Reelle Funktionen. I: Punktfunktionen. (Q565399)
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scientific article; zbMATH DE number 2549707
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| English | Reelle Funktionen. I: Punktfunktionen. |
scientific article; zbMATH DE number 2549707 |
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Reelle Funktionen. I: Punktfunktionen. (English)
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1932
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Statt einer Neuauflage seiner ``Theorie der reellen Funktionen'', Band I [Berlin: J. Springer (1921; JFM 48.0261.09)] hat der Verf. ein völlig neues Werk geschrieben. Aufbau und Ausarbeitung dieses hervorragenden Buches ist bis in die letzten Einzelheiten auf das sorgfältigste und zuverlässigste durchdacht und meisterhaft gestaltet. Überall wird weitgehende Allgemeinheit angestrebt, und es werden die Voraussetzungen der Sätze möglichst eingeschränkt. Gerade dadurch wird durchweg der wesentliche Kern der Überlegungen herausgeschält. Der stets vom Allgemeinen zum Speziellen führende Weg ist freilich oftmals mehr für den Kenner als für den Anfänger bequem. Durch Verwendung konsequenter Bezeichnungen und Abkürzungen ist die Darstellung ungemein konzentriert, aber zugleich überaus klar und durchsichtig. Daß am Schluß außer einem ausführlichen Sachregister ein systematisch geordnetes Verzeichnis der verwendeten Symbole beigefügt ist, erscheint als sehr angenehm. Die zahlreichen einschlägigen neuen Veröffentlichungen sind bis 1932 weitgehend berücksichtigt zugleich einheitlich und organisch verarbeitet. Nicht aufgenommen wurde (weil die Dinge noch zu sehr im Fluß waren) ``die verheißungsvolle Lehre von den projektiven Mengen.'' Daß der Verf., wie er selbst erwähnt, auf Vollständigkeit der Literaturangaben keinen Wert legte, mag an manchen Stellen des Buches bedauert werden; aber immerhin findet man die wesentlichsten Hinweise. Übrigens betont Verf. selbst besonders, wieviel Nutzen er aus \textit{F. Hausdorffs} Darstellungen der Mengenlehre (insbesondere (1927; JFM 53.0169.01)) gezogen hat. Die Bearbeitung des Bandes II, der die ``Mengenfunktionen'' behandeln soll, war bei dem leider allzu frühen Tode des Verf. (24. VII. 1934) schon sehr weit gediehen. Hoffentlich wird es sich ermöglichen lassen, auch diesen Band fertigzustellen und zu veröffentlichen, so daß das bedeutsame Werk kein Torso bleiben wird. Wir geben nun einen kurzen Überblick über den Aufbau des Buches und fügen einige Bemerkungen bei. Kap. I: \textit{Grundbegriffe der allgemeinen Mengenlehre.} \S 1--3 behandeln Menge und Relation, Verknüpfungen von Mengen, Mengensysteme und Mengenfolgen. \S 4 und 5 besprechen die Mächtigkeiten, \S 6--8 die geordneten und wohlgeordneten Mengen, einschließlich des Wohlordnungssatzes und der Vergleichung der Mächtigkeiten. Hier wird übrigens der Äquivalenzsatz indirekt mittels des Wohlordnungssatzes bewiesen (woraus hervorgeht, daß Verf. hier auf möglichste Vermeidung des Auswahlxioms kein Gewicht legt). Kap. II: \textit{Punktmengen}. \S 9. Topologische und metrische Räume. Beachtenswert ist hier die Definition der topologischen Räume mittels des durch fünf Forderungen \(1_t)-5_t)\) axiomatisch eingeführten Begriffs der offenen Mengen. (Dazu sei übrigens bemerkt, daß -- sofern der Raum mehr als einen Punkt enthält -- \(1_t)\) und \(2_t)\) eine unmittelbare Folge von \(5_t)\) und \(3_t)\) sind. ) Die topologischen Räume und zum Teil auch die spezielleren metrischen Räume bilden die Grundlage für die weiteren Ausführungen des Buches. In \S 10--12 werden die offenen, abgeschlossenen, dichten, nirgends dichten, isolierten, separierten und insichdichten Mengen behandelt. In \S 13 werden die separablen Räume (oder Mengen) definiert; darunter versteht Verf. das, was sonst (nach Hausdorff) als topologische Räume mit zweitem Abzählbarkeitsaxiom bezeichnet wird. Erst speziell in metrischen Räumen herrscht Übereinstimmung mit dem üblichen (Fréchetschen) Begriff der Separabilität (Existenz einer überall dichten, abzählbaren Teilmenge). Wie Verf. später [Anzeiger Wien 70, 58--59 (1933; JFM 59.0890.01)] gezeigt hat, muß hier in Satz 13. 1. 71 (``Ist \(A\) separabel und \(a\in A^1\), so gibt es ein \(B\subseteq A\), so daß \(B^1=\{a\}\). '') auch die abgeschlossene Hülle \(A^0\) als separabel vorausgesetzt werden (ohne diese Voraussetzung würde der Satz nicht gelten); und deshalb muß auch nachher der Beweis des Satzes 15. 2. 21 durch einen anderen Beweis ersetzt werden. \S 14 behandelt die regulären und normalen Räume, einschließlich der Urysohn-Tychonoffschen Metrisierung der separablen und regulären topologischen Räume. \S 15 bespricht die kompakten und halbkompakten Mengen, \S 16 die zusammenhängenden Mengen, \S 17 die Mengenfolgen und Punktfolgen, woran sich in \S 18 die Untersuchung der vollständigen Mengen anschließt. Hier wird u. a. (S. 124--126) bewiesen, daß der in der Hausdorffschen Weise metrisierte Raum der nicht-leeren, abgeschlossenen, beschränkten Teilmengen eines metrischen Raumes vollständig ist. \S 19 betrachtet die ``Youngschen Mengen'', d. h. die absoluten \(G_{\delta}\) (oder anders gesagt: die \(G_{\delta}\) in vollständigen Räumen), sowie die Mengen erster und zweiter Kategorie. Den Schluß dieses Kapitels bildet \S 20, Produkträume. Kap. III: Der\textit{Begriff der Stetigkeit }. \S 21 und 22 behandeln halbstetige und stetige (im allgemeinen mehrdeutige) Abbildungen. Verf. definiert diese folgendermaßen: \(A\) und \(B\) seien metrische Räume, \(P\) eine Abbildung von \(A\) auf \(B\). Die Abbildung \(P\) heißt ``\textit{unterhalb stetig} im Punkte \(a\in A\)'', wenn es zu jeder in \(B\) offenen Menge \(G\), für die \(P(a)G\) nicht leer ist, eine Umgebung \(U_a\) von \(a\) gibt, so daß\ für jedes \(x\in U_a\) auch \(P(x)G\) nicht leer ist. Ferner: \(P\) heißt ``\textit{oberhalb stetig} in \(a\)'', wenn es zu jeder in \(B\) offenen Menge \(G\), für die \(P(a)\subseteq G\), eine Umgebung \(U_a\) gibt, so daß \(P(U_a)\subseteq G\). (Die letzte dieser beiden Definitionen geht auf \textit{W. Hurewicz} [Proc. Akad. Wet. Amsterdam 29, 1014--1017 (1926; JFM 52.0595.03)] zurück, der allerdings eine solche Abbildung als ``stetig'' bezeichnet hatte). Verf. nennt dann naturgemäß die Abbildung \(P\) ``\textit{stetig} in \(a\)'', wenn sie sowohl unterhalb als oberhalb stetig in \(a\) ist. Damit \(P\) unterhalb (bzw. oberhalb) stetig sei, ist notwendig und hinreichend, daß\ das Urbild jeder in \(B\) offenen (bzw. abgeschlossenen) Menge offen (bzw. abgeschlossen) in \(A\) sei. Für \textit{eindeutige} stetige Abbildungen (die in \S 23 besprochen werden) fallen natürlich die Begriffe ``unterhalb stetig'', ``oberhalb stetig'', ``stetig'' zusammen. Die hier für