``La géométrie'' de Descartes. I, II. (Q2598538)

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scientific article; zbMATH DE number 2517685
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    English
    ``La géométrie'' de Descartes. I, II.
    scientific article; zbMATH DE number 2517685

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      ``La géométrie'' de Descartes. I, II. (English)
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      1938
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      Verf. verfolgt in dieser Würdigung der ``Geometrie'' des Descartes den doppelten Zweck: a) die Resultate, zu denen Descartes in dem Falle des Pappusschen Problems kommt, mit denjenigen in Beziehung zu setzen, durch die Newton diesem eine höhere Eleganz verleiht, b) eine Stellungnahme zu geben zu einigen neueren Arbeiten, in denen gezeigt werden sollte, daß Descartes \textit{nicht} als ``Schöpfer'' der analytischen Geometrie anzusehen ist. Das folgende gibt eine Analyse der Arbeit des Verf.: 1) Die ``\textit{Descartessche Methode}''. Würdigung derselben unter Bezugnahme auf \textit{Rivaud}s Aufsatz in den ``Études sur Descartes'' (Rev. Metaphys. Morale 44 (1937), 35-62) als eine ``pédagogie nouvelle, une doctrine de l'éducation''. 2) \textit{Studien über Descartes' ``Geometrie''}. Hinweis insbesondere auf \textit{G. Loria}s Studie (Descartes géomètre) in den genannten ``Études'' (Rev. Metaphys. Morale 44 (1937), 199-220; JFM 63.0013.*) und \textit{G. Milhaud}s Arbeit (Descartes savant, 1921), wobei im einzelnen im Anschluß an die letzte Arbeit die ``Originalität'' Descartes' gekennzeichnet wird. 3) \textit{Analyse von Descartes' ``Geometrie''.} a) Descartes' geometrische Konstruktionen zur Lösung aller Probleme, die mit Zirkel und Lineal lösbar sind. b) Descartes' Lösung von Pappus' Problem der Konstruktion der geometrischen Örter solcher Punkte, daß die von einem dieser Punkte ausgehenden \(2n\) oder \(2n-1\) Geraden ebensoviele andere gegebene Geraden unter gegebenen Winkeln schneiden derart, daß das Verhältnis \[ \dfrac{\alpha_1\alpha_2\cdots\alpha_r}{\alpha_{r+1}\alpha_{r+2}\cdots\alpha_{2r}} \quad\text{bzw.}\quad \dfrac{\alpha_1\alpha_2\cdots\alpha_r}{\alpha_{r+1}\alpha_{r+2}\cdots\alpha_{2r-1}A} \] konstant ist (\(\alpha_i =\) Länge der Segmente zwischen dem gesuchten Punkt und der \(i\)-ten Geraden, \(A\) eine gegebene Länge). Insbesondere ausführliche Darlegung für den Fall von vier gegebenen Geraden (locus ad quatuor lineas) und Nachweis, daß in diesem Falle der gesuchte Ort ein Kegelschnitt ist, wobei Descartes \textit{notwendig} auf den komplizierten Apparat der Theoreme von Apollonius insoweit zurückgreifen mußte, als diese die zu seiner Zeit übliche Definition der \(C_2\) enthielten. c) Bemerkungen des Verf. zu Descartes' Lösung. \(\alpha\)) Descartes zeichnet die \(C_2\) in seiner Figur 9 als Kreis, in seiner Figur 10 als Zweig einer Hyperbel, während seine Gleichung zeigt, daß es eine Ellipse ist. Er verfehlt damit das Resultat in der Form, die ihm später (ohne Bezugnahme auf Descartes und nach rein geometrischer Methode) Newton in seinen ``Prinzipien'' 1687 gegeben hat: Die \(C_2\) ist dem aus den gegebenen Geraden \(1, 2, 3, 4\) gebildeten Vierseit umgeschrieben, derart daß sie durch die Ecken (1,2); (2,3); (3,4) hindurchgeht. \(\beta\)) Ausführungen des Verf. über die verschiedenen Fälle dieses von ihm so genannten Descartes-Newtonschen Theorems (gewöhnlich als Pappussches Theorem bezeichnet). d) Behandlung des Pappusschen Problems durch Descartes im Falle von fünf gegebenen Geraden, von denen vier unter sich parallel sind. Der Ort wird eine \(C_3\). e) Descartes' Normalenkonstruktion an die gefundenen Kurven, insbesondere an die Ellipse, die hier erstmalig (unter Benutzung von rechtwinkligen Koordinaten) in der Form \(x^2 = ry -\dfrac{r}{q}y^2\) erscheint, also ``laufende'' Koordinaten \(x, y\) statt der ``Segmente'' von Apollonius benutzt. f) Unter Übergehung von Descartes' Ausführungen über seine ``Ovale'' geht Verf. ausführlicher ein auf die Untersuchungen im dritten Buch der ``Geometrie'', in denen es sich um die Konstruktion von Problemen handelt, die insbesondere auf ``höhere algebraische Kurven'' führen. Damit gewinnt dieses Buch notwendig einen wesentlich ``algebraischen Charakter''. Daher hier Descartes' Zeichenregel und die Konstruktion der Wurzeln von Gleichungen dritten und vierten Grades als Schnittpunkte von Kreis und Parabel, aber auch Konstruktion der Wurzel einer speziellen Gleichung sechsten Grades. 4) \textit{Schöpfung der ``Analytischen Geometrie'' durch Descartes.} Hier setzt sich Verf. (besonders unter Bezugnahme auf Loria und Milhaud) mit der Frage der Priorität \textit{Fermat}s \textit{oder Descartes'} auseinander. Er stimmt Milhauds Ansicht zu, daß die Geometer des 17. Jahrhunderts diese Prioritätsfrage nicht kannten, stimmt aber nicht der Begründung zu, die Milhaud für seine Ansicht gab (``einfach deshalb nicht, weil den Zeitgenossen die ``analytische Geometrie'' sowohl bei Fermat (in seiner isagoge ad locos planos et solidos) wie bei Descartes als eine Fortsetzung und Vervollständigung der Methode der geometrischen Örter der Griechen erschien''). Unter Würdigung des historischen Materials sieht Verf. das Fehlen jeglichen Prioritätsstreites im 17. Jahrhundert darin begründet, daß Descartes ``weit tiefer und weiter ausholend, ausgehend von seinen philosophischen Konzeptionen'' \textit{die Grundlage zu einer neuen geometrischen Wissenschaft} legte, Fermat aber als ``Geometer'' die \textit{Vereinfachung der apollonischen Kegelschnittlehre} sich zum Ziel setzte. ``Si Descartes eût manqué à l'esprit humain, Fermat l'eut remplacé en géométrie'' (Montucla).
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