Über die \textit{Cremona}sche Transformation der Ebene.
Ebenso wie die allgemeine Theorie der birationalen Transformationen der algebraischen Funktionen von zwei unabhängigen Veränderlichen, so ist auch der einfachste Fall dieser Transformationen, nämlich die \textit{Cremona}sche Transformation der Ebene, bisher nur für solche Fälle behandelt worden, in denen keine besonderen Singularitäten auftreten. Der Verf. behandelt hier diese Transformation allgemein, so daß auch die kompliziertesten Singularitäten nicht ausgeschlossen sind. Sind \(\mathfrak A\) und \(\mathfrak B\) zwei Primteiler oder Kurven auf einer algebraischen Fläche, so bezeichnet man bekanntlich mit \((\mathfrak{A,B})\) die Zahl der Schnittpunkte dieser beiden Kurven; dieses Symbol ist auch für den Fall definiert, daß \(\mathfrak A\) und \(\mathfrak B\) zwei beliebige Divisoren sind, die auch gemeinsame Teiler haben dürfen. Der Verf. geht von zwei Fragen aus: 1) Was wird aus einem beliebig gegebenen Divisor bei der Transformation? 2) Wie ändert sich bei der Transformation das Symbol \((\mathfrak{A,B})\)? Er beantwortet diese beiden Fragen hier für den Fall der rationalen Funktionen von zwei Veränderlichen; die erste hat er allgemein schon früher behandelt (Palermo Rend. 26, 113-127; F. d. M. 39, 492, 1908, JFM 39.0492.02). Wie in dieser früheren Arbeit benutzt der Verf. die Einteilung der Primteiler in Primteiler erster Art und in Primteiler zweiter Art, eine Einteilung, die von der Wahl der unabhängigen Veränderlichen abhängt. Bei geometrischer Deutung entspricht einem Primteiler erster Art von \((x,y)\) eine Kurve in der \(xy\)-Ebene, einem Primteiler zweiter Art dagegen ein Punkt. Das Entsprechende gilt natürlich für die Primteiler in bezug auf die \(\xi\eta\)-Ebene. Während für die Primteiler erster Art der Wert \((\mathfrak{A,B})\) leicht zu definieren ist, bereitet die Definition des entsprechenden Symbols für die Primteiler zweiter Art beträchtliche Schwierigkeiten und gelingt nur auf einem ziemlich großen Umweg. Der Verf. beweist dann die drei folgenden Sätze: I. Jeder Divisor, der aus Primteilern erster und zweiter Art beliebig zusammengesetzt sein kann, geht bei der Transformation in einen ganz bestimmten anderen Divisor über. II. Sind die beiden Divisoren \(\mathfrak{D}_1\) und \(\mathfrak{D}_2\) äquivalent, d. h. entsteht \(\mathfrak{D}_1/\mathfrak{D}_2\) durch Zerlegen einer rationalen Funktion der ursprünglichen Veränderlichen in Primteiler, und gehen \(\mathfrak{D}_1\) und \(\mathfrak{D}_2\) bei der Transformation über in \(\mathfrak{D}_1^\prime\) und \(\mathfrak{D}_2^\prime\), so sind auch die Divisoren \(\mathfrak{D}_1^\prime\) und \(\mathfrak{D}_2^\prime\) äquivalent. III. Sind \(\mathfrak{D}_1,\mathfrak{D}_2\) zwei beliebige -- nicht notwendig äquivalente -- Divisoren und geht \(\mathfrak{D}_1\) über in \(\mathfrak{D}_1^\prime,\mathfrak{D}_2^\prime\) in \(\mathfrak{D}_2^\prime\), so ist \((\mathfrak{D}_1,\mathfrak{D}_2)=(\mathfrak{D}_1^\prime,\mathfrak{D}_2^\prime)\). Im Anschluß an eine Arbeit von \textit{Clebsch} (Math. Ann. 4, 490-496) zeigt der Verf. sodann, daß bei seinen allgemeinen Voraussetzungen einige der für die einfachen Fälle bewiesenen Sätze nicht mehr gelten; endlich geht er noch auf die Funktionaldeterminante ein und gibt ein einfaches Zahlenbeispiel. Während bei den früheren Untersuchungen der \textit{Cremonemona}- Transformation die beiden Veränderlichen meist als Koordinaten einer Ebene gedeutet wurden, verwendet der Verf. hier die für analytische Untersuchungen bequemere Methode, daß man sich jede der Veränderlichen in je einer komplexen Zahlenebene ausgebreitet denkt.
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