die angegebenen Begriffe verwendeten Bezeichnungen ``oberhalb und unterhalb stetig'' erscheinen deshalb als nicht recht glücklich gewählt, weil (vgl. S. 296) die oberhalb (bzw. unterhalb) stetigen reellen Funktionen \(f\) vom Verf. in der üblichen Weise definiert werden und die durch ein solches \(f\) vermittelte eindeutige Abbildung keineswegs oberhalb (bzw. unterhalb) stetig zu sein braucht. \S 23 bringt noch u. a. die Hahn-Mazurkiewiczsche Charakterisierung der Streckenbilder und als Folgerung daraus den Satz (23. 5. 41): Ist sowohl \(A\) als \(B\) eine in sich kompakte, zusammenhängende und lokal-zusammenhängende Menge, und enthält \(A\) mehr als einen Punkt, so ist \(B\) stetiges Bild von \(A\). \S 24 betrachtet die homöomorphen Abbildungen (mit besonderer Berücksichtigung der Youngschen Mengen). - Nun wird von den allgemeinen Abbildungen zu den reellen (d. h. reellwertigen) Funktionen übergegangen. \S 25 und 26 behandeln stetige und unstetige Funktionen, \S 27 die Vernachlässigung von Teilmengen, \S 28 konvergente Funktionenfolgen, insbesondere die gleichmäßige Konvergenz und deren Abschwächungen, \S 29 Funktionenmengen, vor allem gleichgradige Stetigkeit und kompakte Funktionenmengen. Kap. IV: \textit{Borelsche Mengen und Bairesche Funktionen}. \S 30 untersucht (teilweise an Hausdorffs Mengenlehre \S 41 anknüpfend) die Charakterisierung von Funktionenklassen durch Urbildmengen. Wesentlich ist hier und später die folgende neue Begriffsbildung: Ein Funktionensystem \({\mathfrak S}\) heißt ``\textit{autark}'', wenn folgendes gilt: \(1_a\)) Alle Konstanten kommen in \({\mathfrak S}\) vor. \(2_a\)) Ist \(f\in {\mathfrak S}\) und \(c\) eine endliche Konstante, so ist auch \((f+c)\in {\mathfrak S}\), und wenn \(c>0\), auch \(cf\in {\mathfrak S}\). \(4_a\)) Ist \(f\in {\mathfrak S}\) und bedeutet \(S\) die Schränkungstransformation, so ist auch \(S(f)\in {\mathfrak S}\), und wenn \(| f| \le 1\), auch \(S^{-1}(f)\in {\mathfrak S}\). \(3_a\)) Ist \(f_1\in {\mathfrak S},f_2\in {\mathfrak S}\), so ist auch \(\text{Max}(f_1,f_2)\in {\mathfrak S},\text{Min}(f_1,f_2)\in {\mathfrak S}\). Die wichtigste Forderung \(4_a)\) ist dieselbe, durch die \textit{W. Sierpiński} [Fundam. Math. 18, 1--22 (1932; Zbl 0004.29401, JFM 58.1055.04)] die ``Funktionenringe'' definiert hatte. Verf. bezeichnet ferner als \textit{``völlig autark''} ein autarkes Funktionensystem \({\mathfrak S}\), das auch noch additiv und \textit{``geschlossen''} ist (d. h. mit jeder gleichmäßig konvergenten Funktionenfolge aus \({\mathfrak S}\) auch deren Grenzfunktion enthält). \S 31 betrachtet die Erweiterung von Mengen- und Funktionensystemen, z. B. bei einem Funktionensystem \({\mathfrak S}\) die Erweiterung durch Hinzunahme der Grenzfunktionen aller monoton wachsenden (bzw. abnehmenden) oder auch aller beliebigen Funktionenfolgen aus \({\mathfrak S}\). Hierzu (und zu einigen Sätzen von \S 32 und 34) bringen ``Nachträge und Ergänzungen'' (S. 399--402) einige Vereinfachungen dadurch, daß vielfach der Begriff ``autarkes Funktionensystem'' durch den weniger fordernden Sierpińskischen Begriff des ``Funktionenringes'' ersetzt werden kann. \S 32. Einschiebungs- und Erweiterungssätze. \S 33 enthält eine eingehende Untersuchung der Borelschen Mengen und zwar zunächst allgemein über einem beliebigen System von Teilen einer beliebigen Menge; dann spezieller über dem System der