kegel). \textit{IV. Abschnitt: Klassifikation der Flächen zweiter Ordnung. Kreisschnittebenen.} Diese Klassifikation wird nach bewegungsinvarianten Gesichtspunkte durchgeführt und an Beispielen erläutert. An die Untersuchung der Kreisschnitte reiht sich dann jene der Drehflächen zweiter Ordnung an. Die Betrachtung der berührenden Dreh\-kegel eines Ellipsoides leitet über zu den konfokalen Mittelpunktsflächen und ihren Fokalkegelschnitten. \textit{V. Abschnitt: Besondere Eigenschaften der einzelnen Flächen zweiter Ordnung.} Nach Bestimmung der Leitkugel und Lösung des Normalenproblems beim Ellipsoid wendet sich das Buch seinen Durchmesserebenen, insbesondere der Bestimmung ihrer Achsenlängen zu. Dann bringt es als Anwendung eine interessante Behandlung der Fresnelschen Wellenfläche (die in der Theorie der zweiachsigen Kristalle eine hervor\-ragende Rolle spielt). Ihre Gestalten, Klassengleichung und singulären Tangential\-ebenen werden bestimmt, und der Hamiltonsche Satz, wonach diese Ebenen die Wellen\-fläche nach Kreisen berühren, wird originell bewiesen. Sodann wird die reziproke Wellen\-fläche eingeführt. Die geometrischen Verhältnisse werden optisch gedeutet (und in Verbindung mit optischen Vorstellungen gefördert) und dabei insbesondere betont, daß äußere und innere konische Refraktion vom geometrischen Standpunkte aus rezi\-proke Erscheinungen sind. Eine Betrachtung des einschaligen Hyperboloids, insbe\-sondere des gleichseitigen und des orthogonalen Hyperboloids sowie des hyperbolischen Paraboloids als Träger von Regelscharen und etliche Aufgaben beschließen den ersten Hauptteil des Buches, der ein vorzüglich metrisches Gepräge trägt. Von diesem metrischen Standpunkte weicht das Buch aber, dies ist eine seiner Eigentümlichkeiten, auch in den folgenden Kapiteln, die wenigstens teilweise einen üblicherweise rein projektiven und von metrischen Betrachtungen freien Charak\-ter tragen, nicht vollkommen ab, sondern hält gern die anschauliche metrische Auf\-fassung bereit, ja schiebt sie, wie etwa später bei dem Studium der Kollineationen, gern in ebenso interessanter wie origineller Weise in den Vordergrund der Betrachtung. \textit{VI. Abschnitt: Tetraederkoordinaten.} Nach Einführung und metrischer Deutung der ``tetraedrischen'' Punkt- und Ebenenkoordinaten und der Darstellung von Ge\-raden und Flächen zweiter Ordnung und Klasse folgt eine kurze Darstellung der pro\-jektiven Liniengeometrie, insbesondere des tetraedralen Komplexes. \textit{VII. Abschnitt: Kollineationen und Korrelationen.} Es werden zunächst die Kollinea\-tionen in projektiver Weise abgehandelt und ihre Gruppeneigenschaft bewiesen. Analog wird die Korrelation besprochen. Dann werden einige wichtige Arten der Kollineation genauer behandelt: Doppelelemente, involutorische Kollineation, Perspektivität. So\-dann wendet sich das Buch den oben erwähnten metrischen Strukturfragen der kolli\-nearen Zuordnung zweier (am besten getrennt gedachter) Räume zu, wie sie für die Ebene in der klassischen Arbeit von \textit{H. J. St. Smith} (Proc. London math. Soc. 2 (1869), 196-248; F. d. M. 2, 394 (JFM 02.0394.*)) erledigt wurden. Es werden also Fernebene und absoluter Kegelschnitt in beiden Räumen ausgezeichnet, was im anderen Raume zu Fluchtebenen und konfokalen Flächen zweiter Klasse Anlaß gibt, so daß eine metrische Klassifi\-kation der Kollineationen an Hand kanonischer Kartesischer Koordinaten und In\-varianten möglich wird. Analoges ist später für Affinitäten durchgeführt. Daneben findet man hier eine Reihe von Anwendungen auf die verschiedensten Zweige der Geo\-metrie, wie Reliefperspektive, Lorentztransformationen und ihre relativistische Deu\-tung, Nichteuklidische Bewegungen, Ivorys Satz für konfokale Flächen zweiter Ord\-nung, die deformierbaren Hyperboloide von Henrici, den Satz von Pohlke und (für den orthogonalen Fall) seine Formulierung in der Gaußschen Ebene, schließlich eine Betrach\-tung kollinearer Flächen zweiter Ordnung. \textit{VIII. Abschnitt: Das Flächenbüschel zweiter Ordnung.} Es werden einige allge\-meine Eigenschaften dieser Flächenbüschel abgeleitet, sodann einige besondere Büschel und die dazu dualen Scharen betrachtet und zum Schlüsse werden die konfokalen Mittelpunktsflächen und Paraboloide ausführlicher studiert sowie die elliptischen und parabolischen Koordinaten des Raums besprochen. Aufgaben.
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