Castigliano's principle of minimum strain-energy. (Q2610249)

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scientific article; zbMATH DE number 2528148
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    Castigliano's principle of minimum strain-energy.
    scientific article; zbMATH DE number 2528148

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      Castigliano's principle of minimum strain-energy. (English)
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      1936
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      In der Festigkeitslehre werden mit dem sogenannten \textit{Castigliano}schen \textit{Prinzip der kleinsten Formänderungsarbeit} ganz verschiedene Vorstellungen verbunden, sobald man es auf den kontinuierlichen elastischen Körper anwendet. Der Grund dafür ist, daß man dieses Prinzip zuerst für die Theorie des Fachwerks entwickelt hat, wo die verschiedenen möglichen Auffassungen sich inhaltlich nicht so scharf gegeneinander absetzen, da man bei der Behandlung der sogenannten innerlich und der sogenannten äußerlich statisch unbestimmten Systeme gleichartige Überlegungen anwendet. Geht man aber zu einem kontinuierlichen elastischen Körper über, so werden die beiden Auffassungen, die bei Fachwerken ineinanderfließen, scharf getrennt, und man erhält zwei ganz verschiedene Formen des \textit{Castigliano}schen Prinzips, die etwa in dem gleichen Verhältnis zueinander stehen wie in der analytischen Mechanik das Prinzip der kleinsten (d. h. stationären) Wirkung und das Prinzip der variierenden Wirkung. Leider werden in der Literatur diese beiden verschiedenen Auffassungen vielfach durch\-einandergeworfen, eine Gefahr, der im innersten Kern auch die vorliegende Arbeit nicht ganz entgangen zu sein scheint. Im ersten Abschnitt betrachtet Verf. das \textit{Castigliano}sche Prinzip in der Auffassung, wie sie dem Prinzip der kleinsten Wirkung der analytischen Mechanik entspricht, d. h. er bestimmt für einen dreidimensionalen elastischen Körper die Formänderungsarbeit der Raumeinheit als quadratische Form der sechs Spannungskomponenten und bildet das Raumintegral über den ganzen elastischen Körper. Dann ergibt sich der bei der Verformung unter vorgeschriebenen äußeren Kräften wirklich eintretende Spannungs\-zustand, wenn man das Extremum des dreifachen Integrals (d. h. der gesamten Form\-änderungsarbeit) sucht, vorausgesetzt, daß man die im Innern und auf der Oberfläche geltenden Gleichgewichtsbedingungen der Extremumsforderung als Nebenbedingungen bzw. Randbedingungen hinzufügt. Verf. leitet im ersten Abschnitt dieses an sich wohlbekannte Prinzip, dessen wiederholt in der Literatur betonten Gegensatz zum Prinzip der virtuellen Verrückungen er auch noch einmal hervorhebt, in neuartiger Weise ab. Er beseitigt nämlich die drei Gleichgewichtsbedingungen im Innern, die als Neben\-bedingungen auftreten, dadurch, daß er die sechs Spannungskomponenten durch drei Spannungsfunktionen ausdrückt. Wählt er als solche die drei \textit{Maxwell}schen Spannungs\-funktionen, so führt die Extremumsforderung zu der einen Gruppe der Verträglich\-keitsbedingungen. Wählt er andrerseits die drei \textit{Morera}schen Spannungsfunktionen, so erhält er die andere Gruppe der Verträglichkeitsbedingungen. Im zweiten Abschnitt will Verf. dann aus dem \textit{Castigliano}schen Prinzip eine rationale Begründung der Ansätze für die Biegung und die Torsion des geraden Stabes gewinnen, zu denen \textit{St. Venant} mit Hilfe seiner ``semiinversen'' Methode gelangt ist. Aber man wird in der Darstellung des Verf. kaum einen Fortschritt für die Begründung erkennen können. Denn \textit{St. Venant} macht bekanntlich die Annahme, es sei der Spannungszustand unabhängig für jeden Querschnitt der gleiche, und gewinnt dann aus den Gleichgewichts- und den Verträglichkeitsbedingungen seine bekannte Dar\-stellung der Spannungskomponenten. Verf. macht die gleiche Annahme und gewinnt die Spannungsverteilung aus der Extremumsforderung für die Formänderungsarbeit, die sich hier, weil die Integration längs der Balkenachse ausgeführt werden kann, als ein Doppelintegral über den Balkenquerschnitt darstellt. Das ist aber doch, da die Gleich\-gewichtsbedingungen wieder als Nebenbedingungen auftreten, nach dem ersten Ab\-schnitt genau die gleiche Sache. Auch die Übertragung des Gedankens auf einen Sonder\-fall des krummen Balkens führt den Verf. nur zu bereits bekannten Ergebnissen. Der Gedanke, der dem Verf. als Quell einer rationalen Begründung vorgeschwebt hat, scheint auch seiner Darstellung nach im Grunde ein andrer zu sein. Wenn man nämlich die Formänderungsarbeit eines Körpers unter der Voraussetzung, die Gleich\-gewichts- \textit{und} die Verträglichkeitsbedingungen seien erfüllt, als dreifaches Integral aus\-drückt, so ist dieses Extremum der Formänderungsarbeit nur abhängig von den äußeren Kräften. Diese äußeren Kräfte sind aber, da körperliche Kräfte fehlen und der Mantel spannungsfrei ist, hier allein über die Endquerschnitte verteilt, und, da die Belastung auf den beiden Endquerschnitten entgegengesetzt gleich ist, braucht man nur einen von ihnen in Betracht zu ziehen. Nun kann man fragen, wie die Kräfte auf dem End\-querschnitt -- unter der Nebenbedingung, daß ihre Resultierende ein Drillmoment (bzw. im Fall der Biegung ein Biegemoment) ergeben soll -- verteilt sein müssen, damit die \textit{Formänderungsarbeit in Abhängigkeit von den äußeren Kräften} ein Extremum wird. Es handelt sich also dann um ein sogenanntes Extremum extremorum. Die \textit{St. Venant}sche Spannungsverteilung führt das Extremum der Formänderungsarbeit des Stabes in dieser neuen Auffassung, die dem Prinzip der variierenden Wirkung in der analytischen Mechanik analog ist, herbei. Nimmt man noch hinzu, daß die Spannungsverteilung im Innern, die zu diesem Extremum extremorum gehört, in einiger Entfernung von den Endquerschnitten wenig empfindlich gegen eine Änderung der Verteilung der äußeren Kräfte auf dem End\-querschnitt ist, sofern nur die Resultierende invariant bleibt, so hat man auch das andere \textit{St. Venant}sche Prinzip, nach dem statisch äquivalente Kraftsysteme in einem elastischen Körper die gleiche Spannungsverteilung erzeugen, sofern man von der un\-mittelbaren Umgebung der Angriffsstellen der Kräfte absieht.
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