abgeschlossenen und offenen Mengen eines metrischen Raumes. Darstellung und Bezeichnung weicht hier völlig von dem früheren Buch des Verf. (1921) ab: Das System der Mengen höchstens \({\mathfrak B}_{\xi }\) bzw. höchstens \({\mathfrak D}_{\xi }\) wird jetzt vom Verf. mit \({\mathfrak B}^{\xi }\) bzw. \({\mathfrak B}_{\xi }\) bezeichnet; und es wird \({\mathfrak B}_{\xi }^{\xi }= {\mathfrak B}^{\xi }\cdot {\mathfrak B}_{\xi }\) gesetzt. Besonders erwähnt sei hier noch der Abschnitt über die ``Universalmengen'' und die daraus folgenden Existenzsätze. \S 34 und 35 untersuchen dann die Baireschen Funktionen, auch zunächst allgemein, ausgehend von einem beliebigen Funktionensystem \({\mathfrak S}\) auf einer beliebigen Menge \(E\); dann spezieller, ausgehend von dem system \({\mathfrak C}\) der stetigen Funktionen eines metrischen Raumes \(E\). Auch hier weichen die Bezeichnungen von den im früheren Buch (1921) eingeführten wesentlich ab: Das System der Funktionen höchstens \(G_{\xi }\) bzw. höchstens \(g_{\xi }\) wird jetzt vom Verf. mit \({\mathfrak C}^{\xi }\) bzw. \({\mathfrak C}_{\xi }\) bezeichnet; und wieder wird \({\mathfrak C}_{\xi }^{\xi }={\mathfrak C}^{\xi }\cdot {\mathfrak C}_{\xi }\) gesetzt. In \S 36 werden speziell die halbstetigen Funktionen, in \S 37 die Funktionen erster, zweiter und dritter Klasse betrachtet. Satz 36. 4. 2 besagt: Ist \(f\) eine Bairesche Funktion im Youngschen Raume \(E\), so gibt es eine oberhlb (bzw. unterhalb) stetige Funktion auf \(E\), die mit \(f\) in allen Punkten einer Residualmenge (= Komplementärmenge einer Menge erster Kategorie) übereinstimmt. \S 38 verarbeitet eine Reihe von neueren Veröffentlichungen über Folgen von Baireschen Funktionen. Besonders erwähnt sei, daß hier (S. 316--320) Resultate, die \textit{Stepanoff} und \textit{G. Goldowsky} [Fundam. Math. 11, 275--276 (1928; JFM 54.0284.02)] für stetige Funktionen gegeben hatten, auf Bairesche Funktionen einer beliebigen Klasse verallgemeinert werden. Neu ist wohl auch Satz 38. 6. 4: Damit \(A\) Konvergenzmenge einer Folge \(((f_n))\) aus \({\mathfrak C}_{\xi }\) (bzw. aus \({\mathfrak C}^{\xi }\)) sei, ist notwendig und hinreichend, daß \(A\in {\mathfrak B}_{\xi +3}\) sei. Auch der Abschnitt über die unvollständige Grenzfunktion einer Folge von Baireschen Funktionen sei noch besonders erwähnt. Das Kap. schließt (in \S 39) mit der Untersuchung der ``partiell stetigen'' Funktionen in Produkträumen. Kap. V: \textit{Die analytischen Mengen}. Diese waren in des Verf. Buch von 1921 überhaupt noch nicht behandelt worden. Hier wird eine schöne und systematische Darstellung dieses Gegenstandes gegeben. In \S 40 und 41 werden die analytischen Mengen zuerst allgemein über einem beliebigen Mengensystem, dann speziell über dem System der abgeschlossenen und offenen Mengen eines metrischen Raumes definiert und untersucht. Die Bairesche Eigenschaft wird in der von \textit{C. Kuratowski} [Fundam. Math. 16, 390--394 (1930; JFM 56.0846.03)] angegebenen Form eingeführt. \S 42 behandelt die Beziehungen zwischen den analytischen und den spezielleren Borelschen Mengen, natürlich hier (wie auch sonst in diesem Kap.) vielfach an den einschlägigen Untersuchungen von Lusin orientiert. \S 43 bringt die Anwendungen auf die impliziten Funktionen und schließlich \S 44 die Lusinschen Siebe. (II, V2. )
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