The Bakshālī manuscript. (Q2590169)
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scientific article; zbMATH DE number 2509595
| Language | Label | Description | Also known as |
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| English | The Bakshālī manuscript. |
scientific article; zbMATH DE number 2509595 |
Statements
The Bakshālī manuscript. (English)
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1939
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Das ``Rechenbuch von Bakshâlî'' wurde 1881 in Bakshâlî, einem Dorfe in der Nähe von Peshawar (70 englische Meilen von dem berühmten Gelehrtenzentrum Taxila) in Nordwest-Indien aufgefunden und erstmalig 1888 von \textit{A. F. R. Hoernle} im Ind. Ant. 17 ausführlicher bekannt gemacht. (Danach das Referat bei \textit{M. Ca tor}, Vorlesungen über Geschichte der Mathematik I, 3. Aufl. (1907; F. d. M. \(38_{\text{II}}\), 613-615)). Inzwischen war von Hoernle in Zusammenarbeit mit \textit{G. R. Kaye} eine photolithographische Ausgabe mit Transkription, Einleitung und Übersetzung vorgesehen, die aber nach des ersteren Tode selbständig von Kaye fortgesetzt wurde. Vgl. die Publikation in Archaeol. Survey of India 18 (1927), part I u. II (Part III erschien ebenda 1933). Abgesehen von dem Bemühen, den Text des arg beschädigten, nur in 70 Blättern auf Birkenrinden erhaltenen Manuskriptes zu lesen und die erhaltenen (arithmetischen) Aufgaben zu interpretieren, wandte sich das Interesse immer wieder der Frage nach dem \textit{Alter} des Textes zu. Die Sprache ist der sog. \textit{Gâtha}-Dialekt, die Schrift: \textit{Śarâda}. Deshalb setzte Hoernle den Text etwa 200 n. Chr. an, wenn auch die vorliegende Niederschrift erst in das achte bis neunte Jahrhundert n. Chr. gehört. Kaye, der bekanntlich für das mathematisch-astronomische Wissen der Inder allgemein weitgehend \textit{westlichen} (griechischen und arabisch-persischen) Einfluß annimmt, will die Abfassung des Textes erst in das zwölfte Jahrhundert n. Chr. ansetzen. In dem vorliegenden Aufsatz beabsichtigt Verf. nicht, diese Streitfrage \textit{absolut} zu entscheiden, tritt aber doch der Auffassung der Kayeschen späten Datierung entgegen. Zu dem Zweck macht er auf einige Überraschungen und \textit{Besonderheiten} des Textes aufmerksam, die eine so späte Datierung nicht rechtfertigen: 1. \textit{Schema der Darstellung} (Fixierung eines Problems: \textit{nyâra}, Lösung: \textit{Karaṇa}, Verifikation: \textit{pratyaya}). 2. \textit{Besonderheiten der Terminologie und Abkürzungen}. Hier ist besonders entscheidend das sog. \textit{Kreuz-Symbol} (+) für \textit{Subtraktion} und negative Zahlen (z. B. \(3 + = - 3\)), da von \textit{Bhâskaras} II. (1150 n. Chr.) Zeit an der übergesetzte Punkt, also \(\dot 3 = -3\), durchgängig üblich ist. Hier stimmt Kaye einer Vermutung Thibauts zu, daß hier das umgekehrte griechische \(\psi\) vorliege (das diophantische \(\psi\)), während Hoernle eine Abbreviatur \(ka\) für ein indisches Wort, das ``Verlust'' bedeutet, annimmt, und auf die Ähnlichkeit mit dem ``\(ka\)'' der \textit{Aśoka-Inschriften} hinweist. 