Reliquiae Copernicanae. (Q5969932)

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scientific article; zbMATH DE number 2716392
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    Reliquiae Copernicanae.
    scientific article; zbMATH DE number 2716392

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      Reliquiae Copernicanae. (English)
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      1874
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      Herr Curtze hat bei Gelegenheit der Veranstaltung einer Jubiläums-Ausgabe der \textit{Revolutiones corporum coelestium} alle handschriftlichen Notizen gesammelt, welche von Copernicus in verschiedenen Büchern existiren, und erstattet über dieselben hier Bericht. Wir geben die Inhaltsüberschriften mit einigen Bemerkungen. 1. Ueber einige Notizen des Cioernicus in dem \(\varLambda E \varXi IK \grave{O} N \; KAT \grave{A} \; \varSigma TOIXE 'I \varOmega N\) des Johannes Crastonus (Mutinae 1449). Eine Zusammenstellung der griechischen Monatsnamen mit den zugehörigen deutschen, wie sich Copernicus diese Identität dachte. Die weiteren Notizen sind ohne Interesse für die Mathematik, wohl aber besitzen die ein solches für die Nationalitätenfrage, hier findet sich auch die für Copernicus' deutsche Abstammung sprechende ungeheuerliche Form \(K \acute{o} \pi \varepsilon \varrho \nu \iota x o \upsilon\). 2. Die Notizen in der \textit{editio princeps} des Euclides von 1482. (Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Trisektion des Winkels.) In diesem jetzt der Bibliothek von Upsala angehörigen Buche, welches bekanntlich die lateinische Uebersetzung des Atelhart oder Campanus sammt dessen Commentar enthält, hat Copernicus einigen Büchern Ueberschriften beigefügt. Campanus lehrt im \(4^{\text{ten}}\) Buche eine näherungsweise Trisektion des Winkels; da der Text nicht eben sehr klar ist, so giebt Copernicus der Construktion eine übersichtlichere Fassung und sagt dann: \textit{De quo vide Nicomedem de conchoidibus}. Allein dieses Werk gilt allgemein für verloren, und es erhebt sich die Frage: Kannte Copernicus dasselbe? Diese Frage wird eingehend erörtert, und zwar bringt der Verfasser alle Notizen über jene Schrift des Nicomedes bei, welche sich bei alten Autoren finden. Aus den Angaben des Proclus Diadochus, welche wörtlich mit deutscher Uebersetzung mitgetheilt werden, geht hervor, dass Nicomedes die Muschellinie selbstständig fand. Noch genauere Daten geben Eutocius und Pappus; letzterer thut allerdings so, als sei er der Erfinder, aber wahrscheinlich stammt Alles von ihm Vorgebrachte aus des Nicomedes Werk \(\pi \varepsilon \varrho \grave{\iota} \; x o \gamma \chi o \varepsilon \iota \delta \tilde{\omega} \nu \; \gamma \varrho \alpha \mu \mu \tilde{\omega} \nu\). Mit Sicherheit geht dieses Plagiat des Pappus aus dem Berichte des Eutocius hervor. Allein all diese Stellen beziehen sich lediglich auf die gewöhnliche Conchoïde, deren geradlinige Basis zugleich ihre Asymptote ist, während Copernicus offenbar die Conchoïde mit circularer Basis im Auge hat. Ob diese bereits dem Nicomedes bekannt war, bleibt eine offene Frage; wohl aber unternimmt es Herr Curtze zu zeigen, dass die Griechen, und noch mehr die Araber jene Curve kannten und zur Lösung des Dreitheilungs-Problemes anzuwenden verstanden. Schon die Lemmata des Archimedes, deren Aechtheit sehr wahrscheinlich ist, enthalten eine Auflösung, deren Charakter wesentlich der gleiche ist, wie bei Campanus. Nun wäre es einerseits immerhin möglich, dass schon Nicomedes die verallgemeinerte Conchoïde behandelt hätte, und dass jene Commentatoren, die sich nur um das delische Problem bekümmerten, die gerade hier nicht besonders verwendbare Linie ignorirt hätten, andererseits ist es auch möglich, dass ein arabischer Scholiast einer Bearbeitung der \(\lambda \acute{\eta} \nu \nu \alpha \iota \alpha\) die Conchoïde auf kreisförmiger Basis hinzugefügt habe, und dass Copernicus eines solchen Machwerkes, welches besseren Credites halber den Namen des Nicomedes an der Sritne trug, in Italien habhaft geworden sei. Jedenfalls findet sich in der vo Gherardus Cremonensis übersetzten arabischen Geometrie \textit{der drei Brüder} ein Abschnitt, der, wenn auch in grösserer Ausführlichkeit, die Trisektion ganz in der von Copernicus angegebenen Weise behandelt, und weiter lässt sich zeigen, dass jene Stelle des arabischen Manuscriptes auf die archimedischen Hülfssätze sich zurückführen lässt. Mit Einem Worte: Die Construktionen des Archimedes, Nicomedes, der drei Brüder und des Copernicus kommen im Wesentlichen auf dasselbe hinaus, auf die Verwendung der Kreis-Conchoïde, so dass die eine ähnliche Tendenz verfolgenden neueren Arbeiten von Hippauf und Albrich keine eigentlich neuen Resultate mahr liefern konnten. 3. Aus den \textit{Tabule Astronomice Alfonsi Regio} und den \textit{Tabule directionum profectionumque etc.} des Johannes Tegiomontanus. Abgesehen von einer Notiz über den König Alphons von Castilien bieten diese Autographen des Copernicus hauptsächlich numerische Daten über Planternelemente u. dgl. Wichtig für die Lebensgeschichte des grossen Mannes idt eine von ihm im April 1500 zu Bologna angestellte Mondbeobachtung, um welche Zeit man ihn früher bereits in Rom glaubte. Nach Herrn Curtze's Meinung hielt er sich überhaupt nur in Bologna, nicht aber in Padua, längere Zeit auf. Zum Schluss werden die hier stehenden handschriftlichen Anmerkungen mit dem Inhalte der \(Revolutiones\) verglichen. Die Fortsetzung der Curtze'schen Studien wird im nächsten Jahrgang zu besprechen sein.
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