Über die \textit{Newton}sche Näherungsformel.
Die Untersuchung wird für Funktionen \(f(x)\) einer komplexen Veränderlichen \(x\) geführt. Es sei eine Gleichung \(f(x)=0\) vorgelegt, \(f(x)\) als analytische Funktion vorausgesetzt. Ein erster Näherungswert sei eine willkürliche reelle oder komplexe Zahl \(x_1\); aus diesem folgt als zweiter Näherungswert \(x_2=x_1-f(x_1)/f'(x_1)\), allgemein der \(i\)-te Näherungswert \(x_i=x_{i-1}-f(x_{i-1})/f'(x_{i-1})\). Die nächsten und wichtigsten Fragen sind: I. Existiert ein Grenzwert \(\overline {x}=\lim x_i\) für \(i =\infty\)? II. Ist in diesem Falle \(\overline {x}\) eine Nullstelle der Funktion \(f(x)\)? Als Ergebnis einer ersten Betrachtung wird der Satz gefunden: Wenn die \textit{Newton}sche Näherungsformel nach einer regulären Stelle oder algebraischen Verzweigungsstelle \(\overline {x}\) der analytischen Funktion \(f(x)\) konvergiert, so ist \(\overline {x}\) eine Nullstelle von \(f(x)\). Ist \(f(x)\) eine nicht analytische, stetige, differenzierbare Funktion, und besitzt \(f'(x)\) in der Umgebung der Stelle \(\overline {x}\) nicht unendlich viele Maxima und Minima, so ist \(\overline {x}\) ebenfalls eine Nullstelle von \(f(x)\). Die nach diesen Vorbemerkungen folgenden weiteren Betrachtungen beziehen sich auf (\S\,2) die Konvergenzuntersuchung, (\S\,3) den Grad der Konvergenz, (\S\,4) Bemerkungen für den Fall reeller Funktionen, (\S\,5) stets konvergente Näherungsmethoden für algebraische Gleichungen mit lauter reellen Wurzeln, (\S\,6) Geometrisches. Aus \S\,2 führen wir den Satz an: Existiert eine positive Zahl \(\alpha <1\) der Art, daß innerhalb des um den Punkt \(x_1\) der komplexen Ebene mit dem Radius \(R=\frac{1}{1-\alpha}|\frac{f(x_1)}{f'(x_1)}|\) beschriebenen Kreises \(K|\frac{f(x)f(x)}{(f'(x))^2}|<\alpha\) ist, so konvergiert die \textit{Newton}sche Näherungsmethode mit dem ersten Näherungswert nach einer innerhalb \(K\) gelegenen Nullstelle von \(f(x)\). Im reellen Gebiete genügt es, statt des analytischen Charakters zweimalige Differenzierbarkeit der Funktion \(f(x)\) vorauszusetzen. Für \(\alpha =\tfrac12\) erhält man die Aussage: Das \textit{Newton}sche Verfahren konvergiert, sobald zwischen \(x_1\) und \(x_1-2\frac{f'(x_1)}{f'(x_1)}\) der Quotient \(|\frac{f(x)f(x)}{(f'(x))^2}|<\frac 12\) ist, nach einer zwischen \(x_1\) und \(x_1-2f(x_1)/f'(x_1)\) gelegenen Nullstelle von \(f(x)\). Von den verschiedenen Sätzen des \S\,3 möge nur der für das praktische Rechnen bedeutsame Satz hier Platz finden: Die einmalige Anwendung der Formel: \[ x_{n+1}=x_{n-1}-\frac{f(x_{n-1})}{f'(x_{n-1})}\left(1-\frac{f(x_{n-1})f(x_{n-1})}{2(f'(x_{n-1}))^2}\right) \] führt im Falle einer einfachen Nullstelle \(\overline{x}\) durchschnittlich ebensoweit wie zweimalige Anwendung der \textit{Newton}schen Formel. Von besonderer Wichtigkeit für die numerische Auflösung von Gleichungen sind die Untersuchungen der \S\S,4 und 5; die Ergebnisse können hier aber nicht wiedergegeben werden, weil sie zu großen Raum beanspruchen. Aus \S\,6 werde der Satz angeführt: Man verstehe unter \(\alpha\) eine positive Zahl und unter \(M_i(\alpha)\) die Menge derjenigen Punkte der komplexen Ebene, die, als erste Näherungswerte \(x_1\) benutzt, bewirken, daß die verallgemeinerte Näherungsmethode \(x_{k+1}=x_k-\alpha f(x_k)/f'(x_k)\) nach \(\overline{x_i}\) konvergiert. Dann unterscheiden sich innerhalb eines gegebenen endlichen Bereiches der komplexen Ebene die Mengen \(M_i(\alpha )\) für genügend kleine Werte von \(\alpha\) beliebig wenig von den vorher definierten Mengen \(K_i\).
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