Die neue Feldtheorie Einsteins. (Q576830)

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scientific article; zbMATH DE number 2559803
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    Die neue Feldtheorie Einsteins.
    scientific article; zbMATH DE number 2559803

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      Die neue Feldtheorie Einsteins. (English)
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      1931
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      Nach einer interessanten Gegenüberstellung der philosophischen Motive ``metaphysisch-realistischer Verankerung'' und ``positivistischer Reflexionen'', die man hinter der Entwicklung der Relativitätstheorie finden kann, und mit welchen diese Theorie vielfach eine gewisse Abgrenzung erfahren hat, sieht Verf. den spezifischen Charakter der Relativitätstheorie in dem Versuch eines logisch-deduktiven Eindringens in die Natur unter Voraussetzung ihrer Universalität und Verstehbarkeit und im Vertrauen auf das mathematische Gesetz. In ihrem Ausbau zur allgemeinen Relativitätstheorie war der relativistischen Physik die Lösung des Gravitationsrätsels weitgehend gelungen. Dabei hatte man sich in mathematischer Hinsicht stets auf symmetrische Feldgrößen gestützt, deren Struktur jedoch in keiner Weise einen Zugang zu den schiefsymmetrischen Feldgrößen des Elektromagnetismus enthielt. Hier entstand eine neue schwierige Problematik, die auch nicht einfacher wurde, wenn man an Stelle der Feldstärken mit Hilfe eines Vektorpotentials arbeiten wollte. Auch der Versuch, den sogenannten ``Materietensor'' \[ R_{ik}-\tfrac{1}{2}Rg_{ik} \] proportional dem \textit{Maxwell}schen Spannungstensor zu setzen, hat nur formale Bedeutung. Dazu kam der makroskopische Charakter der Maxwellschen Feldgleichungen. Im Endresultat war auch die Relativitätstheorie auf das ``Problem der Materie'' gestoßen. Man versuchte jetzt zunächst die Auffassung der Materie als Singularität der Feldgleichungen durchzuführen. Indessen findet sich kein natürliches Prinzip, wie man den Charakter der Singularitäten einzuschränken hat, um die bei dieser Methode auftretenden großen Unbestimmtheiten der Lösungen der Feldgleichungen zu beseitigen. Es ist nur gelungen, durch Verwendung der ``Identitäten'' im System der Feldgleichungen die Selbständigkeit der Dynamik zu reduzieren, derart daß die Bewegung bereits durch die Feldgleichungen festgelegt erscheint. Gleichwohl bleiben die Unbestimmtheiten der Singularitäten noch immer zu groß und die Gleichheit der Teilchen völlig unaufgeklärt. Andrerseits führt die inhomogene Methode (z. B. Ersatz der \textit{Laplace}schen Gleichung durch die \textit{Poisson}sche), das ``Verschmieren'' der Singularitäten, neue Größen (z. B. die Dichte \(\varrho\)) ein, deren Beziehungen zu den Feldgrößen unbekannt ist. Die Auffassung der Materie als ``Eigenlösung'', nahegelegt durch die Erfolge der Wellenmechanik, liefert räumliche oder zeitliche Mittelwerte. Sie liefert aber keine Lösung des Problems der Elementarteilchen. Die Wellenmechanik verhält sich zur Feldtheorie wie die \textit{Maxwell}sche Theorie sich zur Elektronentheorie verhält. Eine weitere Schwierigkeit liegt im Auftreten sogenannter universeller Konstanten, wenn man fordert, daß die Gesetze der Weltgeometrie von der Wahl irgend eines Maßstabes unabhängig seinsollen. Zeitintervalle lassen sich bekanntlich auf Längen reduzieren, ebenso die Massendichte auf die Raumkrümmung: 1 sec = 3\(\cdot 10^{10}\) cm, 1g = \(1,86\cdot 10^{-27}\) cm. Weiterhin entwickelt Verf. in klarer und übersichtlicher Weise die auf \textit{Riemann}scher Geometrie und Fernparallelismus aufgebaute \textit{Einstein}sche einheitliche Feldtheorie; vgl. dazu die Besprechung der Arbeiten von \textit{A. Einstein} (Sitzungsberichte Akad. Berlin 1928, 224-227; 1929, 2-7; 1930, 18-23, 110-120, 401-402; Math. Ann. 102 (1930), 685-697; F. d. M. 54, 943 (JFM 54.0943.*); 55\(_{\text{I}}\), 497-498; 56\(_{\text{I}}\), 734-738), \textit{R. Weitzenböck} (Sitzungsberichte Akad. Berlin 1928, 466-474; F. d. M. 54, 943 (JFM 54.0943.*)) und \textit{É. Cartan} (Math. Ann. 102 (1930), 698-706; JFM 56.0615.*-616). Insbesondere seien hier die Ausführungen über ``Überbestimmung'' als leitendes Prinzip beim Aufstellen von Feldgleichungen hervorgehoben (vgl. dazu die von mathematischer Seite gegebene Ergänzung durch \textit{É. Cartan}, Bulletin S. M. F. 59 (1931), 88-118; JFM 57.0551.*-554). Man stößt immer auf derartige Kompatibilitätsfragen, wenn es nicht gelingt, ein Variationsprinzip aufzustellen, als dessen Extremalengleichungen die Feldgleichungen erhalten werden können. Hervorgehoben seien ferner auch die Ausführungen, die Verf. über die physikalischen Konsequenzen aus der Feldtheorie des Fernparallelismus gibt. Das Einheitsfeld zerfällt für schwache Feldgrößen in ein \textit{Maxwell}sches und ein \textit{Newton}sches Feld. Bereits in erster Näherung ergeben sich Abweichungen vom Gravitationsgesetz \(R_{ik} = 0\). Die Lösung des statischen kugelsymmetrischen Feldes hängt in strenger Form von zwei Konstanten ab. Ferner existiert das Gravitationsfeld beliebig vieler ruhender elektrisch neutraler Massenpunkte in strengem Sinne im Gegensatz zur früheren Theorie. In einem letzten Abschnitt berichtet Verf. eingehend über die neueren Experimente zur Bestätigung der relativistischen Effekte. Die außerordentlich hohe Dichte des Sirius ließ einen besonders starken Rotverschiebungseffekt erwarten. Die Theorie ergab \(0{,}3\)\, \textitÅ, die Messungen auf dem Mount Wilson und auf der Licksternwarte \(0{,}29\)\, \textitÅ als Bestätigung. Andrerseits zeigen neuere Messungen der Lichtablenkung am Sonnenrande (durch \textit{Freundlich}) übereinstimmend eine Überhöhung des theoretisch geforderten Wertes. Verf. sieht darin auch von empirischer Seite einen Anstoß, die Feldgleichungen \(R_{ik}= 0\) aufzugeben und nach neuen Möglichkeiten zu suchen, die \textit{Riemann}sche Geometrie mit dem Problem der Gravitation, weitgehend aber auch mit dem Problem der Materie, in Verbindung zu bringen.
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