3. \textit{Die Dezimalbezeichnung statt der Zahlen mit Wortsymbolen}. Während Kaye hierin einen Grund für das jüngere Alter sieht, betont Verf., daß gerade das Fehlen dieser Bezeichnung der Zahlen durch Worte im Texte (z. B. ``Auge'' \(= 2\), Zähne \(= 32\) usw.) auch dahin verstanden werden kann, daß dieser seit \textit{Varâha} (515 n. Chr.) einsetzende Brauch zur Zeit der Abfassung des Textes noch nicht allgemein üblich war, also gerade für ein \textit{höheres} Alter spricht. 4. \textit{Das Null-Symbol für die Unbekannten}. Gerade dieses (z. B. \(\left| \begin{matrix} 0 & 5 & {\text{ yu mu }} & 0 \\ 1 & 1 & {} & 1 \end{matrix}\right|\) d. h. \(\sqrt{x^2 + 5} = y\); \ yu = yutain = addiert, \ mu = mûtain = Wurzel) deutet wieder auf \textit{höheres} Alter, da \textit{Bhâskara} II z. B. hat: \(\left| {\text{ yâ } \atop 1} \right|\) \ für \(x\). 5. \textit{Die Regula falsi}. Hier macht Verf. darauf aufmerksam, daß man die ``mittelalterliche'' Regel des ``einfachen'' und ``doppelten'' \textit{falschen Ansatzes}, worauf Kaye sich stützt, nicht ohne weiteres mit dem sogenannten \textit{Ishtakarman}-Ansatz der Inder identifizieren kann, da dieser letzte (Annahme einer willkürlichen Zahl für die Unbekannte und nachherige Berücksichtigung der Proportionalität des Resultates) eher als eine Ausartung dieses \textit{Dreier-Ansatzes} (Trairâśika-Ansatz) aufgefaßt werden muß. 6. \textit{Approximation quadratischer Irrationalitäten und Verifikation}. Der Text kennt die Approximation \[ \sqrt{a^2 + \gamma} \sim a + \frac{\gamma}{2a} \frac{\left(\dfrac{\gamma}{2a}\right)^2} {2\left(a + \dfrac{\gamma}{2a}\right)}, \] die nur aus den arabischen Schriftstellern des zwölften Jahrhunderts geläufig ist. Aber es ist ein leichtes, diese Formel ganz \textit{naturgemäß} aus den Approximation berechnungen der quadratischen Irrationalitäten, wie sie die Inder schon frühzeitig übten, abzuleiten (vgl. z. B. \textit{B. Datta}, The science of the Śulba (Calcutta 1932; F. d. M. \(58_{\text{I}}\), 21), 206-208), so daß die Kayesche Annahme über westliche Entlehnung auch hier hinfällig wird. Verf. macht dann aber in diesem Zusammenhange ganz besonders darauf aufmerksam, daß der Text diese Approximation auch da (natürlich fälschlich) benutzt, wo die Natur der gestellten Aufgabe Irrationalitäten ausschließt. Es war ihm also das Problem, wie es \textit{Bhâskara} II \textit{ausführlich} behandelt, der Lösung der Pellschen Gleichung (in \textit{rationalen} Zahlen) vollständig ungeläufig. 7. \textit{Reihenlehre}. Hier gibt Verf. eine übersichtliche Darstellung der mannigfach auftretenden Fragestellungen des Textes (wesentlich verbessert gegenüber Kaye), aus der deutlich die Ähnlichkeit mit dem Aufgabenkreis hervorgeht, wie ihn \textit{Śridhara} (750 n. Chr.) (Triśatika), \textit{Mahâvêra} (850 n. Chr.) (Gaṇita sârasaṁgraha) und \textit{Pṛithûdakasvâmî} (Kommentator des Brahmagupta) kennen. Aus allem schießt Verf., daß von einem \textit{westlichen Einfluß nicht} gesprochen werden kann, sondern im Texte ureigener indischer Besitz und indische Methode vorliegen, und daß für das \textit{Alter auf keinen Fall} eine \textit{spätere Zeit als das} \({ IO}\). \textit{Jahrhundert} n. Chr. anzusetzen ist.
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